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Beim Breitband klotzen

Schnelles Internet oder neue Schulen in Weener und Moormerland – was geht vor? Soweit ließ es der Kreistag nicht kommen. Er entschied sich nicht für das eine oder andere, sondern für ein Sowohl-als-auch. Im Wahljahr wäre es wohl auch nicht gut angekommen, den Schulbau zu schieben. Auf jeden Fall ist es weitsichtig und richtig, beim Breitband-Ausbau, also beim schnellen Internet, zu klotzen.

Ostfriesland muss sich für die Zukunft rüsten, die schon begonnen hat. Die Grundlage ist Breitband. Das hat der Kreistag erkannt. Der Landkreis Leer und die Gemeinden müssen – möglichst geschlossen – zusehen, die begehrten Fördertöpfe in Hannover und Berlin anzuzapfen. Sie müssen auch selbst Geld in die Hand nehmen und außerdem Investoren und Betreiber suchen. Um es mit Bismarck zu sagen: Der Staat hilft den Betrieben aufs Pferd, reiten müssen sie selbst.

Die technische Revolution hat längst alle Bereiche erreicht. 3D-Drucker für den Hausgebrauch kann man in Leer schon kaufen. Die Größe der druckbaren Objekte ist noch auf einen Schuhkarton beschränkt. Doch erste Architekten und Ingenieure entwerfen Bauten aus druckbaren Bausätzen.

Bald kommen medizinische Anwendungen wie Prothesen aus dem 3D-Drucker. Gleiches gilt für Auto-Ersatzteile, maßgefertigte Kleidung, Schuhe oder Produktionsteile.

Eine Vision für den Einzelhandel: Schuhhändler könnten im Netz den Bauplan für ihr neuestes Modell verkaufen, eine App vermisst die Füße passgenau – und aus diesen Daten fertigt der 3-D-Drucker im Copyshop um die Ecke den maßgeschneiderten Schuh.

Erstaunlich: Bis zu 60 Prozent der Mittelständler haben sich noch nicht mit dem Thema Digitalisierung befasst. Gleichzeitig sehen und spüren sie, dass Umsätze zunehmend über den Online-Wettbewerb abwandern. Sie hinken beim digitalen Wandel hinterher. Mangelndes Bewusstsein, kein Geld, keine Fachkräfte, zu wenig Wissen. Die gute Konjunktur überlagert das Problem. Wenn die Zeiten schlechter werden, haben Betriebe mit konsequenter Digitalisierungsstrategie einen Vorteil im Wettbewerb.

Nicht zu unterschätzen: Unternehmen müssen ihre Mitarbeiter fit machen – der Bedarf an IT- und Datenspezialisten nimmt rasant zu. Es ist natürlich ein Kraftakt, so viel Manpower und somit auch Geld in die Bildung zu stecken. Und was haben sie davon? Gut ausgebildete Fachkräfte. Wer sie hat, wird zu den Gewinnern zählen – und wer sich nicht darum kümmert, zu den Verlierern.

Die Digitalisierung wird alle Bereiche der Arbeitswelt prägen – in Fabriken, Werkstätten, Läden, Büros, Labors oder auch Krankenhäusern. Sie wird die Art verändern, wie, wann und wo wir künftig arbeiten.
Bis vor kurzem galt ein Internet mit 50 Mbits pro Sekunde als genug. Doch die Datenmengen steigen um das Vielfache. Gefragt ist deshalb die fast unbegrenzt starke Glasfaser.

Ein Wort dazu: Die Telekom will ihre alten Kupferkabel mit der Vectoring-Technik aufrüsten, die aber nur bis 100 Mbit/s möglich machen. Das reicht auf Sicht bei weitem nicht und kann nur eine Übergangstechnik von kurzer Dauer sein.

Wer auf Kupferkabel setzt, verbrennt Geld. Und geht ein weiteres Risiko ein: Der Bund fördert Glasfaser und Kupferkabel – obwohl die EU das Kupferkabel noch nicht als förderfähig anerkannt hat. Beim Nein drohen Rückzahlungen.

 

Der Beitrag wurde am Samstag, den 19. März 2016 um 11:16 Uhr veröffentlicht und wurde unter Allgemein, Politik, Wirtschaft abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen. Kommentare und Pings sind derzeit nicht erlaubt.

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