Mit Feuereifer und ohne Vernunft: Wie Vereine ruiniert werden

Sie handeln mit Feuereifer, aber ohne Vernunft. Sie führen Vereine mit Umsätzen eines kleinen Unternehmens, aber ohne nüchternes Kalkül. Männer lassen sich ohne Not dazu hinreißen, renommierte Sportvereine wie Germania Leer und Kickers Emden in Schulden zu stürzen und in die Grütze zu fahren. Zwei unrühmliche Kapitel.

Mehr als eine Million Euro Schulden in Emden, fast eine Million in Leer. Ein neuer Vorstand in Emden findet eine desolate Bilanz vor. Kann der Verein gerettet werden oder muss der Vorsitzer den schwarzen Anzug anziehen und die Pleite beim Amtsgericht anmelden? Ausgang offen.

Der neue Kickers-Vorstand macht einen seriösen Eindruck. Er löffelt aus, was Vorgänger Engelbert Schmidt & Co. ihm eingebrockt haben. Schulden ohne Ende. Zum Teil auch ausgelöst durch Sponsoren, die ihre Verträge nicht einhalten und das zugesagte Geld nicht herausrücken – was sie vielleicht gar nicht haben wegen der Wirtschaftskrise. Größenwahnsinnige Vorstände bauen gern auf Sand, kalkulieren ihre Einnahmen auf der Basis von Boomzeiten.

Germania Leer steht dem Rivalen Kickers nicht nach. 930 Mitglieder zählt der Klub, recht wenig im Vergleich zu manchem Dorfverein. Er bewegt einen Haushalt von 304.000 Euro im Jahr, nimmt aber nur 278.000 ein. Für einen 30 Jahre laufenden Kredit muss er jährlich 46.000 Euro Zinsen an die Sparkasse abdrücken. Unklar ist die Abrechnung eines nicht fertigen Tribünenbaus, für den es Zuschüsse vom Sportbund gab. Der Verein bilanziert Miese: Vor zwei Jahren 137.000, im vorigen Jahr sogar 193.000 Euro. Tendenz: Keine Besserung in Sicht. Bis Ende des Jahres braucht der Verein dringend 110.000 Euro, die er bisher aber nicht hat. Die Gesamtschulden: 890.000 Euro.

Ein Grund: Germania leistet sich eine Oberligamannschaft – fünfte Liga – , die Monat für Monat 15.000 Euro verschlingt. Sechs von zehn eingenommenen Euro gehen an die Fußballer.

Einige Vorstandsmitglieder setzten sich jüngst aus der Verantwortung ab, als die Schulden ruchbar wurden. Was ihnen aber nur vordergründig mit ihren Rücktritten gelang, denn entlastet hat sie die Mitgliederversammlung am Montag nicht. Die erneute Kandidatur scheiterte an der Mehrheit der Mitglieder.

Vereinschef Helmer Stecker hält den Verein nicht für überschuldet – mit Hinweis auf die vereinseigenen Sportplätze am Hoheellernweg, deren Baulandwert er mit zwei Millionen Euro taxiert. Diese zweifellos wirtschaftlich korrekte Aussage ist aber blanker Zynismus. Denn mehr als zynisch ist es nicht. Er weiß genau, dass er vermutlich eine Rettungsaktion aus dem Rathaus provozieren würde, wenn Gläubiger die Immobilien meistbietend verscherbeln würden.

Um zynisch zu bleiben: Wenn zwei Millionen an Immobilienwert die Schulden bequem aufwiegen, könnte Germania ja einen weiteren Kredit aufnehmen. Schulden mit Schulden bezahlen – ist im Moment ja ohnehin modern im Lande.

Comments are closed.