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Ostfriesland-Schau vor dem Aus

Totgesagte leben länger – aber ewiges Leben ist ihnen nicht beschieden. Mit genau diesen Worten begann an dieser Stelle am 12.Oktober 2014 der Kommentar über die Ostfriesland-Schau in Leer, die damals gerade vorbei war. Die Stadt Leer als Veranstalterin und die ausrichtende Firma machten lange Gesichter: Nur 68.000 Besucher waren gekommen. Nicht wenige Beobachter zweifelten diese Zahl sogar als zu hoch an.

Ihre große Zeit hat die Verbrauchermesse mit Baumarkt längst hinter sich. Einst passierten mehr als 180.000 Menschen die Tore auf der Nesse in Leer. Die Ostfriesland-Schau brummte.„Jüst dat, wat elk sehn mutt“, lautete der Erfolgs-Slogan.

Schon lange gab es auf der Messe nichts mehr zu sehen, was neu ist. Sie siechte dahin. Offensichtlich hat sie sich schon lange überholt. Da half vor Jahren auch kein Wechsel der Ausrichterfirma. Die Ostfriesland-Schau bekam die Kurve nicht mehr.

Unbeeindruckt von Bedenken schlug die Stadt Leer vor einigen Jahren den ersten Sargnagel ein, als sie die Ostfriesland-Schau terminlich vom Gallimarkt trennte. Dafür mag es verkehrstechnische Gründe gegeben haben, aber der Messe tat es nicht gut. Das Trio Viehmarkt, Ostfriesland-Schau und Gallimarkt mit verkaufsoffenem Sonntag wirkte wie ein Besuchermagnet.

Die Zugpferde der Leeraner Wirtschaft lassen sich schon sehr lange nicht mehr vor den Messekarren spannen, sieht man einmal von Bünting mit dem Teeausschank ab. Die Gemeinden Weener, Bunde, Jemgum und Firmen aus dem Rheiderland meiden die Messe ebenfalls seit einigen Jahren. Großunternehmen wie VW oder EWE präsentieren sich mit abgespecktem Programm.

Besonders für jüngere Leute – so bis Mitte 30 –  mangelt es an attraktiven Angeboten. Wirtschaft und Gesellschaft stecken mitten im digitalen Wandel, alles dreht sich um Apps, Bits und Bytes, aber in den Hallen der Ostfriesland-Schau dominieren Schuhcreme, Staubsauger, Haushaltsgeräte, Wunder-Reinigungsmittel, Gurken-Schnellschäler oder süßer Wein. Für die Messe selbst gibt es nicht mal eine Website.

Deshalb: Kein Vorwurf, keine Kritik an Firmen, die auch im nächsten Oktober die Messe meiden. Schließlich muss ein Unternehmen gewinnbringend arbeiten und wirft deshalb kein Geld aus dem Fenster, wenn es nicht davon ausgehen kann, dass es durch die Tür in größerer Menge wieder hereinrollt.

Der Stadt Leer hängt die Ostfriesland-Schau, die seit 1949 alle zwei Jahre über die Bühne geht, längst wie ein Klotz am Bein. Aber einen radikalen Schnitt scheut das Rathaus. Bezeichnend: Der Verwaltungsausschuss rang sich diese Woche nur zu einem halbherzigen Beschluss durch, der aber wie ein weiterer Sargnagel wirken wird: Statt neun Tage dauert die Messe im nächsten Oktober nur noch vier – von Freitag, dem 30. September, bis Montag, dem 3. Oktober, dem Tag der Deutschen Einheit.

Manche kleine Firmen hatten geklagt, der personelle Aufwand für neun Tage sei zu groß. Die Messe müsse kürzer sein. Doch für größere Firmen dürfte sich der hohe finanzielle Aufwand für den Stand und den Aufbau bei vier Tagen nicht lohnen, zumal bei bescheidenem Besuch. Deshalb wagen wir zu sagen: Die Ostfriesland-Schau steht vor dem Aus. Es könnte sogar sein, dass sie nie mehr stattfindet – wenn sich im Frühjahr nicht genug Aussteller anmelden.

 

 

Der Beitrag wurde am Sonntag, den 22. November 2015 um 12:51 Uhr veröffentlicht und wurde unter Allgemein, Politik, Wirtschaft abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen. Kommentare und Pings sind derzeit nicht erlaubt.

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