Archive for April, 2018

Mehr als nur Fassade

Montag, April 30th, 2018

Das Kaufhaus Ceka in Leer reißt seine Fassade ab. Auf den ersten Blick nicht außergewöhnlich. Aber es steckt mehr dahinter als der Neubau eines Geschäftshauses – es ist nicht weniger als ein städtebaulicher Meilenstein.

Zwar gab es Karstadt in den Nachkriegsjahren an der Ecke Brunnenstraße/Harderwykensteg, wo später Fahrrad Oltmanns einzog und heute Bünting seine bunte Coloniale betreibt. Aber das erste richtige Kaufhaus in Leer war Ceka, die Abkürzung steht für Centralkaufhaus. Gründer Hans Többens ließ es aus bescheidenen Anfängen schnell zu einem für damalige Verhältnisse sehr großen Laden wachsen.

Die 50er und 60er Jahre waren die Zeit des Wirtschaftswunders – und Többens hatte das kaufmännische Gespür, was die Menschen in der vor allem durch Flüchtlinge schnell wachsenden Stadt und im Umkreis brauchten und wünschten. Ceka wurde zum Begriff.

Többens dachte in großen Linien, expandierte nicht nur in Leer, sondern richtete bald erste Filialen in nordwestdeutschen Kleinstädten ein. In Leer setzte er auch architektonisch ein Zeichen – mit einer in der alten Bundesrepublik hochmodernen Fassade. Ganz in Weiß und in Wabenform. Ein Symbol großstädtischer Warenhauskultur.

Vorbild für solche Fassaden waren die Eiermann-Kacheln, benannt nach dem damals berühmten Architekten Egon Eiermann. Ähnlich sahen auch die Horten-Kacheln aus, die   Horten einheitlich überall an seine Kaufhausfassaden schraubte. Waben oder Kacheln blieben bis in die 70er Jahre bevorzugte Wahl.

Doch allmählich änderten sich Geschmack und Kaufverhalten der Menschen. So gerieten  Waben an Fassaden in den Ruf von Schandflecken. Ästhetisch empfindsamen Menschen schmerzen die Augen bei ihrem Anblick. Zum Glück haben die Waben und Kacheln ausgedient. Kaufhäuser legen Wert auf Architektur mit eigener Note.

Ceka in Leer schreibt mit der neuen Fassade erneut ein Stück Baugeschichte. Darauf deuten Entwürfe hin. Der Architekt orientiert sich am früheren Bild der Mühlenstraße, nimmt die einstige Kleinteiligkeit und sogar die Giebelform wieder auf. Die künftige Ceka-Fassade wird der Mühlenstraße gut zu Gesicht stehen. Erfreulich, dass andere Geschäftsleute seit einiger Zeit ebenfalls investieren. Auch das Rathaus trägt seinen Teil bei, dass die Fußgängerzone die Einkaufsmeile Nummer eins in Ostfriesland bleibt.

Aber Leer muss auf der Hut sein. Leerstände sind nicht zu übersehen – ein landesweiter Trend, aber deshalb kein Trost. Für eine Einkaufsmeile ist es ein Alarmzeichen, wenn  Nagelstudios und Billigfriseure in leere Läden einziehen. Grundsätzlich nichts gegen diese Geschäfte, aber sie ziehen kaum Kunden an und schließen häufig schnell wieder, weil sie sich nicht rentieren.

Doch es gibt immer noch attraktive Läden, Gaststätten oder auch ein modernes Kino in der Mühlenstraße, am Hafen und in der Altstadt. Und das eine oder andere neue Zugpferd wie den Kaffeeröster Baum. Sein Angebot kommt an, seine Läden brummen. Und er versteht auffallend viel vom Marketing. Wenn er Kaffee kauft in Kenia, postet er darüber Geschichten und Fotos auf Facebook, mit hohen Like-Zahlen. Und anschließend hält er darüber einen Vortrag und lockt 300 Zuhörer. Oder er malt seine Geschäftsfassade originell an. Gewusst wie. Sein Motto im Teeland Ostfriesland ist auch nicht von Pappe: „Tee können andere.“

