Archive for Mai, 2016

Tickende Zeitbombe

Sonntag, Mai 29th, 2016

Die Welt ist ein Dorf. Als sich in diesen Tagen die Staats- und Regierungschefs der so genannten G7-Staaten in Japan trafen, redeten Obama, Merkel & Co. auch über Themen, die uns in Ostfriesland direkt angehen. Sie bemühen sich, die Weltwirtschaft wieder in Schwung zu bringen. Ein Problem sind zu geringe Investitionen der Staaten und der Unternehmen. Weltweit. Es lässt sich leicht auf Ostfriesland und das Emsland herunterbrechen.

Die Wirtschaftsauskunftei Creditreform in Leer sagt in ihrem Jahresbericht, dass die Unternehmen bei uns mehrheitlich ihre Lage gut einschätzen. Trotzdem investieren sie zu wenig, noch unter Bundesdurchschnitt, der auch schon zu niedrig ist.

Die Abschreibungen übertreffen die Investitionen. Das ist zunächst Buchhaltung. Doch dahinter tickt eine Zeitbombe – und die Creditreform schlägt Alarm. Sie fürchtet, dass die Wirtschaft bei uns ihre zurzeit gute Lage verspielt. Abschreibungen erfassen und verrechnen die Wertminderung von Maschinen, Anlagen oder Betriebsgebäuden. Um die Substanz eines Unternehmens zu wahren, müssen Investitionen  die Höhe der Abschreibungen erreichen.

Fachleute rätseln über die seit der Finanzkrise 2008 herrschende Investitionsschwäche. Denn die Voraussetzungen für Investitionen sind gut wie lange nicht: Der Zins liegt bei null – von der Europäischen Zentralbank bewusst unten gehalten, um Investitionen anzukurbeln. Und die Unternehmen sehen optimistisch in die Zukunft. Trotzdem läuft es nicht wie gewünscht. Offensichtlich trauen Unternehmen ihrer eigenen Zuversicht nicht und nähen die Taschen zu. Das führt zu einem Modernisierungsstau, der letztlich in sinkenden Wohlstand mündet, auch Löhne drückt.

Die Industrie- und Handelskammer (IHK) in Emden sieht in den Zahlen der Creditreform keine schwindende Investitionsbereitschaft. Zweifellos eine exklusive Einschätzung. Immerhin ortet eine IHK-Sprecherin „insbesondere im lokalen Einzelhandel eine breite Masse, die zurzeit wenig tut“. Dort vermutet sie „noch viel Potenzial, sich zukunftsfähig aufzustellen“.

Tatsächlich lähmt die Digitalisierung der Wirtschaft viele Einzelhändler. Sie starren auf den Online-Handel wie das Kaninchen auf die Schlange –  statt ihre Vorteile wie Kundennähe, Service und Beratung auszuspielen und mit digitalen Elementen zu verknüpfen. Einige wenige Geschäfte zum Beispiel in der Leeraner Innenstadt zeigen, wie es gehen kann. Andererseits bekommt Leer nicht mal ein W-Lan-Netz auf die Reihe – im Grunde die leichteste Übung beim digitalen Wandel.

Nicht auszuschließen ist, dass die wachsende Schar älterer Menschen sich bereits auf die Wirtschaftsleistung auswirkt. Ältere sparen lieber, als ihr Geld auszugeben. Und unternehmerisch gehen sie nicht mehr voran.

Auch der Staat hinkt seit Jahren mit Investitionen hinterher. Das ändert sich langsam, weil er  Schulden abgebaut oder so wieder Spielraum für Ausgaben hat, begünstigt vom Null-Zins. Er deckt den Nachholbedarf bei Straßen, Brücken und Schienen und kurbelt die digitale Modernisierung mit Breitband an. Außerdem muss er viel Geld investieren in Bildung und Integration der Flüchtlinge, was sich langfristig positiv auswirkt.

Von Städten und Gemeinden ist nicht viel zu erwarten. Sie gehen größtenteils finanziell am Krückstock. Allen voran die Stadt Leer. Sie muss sparen, sparen, sparen – und ihren Bürgern ins  Fleisch schneiden. Mit Steuererhöhungen.

