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Die Welt ist ein Dorf

Die Welt ist ein Dorf. Das ist in der Auto-Industrie gut zu beobachten. VW liefert den Beweis.

Seit längerer Zeit hangelt sich das VW-Werk Emden von einer Kurzarbeit zur nächsten. So stehen überraschend auch jetzt wieder für drei Tage die Bänder still – weil der „Passat“ zu wenig Käufer findet. Gutes Auto, aber aus der Zeit gefallen. In Emden bleibt Kurzarbeit auf der Tagesordnung, und wenn auch ein geplantes zusätzliches Modell für Emden nicht läuft, kommen Arbeitsplätze unter die Räder.

Als die Emder Werksleitung jetzt erneut Kurzarbeit verkündete, meldete zeitgleich der Elektroauto-Pionier Tesla in Kalifornien, dass er erstmals seit langem wieder schwarze Zahlen schreibt. Die Tesla-Aktie sprang in die Höhe.

Was haben die Meldungen aus Emden und Kalifornien gemeinsam? Direkt nichts, aber grundsätzlich viel. Denn Tesla scheint mit seinem bezahlbaren „Model 3“ auf dem richtigen Weg zu sein. Im Vergleich zu VW sind die Produktionszahlen sehr bescheiden – aber sie machen eine Tendenz deutlich.

Die deutschen Autobauer bekommen die Kurve nicht. Sie sitzen immer noch auf einem hohen Ross – kein Wunder, wenn sie sich gegenseitig seit Jahrzehnten selbst einreden,  die besten der Welt zu sein. Fachbeobachter wie der frühere „Handelsblatt“-Chef Gabor Steingart sagen: „Wer die deutsche Autoindustrie retten will, muss sie transformieren, nicht konservieren.“

Ob das gelingt? Die „Financial Times“ aus London, eine der renommiertesten Wirtschaftszeitungen, sieht schwarz. Sie fragt, ob Deutschland den Schritt zum iPhone-Augenblick für Autos („iPhone-moment for cars“) bewältigt. Dazu heißt es erklärend: „Die Bedeutsamkeit des iPhones, als es 2007 erstmals verkauft wurde, bestand nicht darin, dass es ein besseres Telefon mit einem überlegenen MP3-Player und einer Spitzenkamera war. Entscheidend waren auch nicht der Touchscreen, das große Display oder die vielen Apps. Entscheidend war, das all diese Dinge in einem einzigen Gerät zusammenkamen.“

Weiter: „Das künftige Auto ist ein elektrisches, sich selbst steuerndes Wohnzimmer auf Rädern, sicher verbunden mit dem World Wide Web. Nutzer teilen es sich deutlich häufiger  als dass sie es kaufen. Es ist noch unklar, wer dieses Auto bauen wird, aber die Investoren an der Börse sind sich in einem einig: Es werden nicht die Deutschen sein.“

Irgendwie muss VW doch einen Schuss gehört haben – und wollte bei Tesla einsteigen. Motto: Wer den Feind nicht besiegen kann, muss ihn umarmen. Doch daraus wurde nichts. Tesla-Chef Elon Musk fürchtete, der Einfluss von VW könnte zu groß werden.

Immerhin: Laut „Manager Magazin“ will VW gemeinsam mit dem koreanischen Konzern SK Innovation in die Batteriezellenproduktion in Europa einsteigen. Und bis 2025 rund drei Millionen E-Autos pro Jahr verkaufen – vor allem SUVs.

Sicher ist es gut, dass VW in Europa Batteriezellen bauen will, um sich nicht so abhängig von den Chinesen zu machen. Und die Batterietechnik muss auch noch stark verbessert werden. Darin liegen Chancen. Aber die Batterie kann den Verlust an Arbeitsplätzen nicht ausgleichen. Denn E-Autos brauchen keine Kolben, keine Getriebe, keine Abgasanlagen, keine Tanks. Und ihre Software kommt aus den USA.

Diese internationalen Verflechtungen wirken sich auf Emden und Ostfriesland aus. Denn die Welt ist ein Dorf.

 

Der Beitrag wurde am Samstag, den 27. Oktober 2018 um 17:41 Uhr veröffentlicht und wurde unter Allgemein, Politik, Wirtschaft abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen. Kommentare und Pings sind derzeit nicht erlaubt.

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