Archive for Dezember, 2017

Klare Sache

Samstag, Dezember 30th, 2017

„Olljahrsdag“ nennen nur noch ältere Rheiderländer, die im Plattdeutschen verwurzelt sind,  den letzten Tag des Jahres. Silvester hat sich längst im heimischen Sprachgebrauch festgesetzt. Aber das nur nebenbei. „Olljahrsdag“ und die Tage zwischen den Jahren verlaufen in der Regel etwas ruhiger als gewöhnlich. Die Gedanken schweifen, Erinnerungen melden sich.

Bis heute hält sich der Brauch, zum Jahreswechsel mit Angehörigen, Freunden oder Nachbarn auf ein gutes Neues anzustoßen. Meistens mit einem alkoholischen Getränk –aber mit einem anderen als früher. Ein Blick in die Werbung der Supermärkte oder heute um Mitternacht über den Gartenzaun deutet darauf hin, dass vorwiegend Sekt in den Gläsern schäumt.

Das war mal anders. Bis in die 60er, 70er Jahre des vorigen Jahrhunderts wurde hierzulande ein Schnaps eingeschenkt, genannt „Söpke“ – und zwar ein Klarer, manchmal auch ein Kruiden. Er stammte überwiegend aus Weener, wo die Brennerei S.F. Koolman an der Kommerzienrat-Hesse-Straße seit 1896 Korn und Genever brannte. Die Hausmarke hieß „Ecks“. Auf diesen Schnaps ließen die Rheiderländer nichts kommen, sofern sie ihm nicht prinzipiell als „Düwelswark“ abschworen. Marken aus Hesel, wo ebenfalls gebrannt wurde, oder aus dem Emsland hatten es schwer. Und Doornkaat, die legendäre Marke aus Norden, war zu teuer.

Die Firma Koolman stellte in den 90er Jahren den Betrieb ein. Auf der früheren Weide für ihre Pferde harrt zurzeit das ins Gerede gekommene künftige Feuerwehrhaus seiner Vollendung.

S.F. Koolman ist Geschichte, aber „Ecks“ lebt weiter. Die Brennerei Wollbrink in Bersenbrück besitzt die Brennrechte und verkauft den Klaren nach wie vor unter dem Namen „Ecks“. So preist sie den gängigen 32-prozentigen „Ecks-Klarer“ als den „markant friesisch herben, aber dennoch milden und reinen Weizenkorn“ an.

Auch der „Ecks-Weizenkorn“ hält sich. Diese 35-prozentige Spezialität galt schon damals unter Kennern als Besonderheit. Wollbrink lagert ihn im Holzfass. 35 Prozent ist für einen Schnaps selten und gilt als typisch rheiderländisch. Er ist auch die Basis für die „Rheiderländer Mühlenkräuter“ im Wollbrink-Sortiment, zu dem noch der „Ecks-Reusenschluck“ gehört.

Viele Rheiderländer tranken ja gern auch „komplett“ – sie bestellten Bier und Schnaps in der Kneipe in einem Atemzug. Das klappte einst sogar ausschließlich mit heimischen Produkten, denn in Weener wurde „Hesse-Bräu“ gebraut, dort, wo heute das Einkaufsviertel mit dem Combi-Markt steht. Anrührend der Werbeslogan: „Hesse-Bräu – dir bleiben wir ewig treu“.

Wo wir schon bei der Werbung sind: Auch ein weit über die Grenzen bekannter Pudding kam aus Weener: „Polaks Mändelchen“. Dessen wunderbarer Werbespruch würde heute eine bundesweite Feminismus-Debatte auslösen: „Mit Polaks Mändelchen hältst Du den Mann am Bändelchen.“

Nun, die Zeiten ändern sich. So überwindet der klare Schnaps nach und nach seinen Ruf als Billigfusel, der ihm lange nachhing. Er feiert seine Wiedergeburt. Berlin ist der Ausgangspunkt. Das Gewese um Gin ist etwas abgeflaut, jetzt hat dort die Brennerei „Brandstifter“ den Korn entdeckt. In den angesagten Lokalen der Hauptstadt kommt  Weizenkorn ins Glas, klar oder bei jüngeren Leute gern als Mischgetränk. Ein 35er „Ecks“ würde sogar dort passen. Wie auch immer: „Prost Neeijahr!“

Abseits oder mittenmang?

