Archive for April, 2017

Ratten züchten

Sonntag, April 30th, 2017

Welches Bild hat ein Klärwärter vom Menschen? Eine schwere Frage. Sie zu ergründen, scheint fast eine Doktorarbeit wert. So krass wie das Urteil des Dichters und praktizierenden Arztes Gottfried Benn (1886 –  1956)  fiele es vielleicht nicht aus, der es vor fast 100 Jahren in Berlin aufschrieb, wenn auch in anderem Zusammenhang: „Die Krone der Schöpfung, das Schwein, der Mensch.“ Doch weit entfernt wäre die Klärwärter-Sicht möglicherweise nicht.

Seelenkunde und Menschenbild hin oder her, hier geht es um greifbare  Realität, die uns alle angeht – um eine große zivilisatorische Errungenschaft, die für entwickelte Industrieländer selbstverständlich, für Milliarden von Menschen jedoch immer noch ein Traum ist: das moderne Klärwerk mit seinen  Vorstufen Spülklo und Abwasserleitung.

Wie nicht wenige unter uns jedoch damit umgehen, spottet jeder Beschreibung. In jedem Dorf, in jeder Stadt, überall im ganzen Land dient das Klo als Müllentsorgungsstation. Die Folgen sind fies, leider nicht direkt spürbar für die Verursacher. Ihr Motto: Aus den Augen, aus dem Sinn. Aber damit ist das Problem nicht aus der Welt.

Ins Klo gehören menschliche Ausscheidungen, Klopapier und Wasser. Mehr nicht. Alles andere ist schädlich. Für Abwasserleitungen, für Druckpumpen,  Klärwerk, Umwelt und Gesundheit.

Und für Klärwärter ist es mehr als eine Zumutung. Sie müssen buchstäblich im Dreck anderer Leute wühlen, die praktisch die ganze Restmüllpalette ins Klo werfen. Einige prägnante Beispiele: Windeln, Katzenstreu, Tampons, Kondome, Damenbinden, Wattestäbchen, Frittierfett, Kartoffeln, Speisereste aller Art, Medikamente, Spritzen und Rasierklingen.

Das alles klumpt zusammen und verstopft Pumpen und Rechen. Am schlimmsten sind die immer beliebter werdenden Feuchttücher. Selbst starke Pumpen kapitulieren vor diesen reißfesten Vlies-Tüchern und bleiben stehen. Dann müssen die Klärwärter ausrücken.

Von den 38 Pumpstationen in der Stadt Leer ist ungefähr alle zwei Wochen eine verstopft. Die Samtgemeinde Hesel flehte neulich ihre Bürger fast an, sich doch an die Regeln zu halten. Pro Woche kommen in dieser wahrlich nicht großen Landgemeinde bis zu 1,8 Tonnen Abfall zusammen, der in einem Klärwerk nichts zu suchen hat. Er muss deshalb mühsam gesammelt und anschließend zur Deponie gebracht werden. Hesel steht beispielhaft für alle Kommunen.

Müll in Abwasserleitungen verursacht viel Arbeit, schadet aber auch erheblich.  So greift Fett die Leitungen an, mindert die Reinigungsleistung der Kläranlage und  belastet damit die Umwelt.

Und wer Speisen durchs Klo spült, betätigt sich als Rattenzüchter. Die zu Recht unbeliebten Nager fühlen sich in den meisten Abwasserleitungen wie im Paradies – nicht wegen der Fäkalien, sondern wegen der Essensreste. Auf Tierschutz dieser Art können wir gut verzichten.

Der Betriebsleiter des Klärwerks Hesel brachte es plastisch auf den Punkt, als er jüngst von seinem weihnachtlichen Einsatz an einer verstopften Pumpstation in der Mitgliedsgemeinde Schwerinsdorf berichtete: „Man konnte sehen, dass Erbsen und Möhren das Hauptmenü am 1. Weihnachtstag waren.“ Um nicht missverstanden zu werden: Der Klärwärter gab keinen Sonderfall zum Besten. Schwerinsdorf ist überall. Anderswo unterscheidet sich höchstens die Art der Speisen. Ratten ist es wurst.