Bauern in Wut und Not

Samstag, Mai 21st, 2016

Der kalte Atem des Marktes lässt unsere Bauern frieren. Drei Hauptgründe gibt es dafür: Die EU hat 2015 die Mengenbegrenzung (Milchquote) aufgehoben; Russland fällt als großer Käsekäufer aus, weil die EU Putin für seine Krim-Politik mit einem Handelsembargo straft; und die Chinesen haben im Moment kein Geld für europäische Milchprodukte.

Die Folge: Milch im Überfluss. Das drückt den Preis. Molkereien zahlen den Bauern weniger Geld, als die Produktion kostet. Ab 40 Cent pro Liter können Bauern rentabel arbeiten und investieren. 30 Cent brauchen sie, um über die Runden zu kommen. Doch die Molkereien überweisen ihnen um die 20 Cent oder weniger.

Ein Blick in die Regale der Discounter macht die Misere deutlich: Ein Liter Vollmilch bei Aldi kostet 46 Cent, gesenkt von vorher 59 Cent. Ein Preisabschlag von fast 25 Prozent. Ein halbes Pfund Butter kostet 70 Cent, vorher 75. Ähnlich billiger wurden Schlagsahne, Kondensmilch, Quark und Joghurt.

Den Handel lassen Proteste der Bauern kalt. Wir sind nicht für das Überangebot an Rohmilch verantwortlich, sagt Aldi  – und verweist auf seine Preispolitik, günstige Einkaufspreise an die Verbraucher weiterzugeben.

Die Bauern laden Frust und Wut bei der Politik ab. So legten sie neulich in Leer mit ihren Treckern den Verkehr lahm, als die Kanzlerin die Bundeswehr besuchte. Vorbei sind die Zeiten, als Bauern eine Vorfeld-Organisation der CDU waren.

Gitta Connemann erlebte es jetzt hautnah in Bunde, wo sie über die neue Düngeverordnung reden wollte. Bauern blockierten mit Treckern die Zufahrt zum Tagungslokal. Sie wollten nichts vom Dünger hören, sondern wie es um die Milch steht. Eine neue Erfahrung für die Bundestagsabgeordnete, deren Vater lange Jahre Landvolk-Präsident in Ostfriesland war und die als Juristin für den Arbeitgeberverband der Landwirte und Genossenschaften gearbeitet hat.

Aber bei nackter Existenznot verschwimmen alte Freund-Feind-Linien. Zwei Verbände der Bauern streiten heftig um den Kurs. Dabei kommt es vor, dass ein Jungbauer dem Landvolk-Präsidenten ein Ei auf den Kopf schlägt.

Berlin hat keinen direkten Einfluss auf die Agrarpolitik, stützt allerdings wie der Bauernverband grundsätzlich den Kurs der EU und lehnt eine Rückkehr zur Milchquote ab. Landwirtschaftsminister Schmidt (CSU) kann nur Salbe verteilen. 178 Millionen Euro sind im Gespräch. Zum Beispiel als Liquiditätshilfen, um Kredite bedienen zu können. Hilft’s? Ein großer Teil Bauernland ist längst in Bankenhand.

Schmidt appelliert an Bauern und Molkereien, sich freiwillig zu beschränken. Auch diese Idee verdient ein Fragezeichen. Genau wie die Idee von Steuererleichterungen. Wer keine Gewinne erzielt, braucht keine.

Bundesregierung und Bauernverband setzen auf eine rationalisierte industrielle Landwirtschaft, die ihre Überschüsse in aller Welt verkauft. Dafür gibt es Gründe. Aber wer das will, muss auch die Konsequenz bedenken: Statt 77.000 Milchbauern bleiben dann in Deutschland noch 7.000 Großlandwirte.

Das hat auch Folgen für unsere Kulturlandschaft, die von Bauern nebenbei gepflegt wird. Auch die ökonomische Wirkung auf Dörfer ist nicht zu unterschätzen. So hat Landmaschinenhändler Wittrock in Brual bereits Mitarbeiter entlassen, weil kaum ein Bauer einen Trecker kauft.

