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Was scheren uns Verbote

Wer ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein. Steht schon in der Bibel – und gilt heute noch. Deshalb kann es heikel sein, über das Verhalten anderer Leute im Auto oder auf dem Fahrrad zu reden oder gar zu schreiben. Schließlich fahren wir fast alle Auto, Fahrrad,  Motorrad oder Roller. Und nicht immer fehlerfrei.

Doch zum Thema. Es heißt Verhalten auf der Straße. Aufgespießt anhand von täglichen Beobachtungen.

Unsereins wohnt in Leer, der unbestritten schönen Kreisstadt. Dieser Eindruck relativiert sich im Verkehr. Die Straßenführung in der Innenstadt verwirrt mit ihren Einbahn- und Radfahrweg-Regelungen. Sie sind für Auswärtige kaum überschaubar. Fast könnte man meinen, dass sich das wirre Verkehrssystem in die Köpfe mancher Fahrer frisst.

Nehmen wir den Straßenknoten „Am Bummert“, wo sich Ubbo-Emmius-, Friesen- und Heisfelder Straße ins Gehege kommen. Im Rathaus streitet man sich seit Jahren, wie der Verkehr dort zu regeln ist. Mittlerweile klagt die Stadt Leer gegen eine Anordnung des Landkreises, dort Ampeln zu installieren. Aber das nur nebenbei.

Eine Fachfirma, die sich Gedanken machen soll, wie man den Knoten dort durchschlägt, filmte das Geschehen von oben mit Hilfe einer Drohne. Und stellte fest: Allein an einem einzigen Tag verwandelten sich vier (4) Autofahrer in Geisterfahrer, als sie trotz Verbots nach links in den Gegenverkehr abbogen. Erste Gedanken, die einem dazu einfallen, sind nicht druckreif.

Am Bummert stellten die Fachleute auch fest, dass sich hunderte von Schülern benachbarter Schulen auf ihren Fahrrädern weit jenseits der Straßenverkehrsordnung bewegen. Sie bevorzugen die linke Seite und sehen im Rudel die Vorfahrt stets auf ihrer Seite.

Wo wir schon bei Radfahrern sind: Sie haben in Leer auch zu leiden. So sind die umstrittenen Fahrradstreifen auf mehreren Straßen zu schmal aufgemalt worden. Ein aufmerksamer Bürger hat nachgemessen. Daraus wächst sogar ein Politikum. So hat die Bürgermeisterin vorsorglich gesagt, die falschen Markierungen seien vor ihrer Amtszeit aufgemalt worden.

In der Praxis meiden Radfahrer mit einigermaßen ausgeprägtem Selbsterhaltungstrieb die Fahrbahn und nutzen weiterhin den Radweg. Denn auf der Fahrbahn müssen sie Autofahrern hundertprozentig vertrauen, dass diese mit dem nötigen Abstand überholen oder bei Gegenverkehr brav hinten bleiben. Vertrauen ist gut, Radweg ist besser.

Ein weiteres Beispiel: Nur wer den Tod nicht scheut, wechselt zwischen Sparkasse und Arbeitsamt vom Radweg auf die Straße, um bald darauf wieder auf den Radweg geleitet zu werden. Die Mehrzahl kümmert sich nicht um die Markierung, sondern bleibt auf dem Weg, obwohl er für eine kurze Strecke ein Bürgersteig ist.

Stetes Ärgernis sind Radler in der Fußgängerzone, die sich nicht ums Fahrverbot scheren,  dafür aber kräftig in die Pedale treten. Polizei lässt sich selten blicken.

Das gilt auch für den Chaos-Hotspot Brunnenstraße. Als „Fahrradstraße“ ausgewiesen, müssen Radfahrer Auge in Auge kämpfen mit Autofahrern, die tun, als ob ihnen die Straße gehöre. Verkehrsrechtlich sind sie dort nur geduldet. Nicht selten retten sich Radfahrer mit einem Sprung vom Rad  oder weichen auf den Bürgersteig aus. Da fällt dann kaum noch ins Gewicht, dass Touristen die Brunnenstraße für eine Fußgängerzone halten.

 

Der Beitrag wurde am Montag, den 5. November 2018 um 12:06 Uhr veröffentlicht und wurde unter Allgemein, Buntes Leben, Politik abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen. Kommentare und Pings sind derzeit nicht erlaubt.

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