Feuer und Flamme

Dienstag, April 25th, 2017

Sie sind mit Feuer und Flamme bei der Sache. Sie brennen für den Einsatz – so lange nicht ein Bürgermeister oder ein Gemeinderat auf die Idee kommt, das hohe Engagement einer Freiwilligen Feuerwehr auf dem Lande zu löschen. Willkür steckt selten dahinter, eher Ebbe in der Gemeindekasse oder der demografische Wandel. Erschwerend: Tagsüber pendeln viele Arbeitnehmer aus dem Dorf.

 In der Gemeinde Brookmerland mit fünf Ortswehren jedenfalls schrillen die Alarmsirenen. Das Rathaus will die Feuerwehrwache in Marienhafe konzentrieren, was die Gemüter in den kleinen Wehren ringsherum lodern lässt. In Upgant-Schott, sonst höchstens bekannt als Geburtsort von Fußballheld Dieter Eilts, sind 16 von 39 Feuerwehrmännern ausgetreten, ursprünglich waren es sogar 21. Andere wollen. Die übrig gebliebenen 23 Leute sind zu wenig für eine Wehr.

 Wenn Upgant-Schott Schule macht, wonach es aussieht, steht die Gemeindeverwaltung auf dem Schlauch. Ihr bleibt keine andere Wahl, als eine gesetzlich vorgeschriebene Notbremse zu ziehen: Männer oder Frauen im Alter zwischen 18 und 55 zwangsverpflichten und ausbilden lassen. Brookmerland wäre in Niedersachsen der erste Fall.

 Im Landkreis Leer schwelt ein ähnlicher Brand – in Uplengen. Auch dort gibt es Probleme mit einigen der 15 Ortswehren. An deren Spitze hat es bereits einen Austritt gegeben.

 Rein nach Kassenlage liegt es auf der Hand, eine Miniwehr aufzulösen und mit einem Nachbarort zu fusionieren, oder einfach alle Wehren zu konzentrieren. Sachlich lässt es sich begründen.

 Aber so einfach ist es nicht. Eine Freiwillige Feuerwehr lebt davon, dass sich ihre Mitglieder mit ihr, dem Ort und den Nachbarn identifizieren. Nicht zufällig heißt es in der Wehr: „Gemeinsam geben wir alles. Damit andere nicht alles verlieren.“ Dieses Motiv lässt jedoch überproportional mit zunehmender Entfernung nach – so wie uns ein Unfallopfer in der Nachbarschaft näher geht als ein Massenunfall irgendwo auf der Welt.

 Hinzu kommt, dass die Feuerwehr häufig die letzte gebliebene Gemeinschaft im Dorf ist. Sie hat deshalb – weit über ihre Hilfe bei Feuer und Gefahr hinaus – eine nicht zu unterschätzende soziale Bedeutung. Sei es, dass sie ein Fest organisiert, einen Festumzug begleitet oder beim Osterfeuer aufpasst. Auch der regelmäßige Übungsabend bedeutet mehr, als feuerwehrtechnisch fit zu bleiben. Und die zunehmenden Kinder- und Jugendfeuerwehren bieten sinnvolle Freizeitbeschäftigung. Die Jugend von heute – die Retter von morgen.

 Das sollten sich auch Arbeitgeber vor Augen führen, wenn sie Mitarbeitern die Mitgliedschaft in einer Feuerwehr mehr oder weniger verbieten. Wenn sie sich schon nicht davon leiten lassen, dass man bei der Feuerwehr lernt, im Team zu arbeiten und Führung zu übernehmen – zwei Eigenschaften, die im Beruf oft erforderlich sind.

 Die Feuerwehr in Upgant-Schott jedenfalls steht beispielhaft für andere. Sie empfindet den Plan der Gemeinde als „Schlag ins Gesicht“, wie ihr zurückgetretener Ortsbrandmeister sagt – und verweist er auf die „fehlende Identifikation mit der zentralen Feuerwehr“. Bürgermeister und Gemeinderäte sollten es sich gut überlegen, die Axt an die kleinen Freiwilligen Feuerwehren zu legen.

