Archive for Januar, 2016

Berge von Schulden

Sonntag, Januar 31st, 2016

Auf Rosen gebettet waren die allermeisten Städte und Gemeinden in Ostfriesland noch nie. In der Regel gehen sie finanziell am Krückstock.

Zu bedauern ist aktuell die Stadt Emden. In ihrer Kasse herrscht Ebbe, weil der VW-Konzern wegen des Abgas-Skandals vermutlich auf Jahre keine Gewerbesteuer mehr überweist. Der Emder Stadtkämmerer will deshalb bis 2019 ein Sparpaket von 25 Millionen Euro schnüren – und hofft dann auf bessere Zeiten. Skepsis ist erlaubt.
Weil VW-Manager und Ingenieure über eine lange Zeit Kunden in aller Welt skrupellos hinters Licht geführt haben, müssen die Emder Bürger Verzicht üben. Aber das ist nicht das Ende der Fahnenstange.

Denn VW hat die Krise bisher nicht im Griff. Was Konzern-Chef Müller jüngst in einem Interview in den USA gesagt hat, deutet darauf hin, dass es in Wolfsburg an Einsicht in eigene Schuld mangelt – was einer radikalen Aufklärung im Wege steht. Mögen VW-Obere es auch von sich weisen: Der Skandal wird Jobs kosten. Das ist schlimm für Betroffene und belastet öffentliche Kassen.

Aus anderen Gründen, aber fast ebenso tief wie Emden steckt die Stadt Leer im Schlamassel. In den nächsten Jahren will sie sich jeweils zwischen fünf und acht Millionen Euro von Banken leihen, so dass sie alles in allem mehr als 40 Millionen Euro Schulden anhäuft.

Leer kann nicht mit dem Finger auf ein VW-Werk oder einen anderen klammen Großbetrieb zeigen. Hier summiert sich ein ganzes Bündel von Ursachen. So hängen der Stadt die Probleme mit der Schleuse wie ein Mühlstein um den Hals. Immer wieder sind teure Reparaturen fällig. Bald steht eine große Sanierung für 6,8 Millionen ins Haus.

Andere geplante Schulden sind auf Unzulänglichkeiten zurückzuführen und somit zum Teil hausgemacht. Beispiel: Die Stadt hat ihr Schwimmbad sehenden Auges verkommen lassen. Jetzt wird ein Neubau fällig – für mindestens zehn Millionen.

Wie die Stadt mit ihrer Renommiermeile, der Uferpromenade am Hafen, umgeht, spottet jeder Beschreibung. Damit ist hier nicht mal gemeint, dass sie dort den Winterdienst verweigert. Nein, sie hat das teure Holz dort schlicht verrotten lassen. Einen Teil der Promenade musste sie bereits vor Monaten sperren, ein weiterer Abschnitt folgt, eine Vollsperrung ist nicht ausgeschlossen. Die Kompletterneuerung geht in die Millionen.

Nächster Fall: Die Stadt hat die nötige Sanierung des Logaer Wegs zunächst über Jahre schleifen lassen und dann wegen eines ausdauernden Streits mit Anliegern bisher nicht auf die Reihe bekommen. Wie auch immer: Es wird teurer als eigentlich nötig. Die Stadt muss mindestens 3,6 Millionen Euro locker machen.
Der Vollständigkeit halber: Die Umgebung des Bahnhofs muss neu ausgerichtet werden. Das ist unter zwei Millionen kaum zu machen.

Klar ist: Eine Stadt kann ihren Haushalt nicht wie die sprichwörtliche schwäbische Hausfrau führen, die keinen Cent mehr ausgibt als sie hat. Schulden sind nicht von vornherein vom Teufel. Im Gegenteil, sie sind oft gerechtfertigt, wenn ein entsprechender Gegenwert entsteht. So argumentiert auch die Stadtspitze. Trotzdem: Zwar sind Zinsen historisch niedrig. Aber irgendwann muss Leer den Schuldenberg abtragen.

Zumal eines bei all den schönen Vorhaben noch nicht berücksichtigt wird: Das Flüchtlings-Drama wird auch an den kommunalen Kassen nicht spurlos vorübergehen.

