Omar löscht bald neben Jan

Dumpfbacken, angestachelt von Rechtsradikalen, Neonazis und NPD-Kadern, versuchen unter dem Namen Pegida schlummernde niedrige Instinkte gegen Menschen zu mobilisieren, die nicht deutsch sind. So spektakulär, dass die Bundeskanzlerin das Thema Fremdenfeindlichkeit in die Mitte ihrer Neujahrsansprache stellte.

Während Politiker und Journalisten die Rede und ihre Auswirkungen noch abwägen, schreitet in Ostfriesland ein Mann zur Tat – von dem man es auf Anhieb nicht erwarten würde. Er heißt Ernst Hemmen, wohnt in Großefehn, ist frisch gebackener Regierungsbrandmeister und damit kraft Amtes der Chef der 6000 Feuerwehrleute in Ostfriesland. Hemmen sieht Menschen anderer Religionen, Hautfarbe und Völker nicht als Feinde, Schmarotzer oder was es sonst noch an Vorurteilen gibt, sondern als Menschen, die in unserer Nachbarschaft leben. Und hier bleiben werden.

Gute Nachbarschaft an sich ist nicht immer einfach. Allein deshalb sollen mögliche Probleme unter einander fremden Menschen hier nicht klein geredet werden. Andere Menschen, andere Kulturen, andere Sitten – da müssen sich schon alle Mühe geben, um vernünftig und zivilisiert neben- und miteinander zu leben.

 Mit einem Fremdwort sprechen Politik, Kirchen, Gewerkschaften oder Arbeitgeber von Integration. Ernst Hemmen nennt sie „eines der großen Themen für die ostfriesischen Feuerwehr“. Deshalb will sich die Feuerwehr „gesellschaftlich offen zeigen“. Das ist nicht allein reiner Menschenliebe geschuldet, sondern hat einen ganz praktischen Hintergrund. Dennoch ist es richtig und gut.

Der Feuerwehr geht nach und nach der Nachwuchs aus – weil der demografische Wandel gnadenlos zuschlägt. Der Regierungsbrandmeister macht sich deshalb Gedanken, warum bisher nur wenige Männer und Frauen ausländischer Herkunft bei der Feuerwehr zu finden sind. Er nennt „Informationsdefizite“. Das ist sicherlich ein wichtiger Grund, der den Vorteil hat, dass er sich relativ leicht beheben lässt.

 Hemmen setzt mehrere Hebel zur gegenseitigen Information an. So sucht er die direkte Ansprache auf der bevorstehenden Weser-Ems-Ausstellung in Aurich. Eine Schlüsselrolle jedoch spielen die Jugendfeuerwehren. Sie können Alterskameraden aus Einwanderer- und Flüchtlingsfamilien mit kleinen Filmen über ihre Arbeit auf Youtube oder Facebook informieren und zum Mitmachen einladen. Der Regierungsbrandmeister will dafür einen Wettbewerb ausschreiben. Klar ist: Wer die Kinder begeistert, erreicht auch die Eltern.

 Integration ist Graswurzelarbeit. Die Idee des Regierungsbrandmeisters lässt sich auf Sport- und andere Vereine ausdehnen, wobei nicht verschwiegen werden soll, dass diese zum Teil schon seit Jahren ohne Aufhebens Kinder und Jugendliche aller Länder und Religionen aufnehmen. Man lese nur montags die Mannschaftsaufstellungen der ostfriesischen Fußballvereine.

Wir sind ein Zuwandererland, auch wenn dies maßgebende Politiker dies über Jahrzehnte verleugnet haben. Sträflich, wie sich jetzt herausstellt. Der Alltag ist längst bunt geworden. Deshalb wird es nicht mehr lange dauern, bis Omar neben Jan das Feuer löscht.

 

 

 

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