Zollhaus mit festem Boden

Freitag, April 14th, 2017

Eines der markantesten Gebäude in Leer ist das frühere Zollhaus gegenüber dem Bahnhof. Backstein, 70 Meter lang, gebaut im auslaufenden 19. Jahrhundert, denkmalgeschützt.

Seit 1994 ist es ein Kulturzentrum. Träger ist der „Zollhaus Kulturverein e.V.“. Ursprünglich diente das Haus als Lager für Kolonialwaren. Später nutzte die Bundeswehr es als Lager, und die Olympia-Werke verpackten dort Schreibmaschinen. Nach dem Aus von Olympia stand es 15 Jahre leer, ehe der Zollhausverein sich 1993 der im Kern soliden, aber heruntergekommenen Immobilie annahm.

Die Grundsanierung ging ins Geld, das der Verein nicht hatte. Stadt und Landkreis Leer und das Land Niedersachsen griffen tief in die Tasche, das Land überwies bis 2005 insgesamt 0,6 Millionen Euro für Gebäudesanierung, Technik und Projekte.

Finanziell stand der Verein, der heute 153 Mitglieder zählt, von Beginn an auf wackligen Beinen. Es war ein Geburtsfehler, ihm allein die Verantwortung zu überlassen.

Fast schon vergessen: Die Stadt gab damals dem Verein den Vorzug vor der Biophysikerin Dr. Gerda Basse, die jüngst monatelang Schlagzeilen machte, weil sie getötet worden war. Sie war sehr betucht und wollte viel Geld ins Zollhaus investieren.

Jahre danach, so um 2008/09, kam das Zollhaus wegen seiner Schulden ins Gerede, auch die hauptamtliche Geschäftsführerin Birgitta Heller spielte keine rühmliche Rolle. Damals machte Frau Basse erneut einen Vorstoß. Sie wollte knapp 300.000 Euro ins Gebäude investieren und zusätzlich eine Millionen-Summe in eine so genannte Familien-Stiftung stecken. Das hieß: Zehn Prozent des Stiftungsgewinns wären der Stifterin geblieben – die nach eigener Aussage ihr gesamtes Geldvermögen einbringen wollte. Ihr Vorhaben scheiterte vornehmlich am damaligen Bürgermeister Kellner, der am Zollhausverein festhielt.

Das Zollhaus erinnerte damals an ein selbstgeführtes Jugendzentrum. Frau Basse schwebte ein Sozio-Kulturelles Zentrum vor, für alle Bevölkerungsgruppen, außerdem ein Zentrum für Technologie und Umweltschutz und – als  Geldquelle – eine Galerie und Gastronomie, professionell betrieben. Daraus wurde nichts.

Der Verein arbeitete weiter, durchaus solide und engagiert. Schuldenabbau stand oben auf der Tagesordnung. Heute stimmt das Konzept. Chöre, Theater- und Tanzgruppen üben dort und geben Vorstellungen – Kultur zum Selbermachen eben. Erste-Hilfe-Kurse laufen gut, und der Verein lädt ein zu Partys, Musik und Theater, nutzt und vermietet Saal, Café, Galerie und Theaterraum.

Aber er kommt damit natürlich nicht auf einen grünen Zweig. „Das Zollhaus muss endlich auf eine solide Basis gestellt werden“, schrieb ein Blogger schon 2009. Für ideelle Vorhaben muss erst einmal Geld verdient werden – und der  Grat zwischen ökonomischer Vernunft und kulturellem Wollen und Wünschen ist schmal.

Diese Gratwanderung könnte endlich gelingen. Die Auricher Marema GmbH, die Konzerte veranstaltet, Hallen vermarktet, Künstler vermittelt und Gastronomie betreibt, möchte beim Zollhaus einsteigen. Mit der „Stadtperle“ in Aurich neben der Stadthalle  beweist Marema, wie man Gastronomie und Kultur zu einem Gewinn für beide Seiten macht. Der Zollhausverein ist nicht abgeneigt. Gemeinsam mit Marema lotet er  die Möglichkeiten aus – um dem Fass einen festen Boden einzuziehen.