 

Es geht um mehr

Samstag, Mai 14th, 2016

Reden wir zur Abwechslung mal von der schönsten Nebensache der Welt. Wobei wir uns auf Nebensache nicht unbedingt versteifen, sie kann auch mehr sein. Wie auch immer: Heute rollt hier der Fußball, dessen Magie der legendäre schottische Trainer Bill Shankly einst auf den Punkt gebracht hat: „Beim Fußball geht es nicht um Leben oder Tod. Es geht um mehr.“

Wir könnten noch eins drauf setzen und auf ein wunderbares Buch des Fußball-Journalisten Christoph Biermann verweisen, in dem er gesammelte Fan-Post  veröffentlicht. Titel ist ein Satz aus dem Brief eines Fans an seine Mutter: „Wenn Du an einem Spieltag beerdigt wirst, kann ich leider nicht kommen.“ Das dürfte nicht jedermanns Sache sein. Unbestritten ist jedoch, dass heute auch für viele Ostfriesen ein Tag ist, den sie sich im Kalender angekreuzt haben: Der letzte Bundesliga-Spieltag.

Diesmal ein besonderer. Denn für Werder geht es…. Ja,  um was eigentlich? Um mehr. Für ausgesprochene Fußballmuffel, die es ja auch geben soll: Werder heißt der auf einem Werder in der Weser zu Bremen 1899 gegründete Fußballklub. Er schwebt in höchster Abstiegsgefahr und kann sich heute Nachmittag mit einem Sieg gegen Eintracht Frankfurt retten.

Ostfriesland ist Werder-Land. Busweise oder in hunderten von Pkw rollen die Fans über die A 28 wie an jedem Heimspieltag an die Weser, andere nehmen die Bahn – in eine Stadt, die in die grün-weißen Vereinsfarben getaucht ist, wo die Zeitungen heute in grünem Ton erscheinen, wo die Menschen – nicht nur dort – vor allem ein Thema kennen: Werder muss drin bleiben. Und vor den Fernsehern und erst recht im Stadion werden sich ab halb vier die geballten Emotionen entladen. In der Hoffnung auf „Good vibrations“, um es mit einem Song der Beach Boys zu sagen.

Himmelhoch jauchzend oder – Gott bewahre – zu Tode betrübt. Die Gefühlsskala der Werder-Fans kennt heute nur Extreme. Die der Gäste aus Frankfurt natürlich auch, aber umgekehrt.

Was ist denn nun die geheimnisvolle Faszination des Fußballs? Der Soziologie-Professor Harald Lange, Leiter des Instituts für Fankultur an der Uni Würzburg,  unterscheidet zwischen Opern-Fans und Rockband-Groupies auf der einen und Fußball-Fans auf der anderen Seite. Gleich ist allen die Emotionalität.

Der Unterschied: Ein Konzert ist rein auf Unterhaltung ausgerichtet, das Ergebnis ist klar. Unterhaltung spielt auch beim Fußball eine Rolle, aber das ursprüngliche Element für den Fan ist das Miterleben des Wettkampfes, dessen Ergebnis offen ist. Fans hoffen die ganze Zeit, dass ihre Mannschaft gewinnt. Diese Dramaturgie vergleicht Lange mit dem Theater – und wenn kurz vor Schluss das Siegtor falle, sei das einfach großes Drama, je nach Blickwinkel auch echte Tragödie.

Es gibt auch Leute, die Fußball in die Nähe einer Religion rücken. Schon Herbert Zimmermann schrie 1954 den Deutschen durchs Radio ins Ohr: „Toni, du bist ein Fußballgott“, nachdem er ihn kurz vorher als „Teufelskerl“ in den Himmel gehoben hatte. Dabei pariert Torwart Toni Turek im WM-Endspiel nur ein paar scharfe Schüsse des Ungarn Ferenc Puskas.

Heute reicht es schon, wenn der begnadete Stürmer Claudio Pizarro kurz vor Schluss das erlösende Siegtor schießt – und Werder ein neues Wunder von der Weser schafft. Womit wir dann auch die Frage nach Fußball und Religion geklärt hätten.