Samstag, Dezember 23rd, 2017

Alte Menschen möchten mittendrin im Leben sein, nicht abseits wohnen. Das ist eine gängige Meinung, oft zu hören. Aber stimmt das überhaupt? Wollen Alte vielleicht doch lieber unter sich sein, ungestört von allem, was über geregelte Mahlzeiten, Fernsehen und Kartenspielen hinausgeht?

Diese Frage drängt sich bei einem aktuellen Fall aus Rhauderfehn auf. Dort wehren sich alte Männer und Frauen gegen jüngere Leute und Familien mit Kindern in ihrer Nachbarschaft – und sehen das Recht auf ihrer Seite. Sie wohnen im beschaulichen Ortsteil Rhaudermoor in einer Siedlung, die im Bebauungsplan als „Sondergebiet Seniorenwohnungen“ ausgewiesen ist. In einige Wohnungen sind aber Leute unter 50 eingezogen. Das geht den Alten gegen den Strich.

Ihren Unmut tun sie im Rathaus kund, an einer Anwohnerversammlung nahmen 40 Leute teil, demnächst findet eine Gesprächsrunde mit Behörden statt. Das Rathaus Rhauderfehn weiß nicht recht weiter – und bedauert, im Bebauungsplan nicht klar ausgewiesen zu haben, wie alt man mindestens sein muss, um in dem Sondergebiet wohnen zu dürfen.

Was stört die Alten? Jüngere bringen zu viel Unruhe in die Siedlung, sagen sie. Fahren zu schnell Auto, man sei mit dem Rollator nicht mehr sicher unterwegs. Auch werde zu oft und zu laut gefeiert. So schlecht zu hören scheinen die Alten nicht, denn ein Supermarkt in der Nähe leert nach ihrer Kritik den Altglascontainer nicht mehr morgens um halb sechs, sondern später.

Auf Rhaudermoor beschränkt scheinen Vorbehalte von Alt gegen Jung nicht zu sein. In den USA gibt es schon seit langem so genannte „Sun cities“, in denen nur Alte leben. Diese künstlichen Welten sind in Deutschland auf dem Vormarsch. Das erste Rentnerdorf mit knapp 40 Bungalows entstand 2010 bei Meppen. Es nennt sich Seniorenpark. Investoren in anderen Gegenden ziehen ähnliche Projekte hoch. Sie werben generell damit, dass die Bewohner ihre Selbstständigkeit bewahren können. Betreuung, Pflege und Dienstleistungen wie Rasenmähen oder Hausreinigung sind auf Wunsch machbar und kein Problem, höchstens des Portemonnaies.

Solche Dienste sind natürlich überall möglich. Es kommt deshalb nur darauf an, ob alte Menschen lieber unter sich oder eben mittenmang leben möchten. Manche Alte, so auch in Meppen, machen zu ihrem Erstaunen die Erfahrung, dass ein Leben im Ghetto unter Altersgenossen keineswegs konfliktfrei ist. Abgesehen vom Ärger mit dem Betreiber des Rentnerdorfs hat es nicht lange gedauert, bis sich die Mehrzahl der Bewohner spinnefeind war. Das berichtete die „Meppener Tagespost“ schon vor längerer Zeit.

Eine völlig andere Philosophie steckt hinter einem Plan in der Gemeinde Jümme, der auch mit alten Menschen zu tun hat. Dort startet die Gemeinde im nächsten Frühjahr ein bislang außergewöhnliches Projekt: Sie öffnet die Mensas ihrer drei Grundschulen in Nortmoor, Filsum und Detern für alte Einwohner zum Mittagessen. Alte und Kinder gemeinsam am Mittagstisch – mit dieser Idee rannte eine Schulsekretärin im Rathaus offene Türen ein.