 

 

Onlinehandel kein Sündenbock

Samstag, April 8th, 2017

Die Klage ist des Kaufmanns Lied. Mal macht das Rathaus, mal die große Politik, mal die Presse oder der nervige Kunde ihm das Leben unnötig schwer, das Finanzamt sowieso. Neuerdings stimmen Kaufleute gern das Klagelied über den Onlinehandel an. Zu Recht?

Die Digitalisierung verändert das Verhalten des Kunden. Die Vorteile liegen auf der Hand: Bequemes Einkaufen vom Sofa oder von unterwegs,  rund um die Uhr, ein globales Produktangebot und die Möglichkeit, Angebote, Testergebnisse oder Kundenbewertungen zu vergleichen. Einkaufen mit einem Klick, die Ware wird ziemlich schnell ins Haus geliefert und auch der Umtausch funktioniert meistens reibungslos.

Warum sollte der Kunde also in die Innenstadt fahren, einen Parkplatz suchen, in den Laden gehen, in dem das gewünschte Produkt vielleicht gar nicht oder die passende Größe oder Lieblingsfarbe nicht da ist?

Das ist die Gemengelage für die Einzelhändler. Es geht für nicht wenige um Sieg oder Niederlage. Neue, zum Teil branchenfremde Anbieter drängen in den Markt und machen etablierten Einzelhändlern die Marktanteile streitig. Deren Problem liegt auf der Hand:  Umsatzrückgang, mangelndes digitales Know-how und fehlendes Personal oder Kapital, um digitale Elemente mit dem  stationären Geschäft zu verknüpfen. Folgen sind zu erkennen: Leerstände in  Innenstädten.

Das muss aber nicht unbedingt sein. Auch der Handel kann die Kraft der digitalen Revolution auf seine Mühlen leiten. Er muss aber den digitalen und stationären Handel zusammendenken. Das eine tun und das andere nicht lassen. Und Rathaus, Handel, Immobilienwirtschaft und Gastronomie müssen an einem Strang ziehen.

Die  Digitalisierung ist alternativlos. Allerdings macht eine Shopping-App aus einer unattraktiven Fußgängerzone keine attraktive Einkaufsmeile. Es ist komplizierter.

Ein entscheidender Grund: Die Leute geben weniger Geld aus für Konsumartikel,  dafür mehr für Freizeit, Restaurantbesuche und Reisen. Seit 2010 ist der Anteil des Einzelhandelsumsatzes an den gesamten Konsumausgaben gesunken – von 29 Prozent auf 27,5 Prozent. Das entspricht einer Summe von 40 Milliarden Euro und ist fast so viel, wie der deutsche Onlinehandel im Jahr umschlägt. Die logische Erkenntnis daraus: Der Onlinehandel ist nicht das größte Problem.

Es kommt darauf an, die Aufenthaltsqualität zu erhöhen. Wenn Menschen sich wohlfühlen, dann kommen sie auch. Die Innenstadt von Leer zum Beispiel hat  gute Karten – und muss darauf aufbauen. Leer hat es nicht so weit kommen lassen wie die eine oder andere Stadt, wo der Dreiklang von Spielhalle, Tattoo-Studio und Dönerbude das Straßenbild beherrscht. Dort ist es mit der Attraktivität nicht weit her.

Der Handelsverband Deutschland (HDE) und der Deutsche Städte- und Gemeindebund wissen, was die Stunde schlägt. Sie nennen in ihrer „Allianz für die Innenstadt“ einige Punkte: Erlebniseinkauf, Kinderbetreuung, ausgefallene Verkaufsaktionen und Plätze, wo man sich gern aufhält. Gefragt sind lokale Online-Plattformen und W-Lan-Hotspots. Der Onlinehandel darf nicht als Sündenbock für Versäumnisse dienen. Die „Allianz für die Innenstadt“ versucht deshalb, den örtlichen Handel und die Lokalpolitik zu einem Schulterschluss zu bewegen, der in Leer dringend nötig wäre.