 

 

 

Augen zu

Montag, April 23rd, 2018

Kleine Kinder spielen gern Verstecken. Dabei halten sie sich die Augen zu und glauben,  unsichtbar zu sein. Sie schließen die Augen vor der Wirklichkeit. Bis Fünf hält sich die Scheinwelt. Doch manchmal erleiden Erwachsene einen Rückfall. Dann heißt es „Augen zu und durch“.  Sehr deutlich war dies im vorigen Sommer bei einem Bürgerentscheid im Landkreis Aurich und in der Stadt Emden zu beobachten, als es um die Zukunft der dortigen drei Krankenhäuser ging. Die Wellen schlugen hoch.

Der Plan der Politik sah vor, die Kliniken in Aurich, Norden und Emden zu schließen, weil sie jährlich hohe Millionenverluste einfahren. An ihre Stelle sollte eine Zentralklinik in Georgsheil gebaut werden. Doch Volkes Zorn und Stimme wischte diesen Beschluss des Kreistages Aurich und des Stadtrates Emden mit einem Bürgerentscheid in den Papierkorb. Zum weiteren Verständnis ist wichtig, dass die Mehrheit in Emden für den Erhalt der städtischen Klinik, die Mehrheit im Landkreis Aurich jedoch für Georgsheil stimmte.

Das Nein der Bürger löst natürlich nicht das Problem. Politik ist nun mal kein Versteckspiel wie bei Kindern. Die Millionenverluste in den Kliniken klettern sogar noch höher. Der Auricher Kreistag und der Emder Stadtrat tragen die Verantwortung für die Kliniken. Sie sind für eine Zentralklinik, fühlen sich aber an den Bürgerentscheid gebunden. Die Bürger lasten der Kommunalpolitik eine schwere Bürde auf mit dem Widerspruch zwischen Gesinnung und Verantwortung.

Die Politik ließ die Geschäftsführung der noch bestehenden Trägergesellschaft der drei Krankenhäuser nach einem Ausweg aus der verfahrenen Lage suchen.  Er sieht so aus: Emden behält sein Krankenhaus, aber um 100 Betten kleiner als heute. Aurich und Norden werden geschlossen, dafür entsteht in Georgsheil eine so genannte Regionalklinik, um fast 300 Betten kleiner als die ursprüngliche Zentralklinik. Emden und Georgsheil sollen eng zusammenarbeiten.

In Norden steht die kleine Klinik ohnehin vor dem Aus. In Aurich ist der Aufschrei umso größer. Die Klinik muss weichen, weil Patienten von der Küste sie nicht innerhalb einer halben Stunde erreichen können, wie vorgeschrieben. Außerdem sind die Gebäude 50 Jahre alt, ihre Sanierung sehr teuer. Das gilt zwar ähnlich für Emden, aber dort müsste die Klinik gemäß Bürgerwillen ja bleiben.

Die Planer sind mit ihrer zweitbesten Lösung nicht glücklich.  Sie ist ein Kompromiss, bei dem man  Kröten schlucken muss. So ist auch zu erwarten, dass eine neue Regionalklinik einen Sog auf das Emder Krankenhaus ausübt. Erfahrungen in ähnlichen Fällen sagen, dass Ärzte und Pflegepersonal abwandern.

Die neue Lösung kostet nach ersten Rechnungen ähnlich viel wie eine Zentralklinik: 248 Millionen Euro. Vorgesehen in Georgsheil ist eine Modulbauweise. Das bedeutet, dass jederzeit angebaut werden kann. Wer weiß, was in 20 Jahren ist. Der medizinische Fortschritt zwingt zu größeren Einheiten. Auch Krankenkassen drängen darauf.

Wo ein Krankenhaus steht, ist in Notfällen längst nicht mehr so wichtig wie früher. Ärzte bestätigen: Entscheidend bei Infarkten, Schlaganfällen und anderen akuten Fällen ist, dass schnell ein Rettungswagen mit Notarzt zur Stelle ist. Der Standort einer Klinik ist dabei zweitrangig. Freunde des kindlichen Versteckspiels sehen das jedoch anders.