Klein, lokal, vielseitig

Sonntag, Januar 24th, 2016

Das „Handelsblatt“ ist eine Wirtschaftszeitung von Rang, Pflichtlektüre bei Entscheidern in Wirtschaft, Politik, Verwaltungen und Gewerkschaften. Sie ist nicht so einseitig ausgerichtet oder gar langweilig, wie der Name vermuten lassen könnte.

Das vorweg zu einem Artikel im „Handelsblatt“ vor einiger Zeit, in dem die Firma Bünting aus Leer eine zentrale Rolle spielt. Hintergrund ist der umstrittene Kauf der Supermarktkette „Kaiser’s Tengelmann“ durch Edeka. Das Bundeskartellamt ist strikt dagegen, doch Bundeswirtschaftsminister Gabriel will den Kauf mit einer Sondererlaubnis genehmigen – allerdings unter harten Bedingungen wie einem fünfjährigen Kündigungsschutz für Mitarbeiter.

Kaiser’s ist zu klein, um zu überleben, sagen seine Besitzer. Das „Handelsblatt“ stellte diese Behauptung auf den Prüfstand. Das Ergebnis war in einem großen Bericht zu lesen. Überschrieben mit „Klein, lokal, vielseitig. Was Mittelständler besser machen als Kaiser’s Tengelmann“. Zu diesen Mittelständlern zählt die Zeitung die Uralt-Firma aus Ostfriesland.

Wir stellen sie kurz vor, denn Bünting kennt bei uns jedes Kind: Mehr als 200 Jahre alt, mit Teehandel groß geworden, heute ein expandierender Versorger, vorgestoßen bis weit hinein nach Nordrhein-Westfalen, wo er sich die Kult-Firma Jibo und andere einverleibt hat.
Die Bünting-Leute an der Spitze sind bodenständig, aber modern. Neuerdings machen die Ostfriesen für ihren Tee sogar Reklame in der Rheinbahn in Düsseldorf – und wer mal Lebensmittel online kaufen will, kann es bei Bünting probieren.

Im „Handelsblatt“ kommt Vorstand Rolf Warnders, aus Wymeer stammender Sohn eines Bäckermeisters, ausführlich zu Wort. Er wird damit zitiert, dass „Eigenmarken für den Kunden immer mehr an Bedeutung gewinnen“. Bünting wirbt mit einer Eigenmarke für preiswerte Lebensmittel, mit einer eigenen Bio- und einer Feinkostlinie. Und über „mytime.de“ bietet es 30.000 Artikel online an, einschließlich Lebensmittel.

In Weser-Ems ist Bünting – neben seinem „Grünpack-Tee“ – bekannt mit famila, Combi, Markant, Bünting Coloniale und im Elektrohandel mit Telepoint. In Westfalen firmiert Bünting unter Jibi, Coma oder Minipreis.
Die Bünting-Gruppe beschäftigt mehr als 14.000 Menschen. Ihre Aktien gehören nach wie vor dem Familienstamm Klopp, der neben Bünting zu den Firmengründern gehört. In Ostfriesland zählt das Unternehmen neben VW und Enercon zu den größten Arbeitgebern. Im Vergleich zu Aldi, Lidl, Rewe und Metro ist es jedoch klein.

Aber die relativ kleinen Lebensmittelfilialisten – neben Bünting sind es beispielsweise Coop in Kiel oder Tegut in Fulda – fühlen sich wohl im Schatten der Riesen. Sie spezialisieren sich oder füllen Nischen.
Die Marktmacht der Großen kann für die Kleineren natürlich zum Problem werden. Sie versuchen dies auszugleichen, indem sie sich auf überschaubare Regionen beschränken, so wie Bünting in Weser-Ems und im östlichen Westfalen. Man expandiert, aber nicht um jeden Preis.

Die „Kleinen“ wissen, worauf es ankommt – weil sie nahe beim Kunden sind. So schreibt das „Handelsblatt“: „Während Konkurrenten wie Kaiser’s ihre Filialen schließen und bei Renovierungen nur mäßigen Ehrgeiz zeigen, investieren die Mittelständler massiv in ihre Filialen.“ Weil es sich lohnt.