 

 

 

 

 

 

Bünting und die Hoffnung

Sonntag, April 2nd, 2017

Bünting in schwerer See. Die Firmengruppe aus Leer, eine ostfriesische Institution, schreibt seit einigen Jahren rote Zahlen. So bilanzierte sie 2015 ein Minus von mehr als 20 Millionen Euro. Auch 2014 blinkte es rot in der Bilanz, 2016 dürfte kaum besser sein. Jetzt zog der Vorstand der Aktiengesellschaft die Notbremse.

5.700  voll sozialversicherungspflichtig Beschäftigte sollen auf fünf Prozent ihres Bruttogehalts verzichten und eine Stunde pro Woche mehr arbeiten – ohne Bezahlung. Den Netto-Gehaltsverlust will Bünting mit Einkaufsgutscheinen ausgleichen, einzulösen in eigenen Läden. Außerdem will der Vorstand 70 Mitarbeiter aus der Verwaltung  betriebsbedingt kündigen. Unterm Strich sorgt das für mehr Liquidität.

Weniger Geld, mehr Arbeit, Gehaltsentgelt durch Naturalien, Kündigungen – das geht ans Eingemachte der Mitarbeiter, zumal im Handel ohnehin nicht die dicksten Löhne gezahlt werden. Dennoch  werden die meisten in den sauren Apfel beißen. Auch wenn der Vorstand sagt,  der Verzicht sei freiwillig. Geschenkt. Eine Job-Alternative haben die wenigsten.

Medien in ganz Deutschland berichten über Bünting – weil „Gutscheine statt Gehalt“ nur selten vorkommen. Dem Ansehen der Firma schadet es. Auf Kosten der Mitarbeiter  sparen und damit den Umsatz ankurbeln – nun denn.

Das Dumme an der Aktion: Keiner weiß, ob sie zündet. Denn es steht keineswegs fest, dass der harte Sparkurs in bessere Zeiten mündet. Sparkurs hin, Sparkurs her, am Ende hilft nur eines: Die Erneuerungspläne müssen  den Kunden schmecken.

Bünting ist nach eigener Aussage nicht mehr wettbewerbsfähig. Dafür gibt es mehrere Gründe. Das Unternehmen, das 14.000 Leute beschäftigt, ist schnell gewachsen, vielleicht zu schnell. Und hat Ladenketten wie Jibi in Westfalen gekauft, die nicht mehr zeitgemäß sind. Bis Ende 2018 will Bünting deshalb 230 Läden aufmöbeln, darunter auch  Markant- und Combi-Geschäfte.

Famila in Leer lief so schlecht, dass es geschlossen wurde. In Vechta hat Bünting ein Famila-Center völlig umgekrempelt, nach modernem Konzept. Künftig soll auch das Lebensmittel-Onlineportal Mytime mit dem  stationären Handel verknüpft werden. Alles in allem kostet es   Millionen.

Deshalb: Gewinne müssen her, eine Binsenweisheit. Aber der Markt ist heiß umkämpft, die Gewinnmargen klein wie in keiner anderen Branche. Der Wettbewerb geht stark über den Preis. Masse, billig und trotzdem Qualität – da haben die Großen wie Aldi, Lidl und Co. bessere Karten.

Die schwierige Lage bei Bünting zeichnet sich schon länger ab. Ein Anzeichen waren auffällig viele Wechsel in der Führungsriege. Auch Unternehmensberater gingen ein und aus. Das ist – nicht immer, aber häufig – der Fall, wenn ein Vorstand nicht weiter weiß oder es zwar weiß, aber  unbequeme Entscheidungen scheut.

Gegenwärtig bleibt bei Bünting das Prinzip Hoffnung. Möge es ein gutes Ende nehmen. Dann kann die Belegschaft es als schlimme Episode abhaken. Denkbar ist allerdings auch, was man sich für das 1806 gegründeten Familienunternehmen in fünfter Generation allerdings nicht vorstellen mag: Der Sparkurs ist die Vorstufe eines Verkaufs. Etwas altmodisch gesagt: Der Vorstand macht die Braut hübsch, um sie teuer an den Mann zu bringen.