 

 

 

 

 

Hunde im Gerede

Montag, April 16th, 2018

Ein Hundeleben muss heute kaum noch ein Hund führen. Einst stand es sprichwörtlich für Elend und Armut, auch für Schläge und Tritte. Das ist vorbei. Dennoch: Der Hund ist wieder ins Gerede gekommen. Weil Artgenossen in Hannover eine Mutter und ihren Sohn und in Worms ein Kind totgebissen haben. Und in Hesel hat ein Berner Sennenhund eine 16-Jährige vom Rad gerissen und gebissen. Der Hund gilt als Freund vieler Menschen – aber manchmal mutiert er zur Kampfmaschine, oder wird dazu gemacht.

Er hat eine beachtliche Karriere hinter sich –  vom Fußabtreter zum Schützer von Haus und Hof, vom Haustier zum Familienmitglied. Er lebt im Wohnzimmer, sitzt praktisch mit am Tisch, bekommt hochwertiges Fleisch zu fressen, gern auch Bio, zu Weihnachten erhält er ein Geschenk. Und Ärzte machen sich Gedanken, ob ein Hund im Bett die Schlafqualität mindert oder mehrt.

Nicht wenige Hundehalter vermenschlichen das Tier – in Städten schon üblich, auf dem Land meistens nicht ganz so krass. Sie reden mit ihm wie mit einem Kind oder einem erwachsenen Partner. Bezeichnend diese Szene, in der Frauchen mit ihrem ungezogenen Liebling laut schimpft: „Paul, Du spinnst wohl.“ Wohlgemerkt, sie meint ihren Hund, nicht ihren Sohn.

Dazu passt, dass Bello, Fiffi oder Wolf aus der Mode sind. Hundenamen stammen eher  aus der aktuellen Hitparade der Standesämter für Vornamen. Herrchen und Frauchen heben den Hund auf Augenhöhe, reden mit ihm auf du und du und räumen ihm gleiche Rechte wie Zweibeinern ein.

Nun gut, des Menschen Wille ist sein Himmelreich – und Tierliebe ist ein angenehmer Charakterzug.  Aber sie hat Grenzen. So kommt bei Hunden auch der Schutz des Lebens und der Gesundheit von Mensch und Tier ins Spiel. Und dann lässt sich nicht mehr alles rechtfertigen mit Tierliebe, Tierschutz, einem lässigen „Der-will-ja-nur-spielen“ oder dem Hinweis, dass der Halter und nicht der Hund verantwortlich ist.

Das mag sein. Trotzdem: Hunderttausende unterstützen eine Online-Petition, dass der Kampfhund, der in Hannover zwei Menschen totgebissen hat, nicht eingeschläfert wird. Diese Leute sind nicht bei Trost. Andere wollen das Tier sogar adoptieren. In diese Richtung  passt auch der Befreiungsversuch aus dem Tierheim Hannover. Als ob dort ein unschuldig zu lebenslänglich verurteilter Mensch befreit werden müsste.

Weil Hunde ein sensibles Thema sind, tut sich auch die Politik schwer, die Auswüchse zu stoppen. Was den Amerikanern ihre Waffengesetze sind den Deutschen ihre Hundegesetze, juristisch: Gefahrtierverordnung. Damit haben sich neben Bundestag und Landtagen auch  Bundesverfassungs- und Bundesverwaltungsgericht beschäftigt. Strittig bleibt: Sind  bestimmte Rassen von Geburt an gefährlich oder geben Erziehung und Ausbildung,  Sachkunde und Eignung des Halters oder situationsgegebene Einflüsse den Ausschlag.

Der niedersächsische Landtag hat seit 2000 mehrfach das Hundegesetz geändert. Er verzichtet im Gegensatz zu anderen Bundesländern auf Rasselisten, in denen gefährliche Rassen aufgeführt sind.  Nachdenklich stimmt eine Expertenanhörung zur Rasseliste vor Jahren im Landtag in Hannover. Von 20 Wissenschaftlern und Fachorganisationen aus Tiermedizin, Tierschutz und Verband für das Deutsche Hundewesen stimmten 19 mit Nein.  Nur der Kinderschutzbund war dafür.