Eine Brücke, eine Brücke…

Sonntag, Januar 17th, 2016

Lang, lang ist’s her. Bismarck war Reichskanzler und Wilhelm I. deutscher Kaiser, als von 1874 bis 1876 die Friesenbrücke über die Ems zwischen Weener und Hilkenborg gebaut wurde. Eine stramme technische Leistung. Zwar gab es damals schon Maschinen und mechanische Hilfen, aber sehr weit her war es damit noch nicht.
Die Brücke tat ein halbes Jahrhundert ihren Dienst, in erster Linie Eisenbahn-Züge von und zu den Niederlanden über die Ems rollen zu lassen. 1924 begann der Bau einer neuen Brücke. Bereits etwas mehr als zwei Jahre später spannte sie sich über den Fluss. In der Form, wie wir sie heute kennen: Als stählerne Rollklappbrücke, 335 Meter lang.

Die Ingenieure der Brückenbauanstalt Gustavsburg bei Mainz waren offensichtlich nicht nur tüchtige Fachleute, sondern dachten über den Tag hinaus. Sie planten statt der vorherigen Dreh- eine Klappbrücke. Aus zwei Gründen. Erstens: Eine Klappbrücke ist schon von weitem zu erkennen – was bei Dunkelheit nicht der Fall ist, wie wir fast 90 Jahre später leidvoll erfahren mussten. Zweitens: Neben einer Klappbrücke kann ohne Problem ein zweites Gleis verlegt werden – wozu es auch jetzt nicht kommt.

Wenige Wochen vor Ende des Zweiten Weltkriegs, Mitte April 1945, sprengten Wehrmacht-Soldaten die Brücke in den Fluss. Fünf Jahre später begann der Wiederaufbau, der von 1950 bis 1952 ruck, zuck über die Bühne ging – nach den vorliegenden alten Plänen. Die Fachzeitschrift „Die Bautechnik“ aus Berlin hat sie schon am 29 Mai 1925 grafisch anschaulich dargestellt und beschrieben, heute nachzulesen im Internet.
Für die Meyer-Luxusliner wurde die Brückenöffnung vor mehreren Jahren erweitert. Ein Teil lässt sich per Schwimmkran herausnehmen. Mit größeren Mühen kam auch der Bahnverkehr wieder in Schwung – bis
am Abend des 5. Dezember 2015 der Papenburger Frachter „Emsmoon“ die geschlossene Brücke rammte und unpassierbar machte.

Seitdem setzt die Deutsche Bahn so genannten Schienenersatzverkehr zwischen Neuschanz und Leer ein. Auf gut Deutsch: Sie lässt Busse fahren. Das ist auf Dauer keine gute Lösung. Aber sie wird auf unbestimmte Dauer die Lösung bleiben, denn eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr als dass die Deutsche Bahn zügig die Brücke wieder in Schuss bringt. Die Bahn-Strategen haben schon mal verlauten lassen, dass sie mit einer Planungs- und Bauzeit von mindestens fünf Jahren rechnen.

Fünf Jahre werden nicht reichen, denn die Bahn wird nicht eine Stunde früher mit Plan- und Finanzierungsarbeitern beginnen, bis die letzte Unterschrift unter den bestimmt unzähligen Papieren erfolgt ist. Dabei gibt es an der Notwendigkeit keine Zweifel. Wirtschaft, Politik und Tourismus in Deutschland und den Niederlanden drängen. Fünf Jahre: Wenn man ein Jahr Verzug wegen der gesetzlich vorgesehenen europaweiten Auftrags-Ausschreibung abzieht, erscheinen selbst vier Jahre eine sehr lange Zeit. Was zu Bismarcks Zeiten, was in den 20er Jahren oder in der Nachkriegszeit innerhalb zwei Jahren möglich war, müssten moderne Baufirmen des 21.Jahrhunderts doch mit links schaffen.

Ältere unter uns mögen sich an Charlie Rivel, den Clown („Akrobat schööön“), erinnert fühlen. „Eine Brücke, eine Brücke“ – immer ging sein Seufzer in herzerweichendes Weinen über, wenn seine Brücke zusammenbrach.

