«     »

Irgendwas mit Computern

„Irgendwas mit Computern machen die da.“ So betrachtete – von Ohrenzeugen verbürgt – eine Rathaus-Führungskraft die 1.Digitale Woche des Landkreises Leer, die  überwiegend in der Sparkasse, außerdem bei Orgadata, im Cityhaus und im Maritimen Kompetenzzentrum über die Bühne ging.

Wir wollen den Spruch nicht überbewerten, aber sie zeigt, dass die digitale Revolution immer noch selbst von Leuten unterschätzt wird, die es besser wissen müssten.

Sparkassenchef Heinz Feldmann als Gastgeber der meisten Vortragsveranstaltungen beschrieb in einem Satz, wie die Digitalisierung die Geldbranche umkrempelt: „Das Smartphone ist die kleinste Geschäftsstelle der Welt.“ Dass es im neuen Sparkassenhaus keine Aktenschränke mehr gibt, Online-Banking auf dem Vormarsch ist und Bargeld bald der Vergangenheit angehört, kam auch noch zur Sprache.

Die Pflege alter Menschen ist ein gesellschaftliches Problem. Mehr Pflegebedarf, höhere Kosten, weniger Pfleger – da muss digitale Technik einspringen, sei es mit Mess- und Hilfsgeräten zu Hause („Smart home“) oder Pflegerobotern. Auch Telemedizin ist nötig. Der Landkreis probiert sie gerade in der Augenheilkunde auf Borkum aus. Die Insulaner lassen sich dort im Krankenhaus in die Augen schauen, in Leer stellt ein Augenarzt anhand der ihm zugemailten Bilder die Diagnose.

Digitale Spitze in Deutschland ist die Kfz-Zulassungsstelle des Landkreises. Heute muss sich keiner mehr Urlaub nehmen, wenn er ein Auto zulassen will. Wartezeiten gibt es kaum noch, die Behörde arbeitet elektronisch.

Ohnehin sind Verwaltungen auf dem Weg ins digitale Zeitalter. Stichwort: E-Government. Der Bundestag schreibt es allen Behörden gesetzlich für die kommenden Jahre vor. Erste Ansätze lassen sich auf der Homepage des Landkreises beobachten. Ein kleines Beispiel: Bürger können nachsehen, ob sie in einem Breitband-Ausbaugebiet liegen.

Die Digitalisierung ist längst ein ernster wirtschaftlicher Faktor. So berichtet Landrat Matthias Groote, auf dessen Idee die Digitale Woche in Leer zurückgeht, dass allein in den zwölf Mitgliedsfirmen des Software-Netzwerks Leer 1100 Menschen in ordentlich bezahlten Jobs arbeiten.

Dabei gehört nicht mal jede Software-Firma dem Netzwerk an –  wie die HiSystems GmbH in Veenhusen, die beim „Erlebnistag“ der Digitalen Woche zu den Ausstellern gehörte. Nur wenige dürften die Firma kennen, aber sie ist weltweit unterwegs mit ihren MikroKoptern. So nennt sie ihre Drohnen für Luftbilder und- videos. Ingenieure nutzen sie für die Überprüfung auf Schäden an Brücken, Türmen, Windmühlen oder Fotovoltaikplatten; Landwirte und Jäger beobachten vor der Ernte, ob sich Jungtiere auf dem Feld verstecken; Archäologen schauen sich ihre Grabungsfelder genauer an; Filmamateure und -Profis wissen Bilder aus der Vogelperspektive zu schätzen.

Daten sind das neue Gold. In Leer bestätigt sich dies sogar im Stadtbild. Es ist kein Zufall, dass die Orgadata AG ein spektakuläres Domizil auf der Nesse bauen ließ. Sie programmiert Software für Türen, Fenster und Fassaden – in aller Welt.

Oder nehmen wir die Hiltes-Software GmbH. Sie arbeitet in einem Neubau an der Konrad-Zuse-Straße am Emsdeich und ist Marktführer für Warenwirtschafts- und Kassensysteme in der Textilbranche. So nebenbei stellte Hiltes-Chef Wolfgang Teske das „Leeraner Miniaturland“ auf die Beine, das jährlich 80.000 Besucher lockt.

 

Der Beitrag wurde am Sonntag, den 30. September 2018 um 11:23 Uhr veröffentlicht und wurde unter Allgemein, Politik, Wirtschaft abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen. Kommentare und Pings sind derzeit nicht erlaubt.

Kommentarfunktion ist deaktiviert

Leer_Zeichen is powered by WordPress | WP.de Beiträge (RSS) und Kommentare (RSS)