Spuk

Montag, April 9th, 2018

Neulich. Ein Ehepaar um die 70 steht mit seinen Fahrrädern am Emsufer vor der kaputten Friesenbrücke. Er: „Ob wir in unserem Leben wohl noch mal rüberfahren können?“ Sie: „Warum nicht? 1924 soll die Brücke ja fertig sein.“ Er: „Ich glaub‘ nicht an Spuk.“

Der niedersächsische Wirtschafts- und Verkehrsminister Althusmann ließ vergangenen Mittwoch in einem Interview in der Rheiderland-Zeitung die Katze vorsichtig aus dem Sack. Auf die Frage nach dem Neubau der seit Dezember 2015 durch einen Frachter zerstörten Brücke antwortet er: „….die Planung gestaltet sich derzeit schwierig.“ Er begründet es damit, dass nicht nur eine neue Brücke gebaut, sondern das Drehteil auf die Hilkenborger Emsseite  versetzt werden soll. Das werde das Planverfahren „wahrscheinlich noch mal verzögern“.

Er sei gespannt, ob 2024 als Fertigstellungstermin gehalten werden könne, „weil derzeit über eine Neubewertung der gesamten Baumaßnahme nachgedacht wird“. Zweieinhalb Jahre sind seit dem Unfall verstrichen – und jetzt fängt man an, sich über die Art der Brücke neue Gedanken zu machen. Geht´s noch?

Die Deutsche Bahn AG gehört dem Bund und ist verantwortlich für die bislang klappbare Eisenbahnbrücke, die auch von Fußgängern und Radfahrern genutzt werden konnte.  Politisch zuständig ist der Bundesverkehrsminister.

Ursprünglich wollte die Bahn die Klappbrücke reparieren. 2021 sollten die Züge wieder rollen. Dann kam die Meyer-Werft mit dem Wunsch, statt des Klappteils ein Drehteil einzusetzen. Das sei günstiger für die Kreuzfahrtschiffe. Die Werft fand damit beim Bund und  beim Land Niedersachsen offene Ohren. Man einigte sich auf 50 Millionen Baukosten und auf 2024 als Fertigstellungstermin. Doch davon kann man nur noch träumen: Bund und Bahn streiten sich um mögliche Mehrkosten, der Termin 2024 ist deshalb und wegen neuer Gedankenspiele kaum zu halten

Die Brückenruine ist ein großes Ärgernis für pendelnde Menschen in Weener und Westoverledingen. Der Schienenersatzverkehr zwischen Weener und Leer macht Bahnfahren zwischen Groningen und Leer unattraktiv. Auch der Rad-Tourismus leidet. Und wenn es noch länger als 2024 dauert, gerät das Projekt „Wunderline“ in Gefahr. Damit soll die Bahnstrecke Groningen – Oldenburg schneller gemacht werden. Die Niederlande wollen sich daran in Deutschland mit knapp 90 Millionen Euro beteiligen. Das Geld muss man wohl in den Schornstein schreiben.

Der Skandal um die Friesenbrücke grenzt an Staatsversagen. Minister Althusmann beklagt, dass Großprojekte nur noch schwer umzusetzen sind und führt dies auf Umweltgesetze zurück, die sich ein Industrieland in diesem Maße nicht leisten könne. Damit hat er zwar Recht – aber er lenkt auch vom Problem ab.

Bislang hat noch kein Umweltgesetz, auch kein umständliches Bau-, Planungs- oder Vergabegesetz der Friesenbrücke im Weg gestanden. Das folgt noch in der Planfeststellung. An die Nase fassen für die lange Verzögerung müssen sich die Deutsche Bahn und ihr alleiniger Aktionär, der Bund, vertreten durch das Verkehrsministerium. Der Verdacht liegt nahe, dass die Friesenbrücke am Rande der Republik den zuständigen Herren in Berlin an einem bestimmten Körperteil vorbeigeht. Sie sollten die Menschen nicht länger mit schönen Worten für dumm verkaufen. Wir jedenfalls glauben nicht an Spuk.

