Archive for Oktober, 2010

ECE macht Leeranern Beine

Donnerstag, Oktober 21st, 2010

Das geplante ECE-Einkaufszentrum in der Fußgängerzone sorgt nicht nur für Anti-Stimmung in Leer. Es macht sogar Beine. Die Stadtverwaltung hat sich erfolgreich um Geld des Landes aus dem Programm „Quartiersinitiative Niedersachsen“, kurz QiN“, gekümmert. Es geht darum, die Altstadt aufzumöbeln. Das ist zwar längst nötig, aber das ECE-Center sorgt jetzt für den offensichtlich nötigen Druck.

Eine gute Seite an QiN: Nutznießer des Programms brauchen nicht einfach die Hand aufzuhalten, sondern müssen auch selbst in die Tasche greifen. In Leer geht es um insgesamt 275.000 Euro, von denen das Land 40 Prozent überweist. Den Rest tragen die Stadt sowie Geschäftsleute und Privatpersonen. Gedacht ist an einen öffentlichen Platz vor dem Stammhaus Bünting, wo sich heute Mühlenstraße, Heisfelder Straße, Brunnenstraße und Harderwykensteg treffen. Außerdem schwebt eine neue Verkehrsführung und ein Parkkonzept für die Altstadt in den Köpfen der Planer.

QiN ist nicht abgeschlossen, wenn die 275.000 Euro ausgegeben sind. Vielmehr soll es Anstöße für gemeinsames Handeln geben. Den Altstadt-Geschäftsleuten bleibt auch nichts anderes übrig, als sich als eigenständiges Viertel zu profilieren – mit attraktiver Gastronomie, kleinen, aber guten Spezialläden, hoher Freizeit-, Wohn- und Lebensqualität.

In der nächsten Woche will die Verwaltung den Altstadt-Bürgern erste Pläne vorstellen – in der Hoffnung, dass die Bürger mitmachen und ihre Angelegenheiten selbst in die Hand nehmen. Der Ansatz ist richtig, denn es wäre fatal für die Altstadt, wenn sie im bloßen Protest gegen das ECE-Center verharrte – unabhängig davon, ob ECE kommt oder nicht.

Stadt und Bürger brauchen bei QiN das Rad nicht neu zu erfinden, sondern lediglich zur Information den Blick auf den Nachbarn Emden zu richten. Dort gibt es bereits zwei Quartiergemeinschaften in der Innenstadt in den Bereichen Große Straße und Faldernstraße/Brückstraße. Viele Einzelhändler machen mit, so dass QiN schon dadurch eine eigene Qualität gewinnt. Stadtentwickler, Wirtschaftsförderer und Geschäftsleute verfolgen in Emden mit QiN ein Ziel: Leben in die Stadt bringen. Ein Vorbild für Leer.

EWE gefährdet mit Fernsehen die Pressevielfalt

Sonntag, Oktober 10th, 2010

Die EWE sollte bei ihren Leisten bleiben. Ausgerechnet der Oldenburger Energieversorger will die Medienlandschaft in Ostfriesland und anderswo umkrempeln – zum Schaden der Zeitungsverlage und vermutlich zahlreicher Arbeitsplätze. Einen Nutzen für die Menschen sehen wir auch nicht , wenn die EWE Fernsehen machen will. Aber genau das hat sie vor.

Strom und Gas zu liefern genügte der EWE schon vor 14 Jahren nicht mehr, als sie mit ihrer Tochter-GmbH EWE-Tel ins Telefongeschäft einstieg. Damals finanzierte sie mit den gewinnen aus Strom und Gas die Investitionen in die Telekommunikation. Jetzt folgt der nächste Schritt: Die EWE-Tel steigt ins lokale Fernsehgeschäft ein. Das neue Landesmediengesetz, das der Landtag demnächst verabschiedet, macht kommerzielles lokales Fernsehen ab Januar 2011 möglich.

Was hat ein Energie- und Telefonunternehmen mit Fernsehen zu tun? Auf den ersten Blick gar nichts. Zumindest fehlt jegliche journalistische Kompetenz. Diese lässt sich jedoch einkaufen, was auch schon über eine Bremer Firma namens B+B Services geschieht. Auf den zweiten Blick wird schon eher ein Schuh daraus: Die EWE-TEL besitzt dank ihrer vielen Kunden so viel unternehmerische Kraft, dass sie die nicht geringen Investitionen in Studios und Personal leisten kann. Und sie hat einen riesigen strategischen Vorteil fürs Fernsehen: Sie besitzt die Leitungen.

Der Einstieg der EWE ins Fernsehen hat aber enorme ordnungspolitische Dimensionen. Es geht um nichts anderes als um die Pressevielfalt, die mit dem Vorhaben der EWE in Gefahr gerät. Denn das Unternehmen wird mit den Zeitungsverlagen um denselben Werbekuchen streiten. Das geht an die Substanz der Verlage, die ohnehin seit Jahren mit sinkenden Anzeigenerlösen zu kämpfen haben.

Auffällig ist, dass EWE-Tel mit dem Fernsehen, das ihre DSL-Kunden per Internet sehen können, nicht in Ballungsgebieten beginnt, wo die meisten Kunden wohnen. das macht stutzig. Sie startet merkwürdigerweise in den dünn besiedelten Gebieten Ostfriesland, Cloppenburg und Cuxhaven. Warum nicht in Oldenburg, der größten Stadt in Weser-Ems? Dort hat jüngst zufälligerweise die große Nordwest-Zeitung ein eigentlich überdimensioniertes und teures Studio gebaut. Außerdem hat sie die EWE beim Gaspreis-Skandal – höchst bemerkenswert – im Gegensatz zu allen anderen Medien mit Samthandschuhen angefasst. Ein Schuft, wer Schlechtes dabei denkt.

Vor wenigen Jahren hat das Kartellamt ein Medienmonopol unter Oldenburger Führung vereitelt. Jetzt planiert die Landesregierung mit dem neuen Landesmediengesetz die Bahn für kapitalstarke Unternehmen. Diese werden die Medienlandschaft umzukrempeln. Wenn EWE-Tel ins Fernsehen einsteigt, geht es nicht um Journalismus, nicht um kompetente Information und schon gar nicht um demokratische Meinungsbildung. Es geht einfach nur um Profit. Wer das will, sollte es sagen. Unsereins will es nicht.