Das bisschen Winter

Freitag, Januar 8th, 2016

Von einem richtigen Winter kann keine Rede sein. Aber trotzdem bricht bei lächerlichen vier, fünf Grad unter null, leichtem Niesel oder einigen Schneeflocken ein großer Teil des Verkehrs zusammen. Dabei geht es nicht um Blitzeis wie stellenweise am Donnerstag gegen Abend, sondern um die Tage vorher seit Sonntag, als der Winter sich kurz aufraffte.

Schon fuhren keine Züge mehr, blieben gar mitten auf der Strecke stehen. Fahrgäste mussten sich die Nacht im Zug um die Ohren schlagen oder in ein Hotel ausweichen. Die Deutsche Bahn bewies wieder einmal wie schon seit Jahren, dass sie ein im Kern angerottetes Unternehmen ist. Sie ist oft unpünktlich, der Service schlecht oder gar nicht vorhanden. Die seit mehr als einem Jahr dachlosen Bahnsteige am Bahnhof Leer sind gerade im Winter eine bodenlose Unverschämtheit der Bahn.

Sie ist weder heißem noch kaltem Wetter gewachsen. Im Sommer knicken die Klimaanlagen bei hohen Temperaturen ein, die Reservierungsanlagen versagen sogar bei jedem Wetter. Regelmäßig lässt die Bahn ihre Weichen bei frostigem Regen einfrieren, obwohl sie seit einem ähnlichen Desaster vor einigen Wintern Besserung gelobt hatte.

Wie schaffen es eigentlich die Russen mit der Transsibirischen Eisenbahn, mehr als 9000 Kilometer fast ganz Eurasien zu durchqueren, über Dauerfrostböden und bei bis zu minus 62 Grad? Ein Bahnmitarbeiter antwortete neulich auf eine entsprechende Frage: „Die Russen fahren mit Dieselloks, die sind weniger anfällig.“ Mag sein, aber die „Transsib“ wird mit Gleichstrom und Wechselstrom angetrieben. Von Ausfällen bei wenigen Grad unter Null zumindest ist keine Rede. Die Bahn in Deutschland war auch schon mal weiter als heute. Stolz hieß ihr Werbespruch im Winter: „Alle reden vom Wetter. Wir nicht“.

Abgesehen von den Unzulänglichkeiten der Deutschen Bahn: Bei der Eisenbahnbrücke in Weener, die vor Wochen von einem Schiff zu Schrott gerammt wurde, stehen die Signale noch lange auf Rot. Die Bahn lässt jedenfalls bislang kein klares Bekenntnis zum Wiederaufbau von sich hören. Das lässt nichts Gutes ahnen. Zum Glück ist es eine internationale Strecke, die einseitig nicht so einfach aufgegeben werden kann.

Der so genannte Winter macht noch weitere Schwächen unserer Infrastruktur deutlich oder wie wir damit umgehen. Überörtliche Straßen wie Autobahnen, Bundes-, Landes- und auch Kreisstraßen werden in der Regel zügig geräumt oder gestreut. Ganz anders Straßen in Wohnsiedlungen. Dicke Eispanzer machten sie im Wortsinne zu Schöfelbahnen. Das mag für einige Stunden ganz witzig sein und verleitet einen Fernsehsender wie das ZDF zu einem längeren Bericht. „Wymeer wird berühmt“, schrieb ein Facebook-Nutzer und postete den ZDF-Streifen.

Aber für die Anlieger dieser Eisstraßen ist es alles andere als spaßig. Sie können sich dort kaum bewegen, ohne Knochenbrüche und Schlimmeres zu riskieren –zumal dort, wo es keine Bürgersteige gibt oder wo Bürgersteige nicht ordentlich abgestumpft werden. Man kann es Postboten oder anderen Dienstleistern kaum verdenken, wenn sie diese Straße meiden. Ein höchst unerfreulicher Zustand, den die Gemeinden zu verantworten haben. Sie räumen und streuen nur an wenigen Stellen – aus Kostengründen. Wenn die Bürger dies so hinnehmen, ist ja alles in bester Butter. Das bisschen Winter.

