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Vom Klima und vom Parken

Leer hat seit längerer Zeit ein Parkplatz-Problem und neuerdings im Rathaus einen Klimaschutzmanager. Ein Zusammenhang ist auf Anhieb nicht zu erkennen, aber es gibt einen. Er trat vor einigen Tagen in einer Sitzung des städtischen Ausschusses für Energie, Klima, Umwelt und Verkehr zutage. Dort sollte die Verwaltung den Politikern berichten, was sie vom Bau einer so genannten Park-Palette am Ostersteg hält, mit der man den Parkplatzmangel lindern möchte. Für Ortsfremde: Der Ostersteg liegt am Rande der Fußgängerzone.

Die Sitzung hatte es in sich: Der frischgebackene Klimaschutzmanager Karsten Everth nutzte seinen ersten Auftritt zu einem Paukenschlag und legte sich gegen neue Parkplätze ins Zeug. Sie konterkarieren die Ziele des Klimaschutzes, tat er kund. Ihm schwebt eine „autofreie Innenstadt“ vor.

Autos raus, Rad rein. Den meisten Politikern verschlug es fast den Atem. Nur Grünen-Fraktionschef Bruno Schachner freute sich, während Sönke Eden von der SPD sich in einer „Märchenstunde“ wähnte.

Wie handfest sind die Argumente des Klimaschutzmanagers, der sich vorrangig darum kümmern soll, Energie zu sparen und wirksam einzusetzen und über moderne Energiesysteme nachzudenken? Everth hält eine Park-Palette schon deshalb für überflüssig, weil der Parkplatz am Ostersteg aus seiner Sicht gar nicht immer besetzt ist. Diesen Eindruck kann er gewinnen, wenn er nachts oder sonntagvormittags nachschaut. Um es klar zu sagen: Besonders an Wochenenden mangelt es an Parkplätzen – weil Leer erfreulicherweise als Einkaufsstadt starken Sog ausübt und Kunden als Bonbon das gewöhnlich eher teure Parken umsonst anbietet.

Schützt Everth das Klima überhaupt, wenn aus der „Märchenstunde“ Wirklichkeit würde? Wohl kaum. Denn was wäre die Folge? Autofahrer drehen noch ein paar Runden mehr durch die Stadt auf der Suche nach einem Parkplatz – und manch auswärtiger Besucher und Kunde wird die Stadt meiden und anderswo hinfahren. Damit ist dem Handel geschadet, aber dem Klima nicht geholfen.

Everth erinnert an Klimaschützer, die Fabriken, die viel Strom brauchen, aus Deutschland vergraulen wollen – und die sich dann in Ländern mit weniger strengen Umweltauflagen niederlassen. Klimaschutz nach Art von Ideologen.

Er macht neben seinem Nein zur Park-Palette aber auch einen nachdenkenswerten Vorschlag: Die Stadt sollte den Radverkehr mehr fördern. Er meint es leider alternativ und spielt damit Parkplätze gegen ein besseres Radnetz aus. Das ist wenig sinnvoll. Das eine tun und das andere nicht lassen – dann wird ein Schuh daraus.
Generell fehlt es Leer an einem schlüssigen Verkehrskonzept. Rat und Verwaltung schaffen auch nach Jahren nicht mal eine Einigung, ob der Verkehrsknoten am Bummert nahe dem Ubbo-Emmius-Gymnasium so bleibt wie er ist oder ob er mit Ampeln oder einem Kreisel sicherer ist.

Bummert hin oder her, über eine Park-Palette dürfte sich die Ratsmehrheit eher einig werden. Am besten gleich mit Vorrechten und einer Ladestation für Elektroautos. Diese werden dem Klimaschutz-Vorwand des Klimaschutzmanagers ohnehin den Garaus machen. Das dauert zwar noch, aber der Fortschritt ist nun mal eine Schnecke.

 

Der Beitrag wurde am Sonntag, den 6. März 2016 um 13:01 Uhr veröffentlicht und wurde unter Allgemein, Politik abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen. Kommentare und Pings sind derzeit nicht erlaubt.

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