Ob diese schöne Idee mehr bleibt als ein Weihnachtswunsch, ob sie alltagstauglich ist, wird sich schnell erweisen. Unsereins stellt sich jedenfalls vor, dass die meisten Alten lieber in Kinderaugen schauen als nur auf graue Köpfe, die sich über Rollatoren beugen.

 

 

EWE und Telekom machen gemeinsame Sache

Montag, Dezember 18th, 2017

Der digitale Wandel schüttelt endlich auch die Deutsche Telekom. Das ist gut so. Denn er treibt den  Telekommunikations-Riesen vom hohen Ross des einst unanfechtbaren Monopolisten in die Niederungen des Wettbewerbs. Konzernchef Tim Höttges dürfte das Herz geblutet haben, als er vor einigen Tagen gemeinsam mit EWE-Vorstand Michael Heidkamp die Gründung einer gemeinsamen Tochterfirma verkündigen musste, die nur einen Zweck hat: Das Glasfasernetz im Nordwesten massiv auszubauen.

Bislang hat sich die Telekom nur halbherzig um Glasfaser gekümmert. Sie propagiert statt der hochleistungsfähigen Glasfaser das so genannte Vectoring-Verfahren – eine Technik, mit der sie ihre alten, teils uralten Kupferkabel für ein zeitgemäßes  Internet fitmachen will. Betriebswirtschaftlich ist das durchaus verständlich, denn die Telekom hat bei ihrer Umwandlung in eine Aktiengesellschaft das Kupfernetz vom Bund, dem einzigen Gesellschafter, geschenkt bekommen. Sie witterte deshalb ein lohnendes Geschäft.

Aber der technische Fortschritt macht einen Strich durch diese Rechnung. Viele Betriebe stoßen bereits heute an digitale Grenzen, weil das Netz fehlt oder zu schwach ist. Um Boden gutzumachen, braucht die Telekom deshalb Partner fürs schnelle Internet mit Glasfaser. Da bietet sich der regionale Strom-, Gas- und Telekommunikations-Anbieter EWE aus Oldenburg an. Die beiden Versorger machen gemeinsame Sache. Sie gründen eine Tochterfirma,   wollen bis zu zwei Milliarden Euro in den nächsten Jahren investieren und eine Million Haushalte im Nordwesten mit Glasfaser versorgen.

Es ist zu vermuten, dass sie das Geschäft mit Vorvermarktung antreiben. Dort, wo sich genügend Leute für einen Anschluss entscheiden, wird gebaut. Denkbar sind dabei Vorteile für Kunden, die sich schnell entscheiden, zum Beispiel, dass der Hausanschluss kostenlos oder billiger erfolgt. Denkbar ist auch, dass die Glasfaserkabel mit dem Trenching-Verfahren verlegt werden. Dabei werden Straßen nur so weit aufgefräst, wie es für die kleinen Kabelrohre nötig ist. Das ist bedeutend billiger als der klassische Tiefbau.

Der Landkreis Leer dürfte für die Telekom-EWE-Pläne gut gerüstet sein. Im Kreishaus steht der Breitbandausbau für schnelles Internet oben auf der Tagesordnung. Landrat Matthias Groote: „Unsere Firmen rufen nach Bandbreite, Schulen brauchen sie, die Telemedizin funktioniert nur mit schnellem und sicherem Internet.“ Auch der Ruf aus Privathaushalten nach Bandbreite wird lauter. Internet-TV nimmt zu, immer mehr vor allem jüngere Menschen streamen Filme und Musik.

Nur mit Glasfaser ist der Eintritt ins Gigabit-Zeitalter möglich. Deutschland hinkt im internationalen Vergleich hinterher. Bisher haben nur 6,6 Prozent der Haushalte einen Glasfaseranschluss, auf dem Land lediglich 1,4 Prozent, wie die Bertelsmann-Stiftung und das Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ermittelt haben.

Da muss sich der Landkreis Leer nicht verstecken. Er investiert 39 Millionen Euro in den Breitbandausbau, vor allem für Schulen, Gewerbegebiete und Ortsrandlagen. Damit macht er einen kräftigen Sprung auf 18 Prozent der Haushalte, weit über dem deutschen Durchschnitt. 18 Prozent sagen jedoch auch, dass noch Luft nach oben ist. EWE und Deutsche Telekom haben viel zu tun.

