Werder in Not: Thomas Schaaf ist am Ende

An der Weser will es keiner hören. Aber die Misere von Werder Bremen hat einen Namen: Thomas Schaaf. Es geht hier nicht darum, einen Sündenbock für die aktuellen fünf Niederlagen in Folge zu finden. Schon seit mindestens zwei Jahren zeigt Werder große Defensivschwächen. Die Abwehr steht regelmäßig viel zu hoch, wie Fußballer zu sagen pflegen. Dafür ist allein der Trainer verantwortlich. Aber auch Vorstand Klaus Allofs macht  Fehler.

Werder hat gegen keine Mannschaft von den oberen Rängen gewonnen, weder gegen Leverkusen noch gegen München, Schalke, Hamburg oder Dortmund. Und obendrein gegen angeblich schwächere Mannschaften wie Frankfurt oder Mönchengladbach verloren, gegen Köln, Hannover 96 und Nürnberg reichte es nur zu einem Unentschieden.

Die 4:3-Pleite in Mönchengladbach am Sonnabend ist exemplarisch. Auswärts so offensiv zu beginnen wie Werder, liegt taktisch unter Kreisklassenniveau. Die ersten viereinhalb Minuten spielte Werder in der Hälfte der Heimelf. Der erste Angriff der Gladbacher, ein Konter, führte zum 1:0. In Anfangsminuten auf gegnerischem Platz ausgekontert zu werden, ist taktisch unverzeihlich. Dann genau so weiter zu machen und weitere Konter einzufangen, ist amateurhaft. Und einen völlig überforderten Außenspieler wie Abdennour nicht auszuwechseln, ist entweder Sturheit oder Schwäche des Trainers. Magath jedenfalls hätte ihn nach spätestens zehn Minuten auf die Bank beordert.

Eine Woche zuvor gegen Bayern München agierte Werder taktisch ebenfalls fahrlässig. Heimspiel hin oder her: Gegen eine bessere Mannschaft spielt man auch im eigenen Stadion nicht so offen wie Werder. Die Folge: Bayern konterte im Minutentakt, überlief die Bremer Abwehr und gewann nur deshalb nicht höher, weil die Stürmer selbst klarste Chancen versiebten.

Die verfehlte Taktik der Bremer zieht sich durch die vergangenen Jahre – ausgenommen im Herbst vorigen Jahres, als sie plötzlich und unerwartet mehr Wert auf eine stabile Abwehr legten und nicht so offen zu Werk gingen. Doch davon hat Schaaf wieder Abstand genommen. Der verdienstvolle Trainer besitzt offensichtlich nicht mehr die Autorität, die Mannschaft anders einzustellen. Vermutlich hat Jurica Vranjes Recht mit seiner Kritik, dass bei Werder mehrere Spieler im Training nur 70 bis 75 Prozent Leistung zeigen. Das darf ein Trainer nicht dulden.

Neben der Taktik stimmt auch die Einkaufspolitik längst nicht mehr. Allein die linke Außenposition: Seit Jahren versuchten sich mehr oder weniger dilettantisch Van Damme, Schulz, Magnin, Stalteri,  Tosic und jetzt Abdennour. Keiner schlug ein. Van Damme und  Tosic versagten völlig, und vermutlich reiht sich Abdennour ein. Lediglich der seit langem verletzte Boenisch ist akzeptabel, allerdings auch kein Überflieger.

Nebenbei erwähnen wir noch die Fehleinkäufe Carlos Alberto,  Moreno und Tziolis – wobei Letztere zum Glück nur geliehen waren, wenn auch  für viel Geld. Dass Rosenberg und Almeida die Bundesligareife fehlt, ist ebenfalls unstrittig – außer bei Trainer Schaaf und Vorstand Allofs, der für die Einkäufe (und Verkäufe) zuständig ist. Allofs verlängerte Verträge mit Jensen, Vranjes und Pasanen, obwohl sie allesamt über ihren Zenit hinaus sind. Keiner der Drei bereichert die Mannschaft, sofern sie überhaupt spielen. Dann Borowski. Es wird das Geheimnis von Allofs bleiben, warum er ihn für viel Geld aus München zurückgeholt hat. Borowski saß nicht zufällig bei den Trainern Klinsmann und erst recht bei Heynckes auf der Reservebank. Er ist viel zu langsam für die Bundesliga.

Zweifelhaft ist auch, das offensive Mittelfeld mit drei Leichtgewichten und reinen Technikern wie Özil, Hunt und Marin zu bestücken. Fußball ist immer auch ein Kampfspiel, und zumindest auf tiefen Plätzen im Winter ist mit Hacke-Spitze-eins-zwei-drei wenig zu gewinnen.

Alles in allem: Der zehnte Tabellenrang in der vorigen Saison ist kein Zufall. Die Misere zieht sich schon lange hin. Sie ist erst dann zu Ende, wenn Allofs einen ausgewogenen Kader bereitstellt und Thomas Schaaf als Trainer in Bremen ausscheidet. Keiner sollte sich von einem Zwischenhoch täuschen lassen, das vielleicht in den nächsten Monaten gelegentlich aufzieht. Werder steht vor mageren Zeiten, weil in der Mannschaft mehrere Großverdiener spielen, die ohne Champions-Liga nicht zu bezahlen sind:  Wiese, Fritz, Mertesacker, Naldo, Frings, Özil, Pizarro.

Was spricht dagegen, Özil im Sommer gegen viel Geld abzugeben und sich dafür strategisch zu verstärken? Özil ist hochbegabt, wird sich aber nie zu einer Führungskraft entwickeln. Ach ja: Hunt gegen ein hohes Gehalt unbedingt an Werder binden zu wollen, droht als weiterer Fehler.  Allofs und Schaaf halten offensichtlich große Stücke auf ihn – im Gegensatz zum fachkundigen Bremer Publikum, das Hunt keine einzige Träne nachweinen würde. Er hat sein Konto mit schlampigen Pässen, mangelndem Einsatz und nachlässigem Abwehrverhalten längst überzogen.

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