 

 

 

 

 

Den Holländern zuwinken

Montag, April 2nd, 2018

Bei Ebbe müssen immer mehr Schiffe, die den Emder Hafen anlaufen wollen, auf die Flut warten. Der letzte Teil der Emsfahrrinne ist zu flach für größere Schiffe. Das kostet Reeder und Hafenwirtschaft Zeit und Geld – und wenn es sich nicht bessert, werden große Schiffe  Emden meiden und andere Häfen anlaufen, in den Niederlanden oder weiter nördlich an der deutschen Nordseeküste.

Die Wirtschaft nennt das Problem längst beim Namen und fordert seit 15 Jahren, die Außenems zu vertiefen. Die Landesregierung in Hannover teilt die Sorgen, das Verkehrsministerium in Berlin steht auf ihrer Seite. Es dreht sich vor allem um die letzten zehn Kilometer vor Emden, die um einen Meter vertieft werden sollen. Das reicht auch bei Ebbe für Schiffe bis 8,7 Meter Tiefgang.

2008 begann das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Emden im Auftrag des Bundesverkehrsministeriums mit einer Machbarkeitsstudie. Nach vier Jahren Arbeit stand  ein positives Ergebnis, untermauert auf mehreren tausend Seiten in acht dicken Ordnern.

2013 setzte daraufhin die damalige Wasser- und Schifffahrtsdirektion Nordwest in Aurich das  Planfeststellungsverfahren in Gang. Seitdem ruht die Außenems. Es kommt nicht voran. Der Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) in Norden und die Bundesanstalt für Wasserbau in Hamburg sind sich nicht einig, wie sich die Vertiefung auf die Umwelt auswirkt.

Angeblich sollen sich die beiden Behörden jetzt jedoch geeinigt haben. Der damalige niedersächsische Wirtschafts- und heutige Umweltminister Lies verkündete dies bereits im vorigen Jahr, und vor zwei Wochen legte Ministerpräsident Weil bei einer Rede in Emden nach. Beide SPD-Politiker sagen: Jetzt geht’s los mit der Planfeststellung.

Guten Willen und beste Absichten kann man ihnen nicht absprechen. Aber vermutlich hat ein höheres Verwaltungsgericht, wenn nicht das höchste, das letzte Wort. Denn die absoluten Gegner der Vertiefung formieren sich: Zehn deutsche und niederländische Umweltverbände. Mit dabei sind WWF, Nabu, BUND und die lokalen Gruppen „Rettet die Ems“ und „De Dyklopers“.

Der klassische Konflikt zwischen wirtschaftlicher Notwendigkeit und Schutz der Umwelt entbrennt an der Außenemsvertiefung. Sie ist ein ideales Kampffeld, gespickt mit unzähligen Umweltgesetzen und Richtlinien von Land, Bund und Europäischer Union.

Die Machbarkeitsstudie des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamtes erkennt einen hohen Nutzen-Kosten-Faktor von 16,2 für die Vertiefung und hält sie deshalb für volkswirtschaftlich sinnvoll. Sie beeinträchtige den Hochwasserschutz nicht, allerdings seien Auswirkungen auf die Umwelt hoch, was viel Ausgleichsaufwand bedeute. Im Kern geht es um (unbelasteten) Schlick, der künftig mehr Unterhaltsbaggerei erfordert und mehr Schlick aufwirbelt.

Mehr Schlick in der ohnehin bereits sauerstoffarmen Ems in Kauf nehmen oder einem schleichenden Niedergang der Hafenwirtschaft ins Auge sehen – darauf spitzt sich die Frage zu.

Am Rande erwähnt: Die Holländer haben die Zufahrt zum Eemshaven längst vertieft. Dieser Hafen auf der anderen Seite der Ems blüht, wächst und gedeiht. Verhindern Nabu & Co. die Vertiefung vor Emden, haben Arbeiter dort bald viel Zeit zum Angeln – und können den Holländern drüben bei der Arbeit zuwinken.