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Umschalten auch im Kopf

Es wird ernst – schneller als gedacht. Der Volkswagen-Konzern krempelt sein Werk in Emden um. Total. Er baut dort in wenigen Jahren keinen „Passat“ mit Otto-Motor mehr, sondern lässt Elektro-Autos vom Band laufen. Mit einem üblichen Modellwechsel hat das nur wenig zu tun. Ohne zu übertreiben: Es ist eine technische Revolution, Manager und Beschäftigte müssen umschalten im Kopf.

Revolutionen stellen gewohnte Dinge auf den Kopf. Sie müssen dann wieder auf die Füße kommen.  Wie lange noch Benzin- oder Diesel-Autos gebaut werden, lässt sich schwer sagen. Auf jeden Fall läuft der Hase in immer schnellerem Tempo in Richtung E-Auto. Darüber freuen sich viele Menschen, andere wiederum machen sich Sorgen – wie immer, wenn unbekanntes Neues vor der Tür steht.

Klar ist: Die Umstellung ist elementar. Sie greift hart in gewohnte Arbeitsweisen der zurzeit rund 9.000 VW-Beschäftigten in Emden ein. Und sie kann – zumindest zunächst –  Arbeitsplätze kosten. Klar ist aber auch: Am E-Auto führt kein Weg vorbei. Den Kopf in den Sand stecken bringt also nichts.

So gesehen ist es ein Glücksfall, dass VW ausgerechnet sein Werk Emden zu einem „Pilotwerk“ für E-Autos machen will. Das bedeutet: Der Konzern investiert einige hundert Millionen Euro, die Rede ist von 500. Die Umrüstung an sich kostet Geld, zusätzlich müssen Verfahren probiert und vor allem  Mitarbeiter umgeschult werden.

Bei E-Autos hinkt die deutsche Autoindustrie hinterher. Deshalb kann sie sich Flops nicht erlauben. Schon aus diesem Grund wird VW in seinem Pilotwerk aufs Gaspedal drücken, um in diesem alten und bald überholten Sprachbild zu bleiben. Das kann Emden und Ostfriesland zu Gute kommen – wenn VW, Politik und Gewerkschaften die vermutlich einmalige Chance beim Schopf packen und  Bedenkenträger in die Schranken weisen. Was nicht heißt, Risiken aus dem Auge zu verlieren.

Es geht nicht nur um das VW-Werk. Der Umbau wird auf die gesamte Wirtschaft ausstrahlen. Der SPD-Bundestagsabgeordnete Johann Saathoff verweist auf die Windparks auf See, die fast immer Strom liefern und so ein Null-Emissions-Auto schon beim Bau garantieren. Er fordert für Ostfriesland  auch eine Fabrik für Batteriezellen, die Lebensadern der E-Autos.

Ins Bild passen die riesige Batterie, mit der die EWE in Jemgumer Salzkavernen Strom speichern will, und der Plan, in Diele erneuerbare Energie in Wasserstoff umzuwandeln. Seit längerer Zeit wird in kleinen Kreisen auch getuschelt, dass ein Energiekonzern die A31 als Teststrecke für Kabel nutzen möchte, mit denen die Batterien von E-Autos während der Fahrt geladen werden. Alle Pläne sind Zukunftsmusik, aber mehrere Saiten der Instrumente sind bereits gespannt.

VW, Energiewirtschaft und Politik stehen vor schweren Aufgaben, denn die Revolution endet nur glücklich, wenn die Menschen den Sinn erkennen und Nutzen daraus ziehen. Deshalb kann es ein Vorteil sein, dass die niedersächsische Landesregierung bei VW ein Wort mitredet.

Emden dient als Labor für neue Technik und gesellschaftliche Entwicklung. Es geht beispielhaft um die Zukunft der Industrie und um die Zukunft der Arbeit. Hier erweist sich, ob Politik und Wirtschaft der Sache gewachsen sind. Betriebsräte und Gewerkschaften, voran die IG Metall, können zeigen, warum und wofür sie gebraucht werden.

 

Der Beitrag wurde am Sonntag, den 11. November 2018 um 12:32 Uhr veröffentlicht und wurde unter Allgemein, Politik, Wirtschaft abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen. Kommentare und Pings sind derzeit nicht erlaubt.

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