Berufsakademie Ostfriesland auf der Kippe

Samstag, Mai 14th, 2016

Der Berufsakademie Ostfriesland in Leer, kurz BAO, geht es an den Kragen, wenn Unternehmen, Kommunen und Verbände  sie nicht noch retten. 20 Jahre nach ihrer Gründung steht die BAO auf der Kippe. Sie muss finanziell auf größere Füße gestellt werden.

Deshalb hat der Vorstand vor einiger Zeit seine Kollegen Dr. Dirk Lüehrsen und Timo Weise beauftragt, sich Gedanken über die Zukunft der BAO zu machen. Lüehrsen ist Geschäftsführer des Vereins „Wachstumsregion Ems-Achse“  und war vorher Mitarbeiter der IHK in Emden, Weise ist Mitarbeiter der IHK.

Sie schlagen jetzt vor, dass die Hochschule Emden-Leer die BAO unter die Fittiche nimmt. Kurz gesagt: Leer bleibt lediglich Studienort, aber die Verantwortung für Lehre, Dozenten, Studieninhalte und Verwaltung der Studenten wandert nach Emden. Außerdem darf die BAO jährlich 150.000 Euro für zwei Stiftungs-Professuren zahlen.

Nicht alle Vorstandsmitglieder beklatschen diesen Vorschlag. Einer der Kritiker, Landrat Bernhard Bramlage, sieht die BAO schon „auf einen Unterstützungsverein für die Hochschule reduziert“.  Auf den ersten Blick sieht der Vorschlag logisch aus. Betriebswirtschaftlich wird er stimmen. Aber Bildungspolitik funktioniert nicht nur nach Kassenlage. Dazu müssen wir etwas weiter ausholen.

Vielen Betrieben fällt es immer schwerer,  neue Mitarbeiter zu finden. Die Ursache für den Mangel an Auszubildenden, qualifizierten Mitarbeitern und jungen Führungskräften ist der demografische Wandel: Immer mehr ältere Menschen, immer weniger jüngere. Daraus wächst der Fachkräftemangel.

Lange Zeit war Fachkräftemangel in Ostfriesland unbekannt. Es war umgekehrt: Es fehlten Jobs. Heute müssen sich Unternehmen anstrengen, passende Mitarbeiter zu finden. Der sicherste Weg ist, selbst auszubilden – und die jungen Leute nach der Lehre an den Betrieb zu binden. Die Alternative ist teuer: Fachkräfte von außen mit deutlich höheren Gehältern locken..

Die reine Berufsausbildung allein reicht oft nicht mehr. Die Anforderungen wachsen. Mitarbeiter brauchen eine Ausbildung auf Techniker-Niveau, was die Berufsschulen leisten. Immer öfter wird  Fachhochschulniveau verlangt. Der akademische Grad des Bachelors, ausbaufähig zu einem Master-Abschluss, ist für gehobene Posten in Betrieben und Verwaltungen gefragt.

Das bietet ideal die BAO in Leer. Sie wird von Landkreisen, Kammern und gut 200 Unternehmen getragen. Ihr Markenzeichen ist die duale Ausbildung aus Studium und Betrieb.

Die BAO ist eine Alternative zur Fachhochschule. Nun soll aber ausgerechnet die Hochschule Emden-Leer, eine Fachhochschule, die BAO schlucken. Die absehbare Folge: Die Wirtschaft in Ostfriesland und im Emsland verlöre ihren Einfluss auf die Studiengänge. Die Gefahr, dass die Hochschule in Emden bei Gegenwind die duale Ausbildung schleifen oder fallen lässt, ist nicht von der Hand zu weisen. Zumal Leer mit seinen Seefahrt-Studiengängen oft schlechte Erfahrungen mit Emden gemacht und sich als lästiges Anhängsel gefühlt hat.

Jetzt hat der Vorstand der BAO seine beiden Kollegen gebeten, ihren Vorschlag nachzuarbeiten – beispielsweise eine Zusammenarbeit der BAO mit der Verwaltungs- und Wirtschafts-Akademie in Leer ernsthaft zu prüfen. Auch vor dem Hintergrund des geplanten Bildungs-Campus kann es für Leer nur heißen: Die BAO bleibt unser Kind.

