Mehr als nur Fassade

Das Kaufhaus Ceka in Leer reißt seine Fassade ab. Auf den ersten Blick nicht außergewöhnlich. Aber es steckt mehr dahinter als der Neubau eines Geschäftshauses – es ist nicht weniger als ein städtebaulicher Meilenstein.

Zwar gab es Karstadt in den Nachkriegsjahren an der Ecke Brunnenstraße/Harderwykensteg, wo später Fahrrad Oltmanns einzog und heute Bünting seine bunte Coloniale betreibt. Aber das erste richtige Kaufhaus in Leer war Ceka, die Abkürzung steht für Centralkaufhaus. Gründer Hans Többens ließ es aus bescheidenen Anfängen schnell zu einem für damalige Verhältnisse sehr großen Laden wachsen.

Die 50er und 60er Jahre waren die Zeit des Wirtschaftswunders – und Többens hatte das kaufmännische Gespür, was die Menschen in der vor allem durch Flüchtlinge schnell wachsenden Stadt und im Umkreis brauchten und wünschten. Ceka wurde zum Begriff.

Többens dachte in großen Linien, expandierte nicht nur in Leer, sondern richtete bald erste Filialen in nordwestdeutschen Kleinstädten ein. In Leer setzte er auch architektonisch ein Zeichen – mit einer in der alten Bundesrepublik hochmodernen Fassade. Ganz in Weiß und in Wabenform. Ein Symbol großstädtischer Warenhauskultur.

Vorbild für solche Fassaden waren die Eiermann-Kacheln, benannt nach dem damals berühmten Architekten Egon Eiermann. Ähnlich sahen auch die Horten-Kacheln aus, die   Horten einheitlich überall an seine Kaufhausfassaden schraubte. Waben oder Kacheln blieben bis in die 70er Jahre bevorzugte Wahl.

Doch allmählich änderten sich Geschmack und Kaufverhalten der Menschen. So gerieten  Waben an Fassaden in den Ruf von Schandflecken. Ästhetisch empfindsamen Menschen schmerzen die Augen bei ihrem Anblick. Zum Glück haben die Waben und Kacheln ausgedient. Kaufhäuser legen Wert auf Architektur mit eigener Note.

Ceka in Leer schreibt mit der neuen Fassade erneut ein Stück Baugeschichte. Darauf deuten Entwürfe hin. Der Architekt orientiert sich am früheren Bild der Mühlenstraße, nimmt die einstige Kleinteiligkeit und sogar die Giebelform wieder auf. Die künftige Ceka-Fassade wird der Mühlenstraße gut zu Gesicht stehen. Erfreulich, dass andere Geschäftsleute seit einiger Zeit ebenfalls investieren. Auch das Rathaus trägt seinen Teil bei, dass die Fußgängerzone die Einkaufsmeile Nummer eins in Ostfriesland bleibt.

Aber Leer muss auf der Hut sein. Leerstände sind nicht zu übersehen – ein landesweiter Trend, aber deshalb kein Trost. Für eine Einkaufsmeile ist es ein Alarmzeichen, wenn  Nagelstudios und Billigfriseure in leere Läden einziehen. Grundsätzlich nichts gegen diese Geschäfte, aber sie ziehen kaum Kunden an und schließen häufig schnell wieder, weil sie sich nicht rentieren.

Doch es gibt immer noch attraktive Läden, Gaststätten oder auch ein modernes Kino in der Mühlenstraße, am Hafen und in der Altstadt. Und das eine oder andere neue Zugpferd wie den Kaffeeröster Baum. Sein Angebot kommt an, seine Läden brummen. Und er versteht auffallend viel vom Marketing. Wenn er Kaffee kauft in Kenia, postet er darüber Geschichten und Fotos auf Facebook, mit hohen Like-Zahlen. Und anschließend hält er darüber einen Vortrag und lockt 300 Zuhörer. Oder er malt seine Geschäftsfassade originell an. Gewusst wie. Sein Motto im Teeland Ostfriesland ist auch nicht von Pappe: „Tee können andere.“

 

 

 

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