 

 

Etwas im Tee

Montag, Dezember 11th, 2017

Auf dem Land fehlen Ärzte. Ostfriesen können schon seit einigen Jahren davon ein Lied singen. Dafür gibt es mehrere Gründe. Viele junge Menschen, nicht nur Ärzte, ziehen die große Stadt dem Dorf oder der Kleinstadt vor. Stadtluft macht frei, hieß es schon im Mittelalter. Solche Trends lassen sich nur schwer stoppen oder gar umbiegen.

Bei Ärzten mit eigener Praxis kommt hinzu, dass auf dem Land weniger Privatpatienten leben als in den Städten. Das schränkt die Verdienstmöglichkeiten ein. Weniger Ärzte bedeuten gleichzeitig mehr Bereitschaftsdienste, die nicht jedermanns Sache sind. Deshalb hat man diese Arbeit im Landkreis Leer und anderswo bereits konzentriert. So bekommen Ärzte und nicht zuletzt Ärztinnen ihren Beruf, ihre Familien und Freizeit besser unter einen Hut. Dies ist in Großstädten in der Regel etwas einfacher wegen eines größeren Angebots an Krippen, Kindergärten oder Ganztagsschulen, auch das Potenzial an Babysittern ist größer.

Die meisten Land-Kommunen haben dieses Problem erkannt – und holen auf. Sie bauen Krippen und Kitas, was das Zeug hält, investieren in Schulen und auch in Kultur, und sie machen die Dörfer internetfähig mit Glasfaserleitungen – alles, um die eigenen Talente an die Heimat zu binden und Fachkräfte von außen zu locken. Es ist ja nicht so, als ob Ostfriesland nichts zu bieten hätte. Besonders für junge Familien ist es attraktiv. Hier sind Hausbau und Mieten erschwinglich, hier können Kinder sich unbeschwert an der frischen Luft austoben, hier halten sich die Staus auf den Straßen in engen Grenzen. Das reicht natürlich nicht, sind aber Pfunde, mit denen Dörfer und Kleinstädte wuchern können – wenn das Gesamtpaket stimmt.

Der Landkreis Leer stemmt sich schon seit einigen Jahren gegen den Ärztemangel. Das Klinikum in Leer kümmert sich intensiv um Nachwuchs, praktiziert auch bereits Telemedizin. Und der Kreistag vergibt Stipendien an Medizinstudenten, die sich verpflichten, nach dem Studium hier zu arbeiten.

Die Bundesregierung und die Bundesländer sehen das ländliche Ärzteproblem und haben ähnliches vor. Sie denken an eine so genannte Landarztquote an Universitäten. In der Praxis heißt das: Zehn Prozent der Studienplätze bleiben Medizinstudenten vorbehalten, die bereit sind, nach dem Studium auf dem Land zu arbeiten. Das hört sich gut an, denn es könnte den einen oder die andere reizen. Schließlich rangeln sich einen Studienplatz zehn Bewerber.

Doch ausgerechnet eine hohe Ärztefunktionärin, die mit verantwortlich ist für eine ausgewogene Versorgung mit Ärzten, wendet sich gegen diese Pläne. Bei einem Besuch jüngst in Aurich legte sich Dr. Martina Wenker, Präsidentin der Ärztekammer Niedersachsen und Vizepräsidentin der Bundesärztekammer, gegen die Landarztquote ins Zeug. Die Ärztin an einer Lungenklinik bei Hildesheim hatte dafür eine obskure Begründung parat: Man könne von Studenten nicht verlangen, sich so früh festzulegen. Und fügte hinzu: „Wir wollen doch, dass die jungen Ärzte mit Freude dort arbeiten, wo sie arbeiten.“

Solche Fürsorge für Volljährige mag man einer Mutter für eigene Kinder durchgehen lassen, aber bei der Präsidentin einer Berufskammer hört dafür das Verständnis auf. Irgendetwas muss man ihr beim Besuch in Aurich in den Tee getan haben.