 

Sparkassen in Moll

Sonntag, Mai 1st, 2016

Die Sparkassen bewegen sich seit einiger Zeit in unruhiger See. Weil sie die Banken des kleinen Mannes, des Handwerks und mittelständischer Unternehmer sind, geht es viele an.

Zwar meldeten die ostfriesischen Sparkassen im vorigen Jahr noch ordentliche Ergebnisse, aber es deuten sich schlechtere Zeiten an. Symbol dafür war in dieser Woche auch der Deutsche Sparkassentag in Düsseldorf. In früheren Jahren ließen die Sparkassen es bei dieser Gelegenheit krachen. Alles vom Feinsten. Vorstände und Verwaltungsräte durften gern in Begleitung anreisen, ohne dass sie dafür selbst löhnen mussten. Diesmal hätte die Begleitung selbst zahlen müssen, was deren Zahl schrumpfen ließ. Der Sparkassentag wollte den Eindruck einer Fachtagung vermitteln.

Ernste Gesichter bei den Chefs, in Reden und Interviews bevorzugten sie eine Tonart in Moll. Dazu haben sie Grund. Denn sie müssen sich mit  Tatsachen herumplagen, die sie sich vor einigen Jahren nicht hätten träumen lassen. Geld einsammeln und mit einer ordentlichen Marge an Unternehmen und Hausbauer verleihen – das klappt nicht mehr so recht.

Mini-Zinsen lassen die Erträge schrumpfen, der Staat treibt die Kosten hoch durch strenge Aufsichtsregeln mit viel Bürokratieaufwand und der digitale Wandel verlangt neue Geschäftsmodelle, die erst einmal hohe Investitionen verursachen.

Und wenn Sparkassen und Banken bei der bösen Europäischen Zentralbank (EZB) Geld bunkern, kassiert diese einen Negativzins. Das trifft die Sparkassen, aber am Ende die Sparer, die auf Zins und Zinseszins verzichten müssen.

Sparkassen-Präsident Fahrenschon bereitet die Kunden darauf vor, dass sie damit rechnen müssen, mit Negativzinsen für Guthaben belastet zu werden. Seine Botschaft auf dem Sparkassentag: Natürlich werde man alles tun, um Negativzinsen auf Kunden-Einlagen zu vermeiden. Eine Garantie gibt er nicht. Wörtlich klingt das so: „Wenn dieser Zustand lange anhält, werden auch die Sparkassen die Kunden nicht ewig davor bewahren können.“ An der Gebührenschraube drehen Sparkassen schon länger. Das ist weniger durchschaubar und öffentlich nicht so brisant wie ein Negativzins.

Der Druck auf die Sparkassen wirkt längst. In Niedersachsen wurden im vorigen Jahr 86 Sparkassen-Filialen geschlossen. Die Sparkasse Leer-Wittmund stand wegen Filialschließungen vor einiger Zeit ebenfalls im Feuer der Kritik.

Über allem schwebt, wie in jedem Betrieb, die Frage der Effizienz: Wie erreiche ich mit welchen Mitteln das wirtschaftlich beste Ziel? Da kommt auch die Unternehmensgröße ins Spiel. Die Sparkassen Leer-Weener und Wittmund haben sich vor Jahren gepaart, ebenso die Sparkassen Aurich und Norden. Die kleine Emder Sparkasse bleibt bis heute allein.

Schon in den 80er Jahren hat der damalige Vorsitzende des Verwaltungsrats der Sparkasse Leer-Weener, Oberkreisdirektor Gerhard von Haus, eine Sparkasse Ostfriesland ins Gespräch gebracht, unterstützt vom  Vorstands-Chef Dr. Lukas. Dafür bezogen sie Prügel in ganz Ostfriesland.

Von Haus scheiterte weniger an der Sache. Nein, es waren überwiegend persönliche und politische Gründe. Politiker sahen nur den eigenen Kirchturm, Vorstände fürchteten um ihre schönen Jobs und Verwaltungsratsmitglieder um angenehme Nebeneinkünfte. Das dürfte heute nicht anders sein. Nur blanke Not kommt als Geburtshelfer in Frage.