Bier und Fußball im Widerstreit zwischen Herz und Verstand

Das Herz sagt ja, aber der Verstand sagt nein – die Fußballerkehle lechzt nach Bier, das Hirn fordert Kelts und Cola. Bier und Fußball sind ein Paar, so lange der Ball rollt. Für Fans bis nach dem Abpfiff, für Kicker in der dritten Halbzeit.

Doch jetzt kommt der Verstand ins Spiel, der ja nahe der Vernunft angesiedelt sein soll. Es lässt sich nicht leugnen, dass Bier den alkoholischen Getränken zuzuordnen ist. Trotzdem haben lederbehoste Menschen aus dem Alpenvorland es sogar hochrichterlich, dass Bier zu den Grundnahrungsmitteln zählt.

Leider können immer mehr Menschen mit Alkohol nicht umgehen und bieten den jungen ein schlechtes Vorbild. Es ist nicht mehr so wie zu längst verlorenen Zeiten, als die Rollen unter Zuschauern beim Fußball klar verteilt waren: Die Flasche Hansa-Export blieb Vater und dem Nachbarn vorbehalten, Sohn und Freund freuten sich über eine Sinalco. Alle waren zufrieden. Eine erregte Diskussion über Bierausschank beim Fußball, wie sie zurzeit im Landkreis Leer tobt, hätte es nicht gegeben.

Das Alkoholverbot in kreiseigenen Sporthallen besteht seit den 80er Jahren, als der Landkreis Leer überhaupt erst Fußball in seinen Hallen erlaubte. Alkoholverbot war grundlegende Bedingung, dass Fußballer überhaupt in den Hallen kicken durften. Ein Verdienst des damaligen Landrats Helmut Collmann, einem einst versierten Fußball-Schiedsrichter.

In einer Sporthalle in Westoverledingen gab es im vorigen Jahr Ärger wegen Zuschauern, die betrunken Krach schlugen. Davon fühlten sich einige belästigt. Und schon geschah, was oft geschieht: Aus einem Einzelfall wird eine Grundsatzangelegenheit. Mittlerweile liegt das Kind im Brunnen. Der TV Bunde als Veranstalter des Kreispokal-Turniers in der Halle beklagt Umsatzverluste von angeblich einem Drittel und sieht künftige Turniere in Gefahr. Fußball ohne Bier rechnet sich nicht, sagt der Verein.

Mag sein. Andererseits hat der Fußball eine wachsende gesellschaftliche Verantwortung, vor allem als Vorbild für junge Menschen. Alkoholtrinken unter Kindern und Jugendlichen ist ein Übel, dem schwer beizukommen ist. Deshalb schlägt jetzt auch die Stunde so manchen Schlaumeiers, der in einem Aufwasch gleich den Sekt aus Theaterfoyers oder Bier aus Feuerwehrräumen verbannen möchte. Der nächste Schritt ist die Prohibition wie einst in den USA.

Die Fußballer stecken in der Zwickmühle. Sie dürfen das Kind nicht mit dem Bade ausschütten, sie sind nicht für das Elend der Welt verantwortlich, müssen andererseits aber auch Vorbild sein. Sie müssen entscheiden, ob sie das Alkoholverbot in Sporthallen beachten oder auf Turniere verzichten. Es ist eine Entscheidung zwischen Herz und Verstand. Unser Tipp, in Prozenten ausgedrückt: Verstand gewinnt mit 51:49.

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