 

 

Kleinvieh macht auch Mist

Montag, Dezember 4th, 2017

Nüchtern betrachtet ist sie nur ein klitzekleiner Beitrag für eine saubere Umwelt – die Dose, die der Kunde von zu Hause mitbringt, um sich im Supermarkt darin Frischware einpacken zu lassen. Aber Kleinvieh macht auch Mist. So gesehen ist es zu begrüßen, dass die großen  Lebensmittelversorger sich Gedanken machen über ein Mehrwegsystem mit Dosen für Wurst, Käse, Fleisch oder Fisch.

Sie sind bereits dabei, die Plastiktüte an der Kasse nach und nach zu verbannen. Ein später Erfolg für die alte Öko-Bewegung „Jute statt Plastik“, die über Jahrzehnte nur schwer in Gang kam. Mit Plastiktüten wird die Welt seit 50 Jahren überschwemmt. Den Kunden in Läden wurden sie regelrecht nachgeworfen. Das ändert sich. Sofern sie überhaupt noch angeboten werden, kosten sie heute einige Cent, was die Nachfrage deutlich gesenkt hat. Plastiktüten in diesen Mengen sind tatsächlich der helle Wahnsinn. Sie werden statistisch gut 20 Minuten gebraucht – und landen somit fast ungenutzt auf dem Müll.

Der Lebensmittelversorger Rewe, in Ostfriesland bisher nicht verbreitet, geht in Sachen Umwelt voran. Er packt auf Wunsch Wurst, Käse und andere Frischwaren in die mitgebrachte Dose. Ähnliches bieten auch Kaffeeverkäufer an. Sie füllen den Kaffee in feste Trinkbecher, die ihnen Kunden reichen. So sparen sie sich und der Umwelt den  Plastikbecher. Coffee-to-go mit gutem Gewissen.

Andere Händler lehnen dies ab – mit Hinweis auf Hygienevorschriften und der Sorge, deswegen Ärger mit Behörden zu bekommen. Von der Hand zu weisen ist dies nicht. Deshalb mag sich auch Matthias Brahms von Multi in Leer mit der kundeneigenen Dose nicht anfreunden. Er sieht die Gefahr, dass so Viren und Bakterien eingeschleppt werden. Brahms denkt an ein Pfandsystem: Multi packt die Ware in eine hygienisch  einwandfreie Dose, der Kunde tauscht sie beim nächsten Einkauf wieder gegen eine frische oder erhält seinen Pfandbeitrag zurück. Das leuchtet ein.

Auch Edeka testet in ersten Märkten in Nordrhein-Westfalen neue Verpackungsmethoden. Welche sich schließlich durchsetzen – und ob überhaupt -, dürfte von der Nachfrage abhängen. Es ist eine Frage des Bewusstseins der Kunden und letztlich auch der Politik.

Zweifellos besteht Handlungsbedarf gegen Plastikmüll vor allem in den Meeren, wo er sich zu Millionen von Tonnen sammelt. Er stammt weitgehend aus ostasiatischen Ländern und anderen Gebieten ohne geregelte Müllabfuhr.  Einige Folgen: Meeresschildkröten verwechseln Kunststofftüten mit Quallen und fressen sie. Vögel verschlucken unverdauliche Plastikteile oder füttern ihre Jungen damit.  Jedes Jahr sterben zehntausende Wale, Robben und Haie. Plastik haftet an Korallen, nimmt den Tieren das Licht und den Zugang zur Nahrung.

Doch in Westeuropa sind nicht Plastiktüten oder -flaschen nicht das vorrangige Übel, sondern Kleinstteile aus Plastik, die über die Flüsse in die See treiben und über Fische auch in unsere Nahrung gelangen. Kleinstteile werden bei der Wäsche frei, stecken in Zahnpasta, Kosmetika, Duschgel oder Windeln. Es gibt aber Alternativen. Wer der Kleinstplastikfalle entgehen möchte, sollte diese kleine Mühe nicht scheuen: Bei den Inhaltsangaben auf „Polyethylen“ achten – und diese Ware stehen lassen. Wie gesagt: Kleinvieh macht auch Mist.