Herolde aus dem 3D-Drucker

Dienstag, Januar 5th, 2016

Die drei Herolde des Gallimarkts in Leer stehen für 500 Jahre Tradition. Sie trommeln, klingeln und rufen. Einst könnten sie auch als Symbol für den Einzug der vierten industriellen Revolution bei uns in regionalen Geschichtsbüchern auftauchen.  Diese Revolution, auch die digitale genannt, ist zwar längst da, doch die Herolde machen sie jetzt sichtbar. Seit diesem Tag Anfang Dezember – als die drei Männer in ihren historischen Gewändern sich im „Emspark“ scannen ließen und sich kurze Zeit später originalgetreu als Figuren bestaunen konnten, 25 Zentimeter hoch. Es war angemessen, dass Bürgermeisterin Beatrix Kuhl eigens zu diesem Anlass gekommen war.

3D-Drucker stülpen die Fertigungsweise um, wie wir sie kennen. Bisher wird ein Produkt aus einem Stück Holz, Kunststoff oder Metall geschnitten, geschlagen, gefräst oder gedrechselt. Das Werkstück entsteht durch Trennung, es gibt auch Abfall. Jetzt aber ist das Gegenteil möglich: Es wird nichts mehr zerkleinert bis zum fertigen Ergebnis, sondern hinzugefügt. Fachleute nennen das „additive Fertigung“, plakativ gesagt 3D-Druck. Das Gerät braucht nur zwei Dinge: einen Bauplan und einen Rohstoff – zumeist flüssige Kunststoffe, Harze, Keramikpulver, aber auch Metall. Alles ist denkbar. Selbst Hausbau. Mit Bauplan und Rohstoff gefüttert baut der 3D-Drucker nach elektronischer Anleitung das Werkstück, zum Beispiel eine lebensechte Figur.

Schon jetzt krempelt die neue Technologie die Zahntechniker-Branche um. Neue Zähne müssen nicht mehr mühsam einzeln nach Gussdruck angefertigt werden, sondern können nach einem Scan durch den Zahnarzt von einem 3D-Drucker ausgespuckt werden. Aber nicht nur Zähne, auch Prothesen, Prototypen in der Forschung oder Ersatzteile fürs Auto. Ähnliches ist für maßgefertigte Kleidung, Schuhe und auch Produktionsteile denkbar – fast alles kann künftig aus dem 3D-Drucker kommen.

Eine Vision für den Einzelhandel: Schuhhändler könnten im Internet den Bauplan für ihr neuestes Modell verkaufen, eine App vermisst die Füße passgenau – und aus diesen Daten fertigt der 3D-Drucker im Copyshop um die Ecke den maßgeschneiderten Schuh.

Das Ganze geht auch schon zu Hause. Einfache 3D-Drucker gibt es für unter 1000 Euro. Sie können Gartenzwerge oder Weihnachtsengel aus Kunststoffen drucken. Sicher ist: 3D-Drucker werden sich durchsetzen und großen Einfluss auf weite Teile der Wirtschaft haben. Der Wachstumsmarkt ist digital.

Die Frage ist nur, ob Unternehmen den Schuss hören. Viele Betriebe hinken hinterher. Zu wenig Industrie-Unternehmen seien für die Zukunft gerüstet, sorgt sich der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI). Aber auch die digitale Infrastruktur hat Nachholbedarf. Auf dem Lande und in Kleinstädten fehlt der Zugang zum schnellen Internet.

Grundsätzlich hat der Landkreis Leer die digitalen Zeichen erkannt. An den Berufsbildenden Schulen (BBS) und bei der Verwaltungs- und Wirtschaftsakademie ist in der Informatik-und Programmier-Ausbildung einiges im Gange. Auch das Software-Netzwerk Leer rührt sich.

Dabei bietet Leer zum Beispiel Handwerkern beste Möglichkeiten: Bei den Berufsbildenden Schulen hat der Landkreis ein „Experimentierhaus“ für 1,8 Millionen Euro gebaut. Weit und breit einmalig. Dort lernen  Schüler und Auszubildende modernste Haustechnik. Der Wermutstropfen: Nur wenige Handwerksmeister nutzen für sich und ihre Mitarbeiter das „Experimentierhaus“. Nach Schulschluss steht es praktisch leer da.