«     »

Teures Wohnen

Die Mietpreis-Flutwelle überschwemmt auch Ostfriesland. In Dörfern halten sich die Mietpreise zwar noch in Grenzen, aber Leer zum Beispiel ist ein teures Pflaster. Geringverdiener oder Alte mit kleiner Rente verzweifeln, wenn sie eine Bleibe suchen.

Dabei ist in Leer, eine Ausnahme, die Einwohnerzahl seit Jahren nicht gestiegen. Das hängt  mit hohen Mietpreisen und zu geringem und deshalb teurem Bauland zusammen. Vor allem junge Familien ziehen ins Umland. Hinzu kommt die Nachfrage nach kleineren Wohnungen durch Singles und ältere Paare.

Die Politik versucht, den Mietmarkt zu beruhigen. Ein Heilmittel sieht sie darin, den Sozialen Wohnungsbau (wieder) anzukurbeln. Der Bund stellt Milliarden bereit und überweist das Geld den dafür zuständigen Ländern, die auch selbst die Kassen öffnen. Am Geld, auch bei möglichen privaten Investoren, mangelt es nicht. Trotzdem kommt der Soziale Wohnungsbau nicht voran.

Das ist die Folge von historischen Fehlern. In den ersten Nachkriegsjahrzehnten kommt halb Deutschland in den Genuss des Sozialen Wohnungsbaus. Ein großer Erfolg. Doch dann fährt der Deutsche Gewerkschafts-Bund (DGB) seine riesige Wohnungsbaugesellschaft „Neue Heimat“ in die Grütze, Gewerkschaftsbosse bereichern sich. Der Soziale Wohnungsbau gerät in Verruf. Der Staat verabschiedet sich davon, zumal es damals auch genügend Wohnungen gibt.

Viele Kommunen verkaufen in den 90er Jahren ihre Wohnungsbaugesellschaften.  Wohnungskonzerne stoßen in die Lücke. Aus gesellschaftlichem Eigentum werden Spekulationsobjekte. Mittlerweile hat ein Wohnungsbauunternehmen sogar den Dax erreicht: Vonovia. Man hört wenig Gutes.

Die Bundesregierung stellte die Förderung um von Objekt- auf Subjektförderung, von Hausbau auf Wohngeld. Das war gut gemeint, aber untauglich als Mietpreisbremse.  Auch die noch junge gesetzliche Mietpreisbremse, die in Leer gilt, zeigt kaum Spuren.

Doch das Problem brennt. Vor einer Woche richten ostfriesische Seniorenbeiräte in Filsum einen kleinen Kongress über bezahlbares Wohnen im Alter aus. Es kommen viele Besucher, das Podium ist hochkarätig besetzt. Der niedersächsische Umwelt- und Bauminister Olaf Lies (SPD) spricht von Wohnen als „Daseinsvorsorge“, Gastgeber Fritz Zitterich, früher Bauvereins-Chef in Leer, gar von einem „Menschenrecht“. Leider ist es nicht einklagbar.

Die Realität sieht so aus: Investoren meiden den Sozialen Wohnungsbau. In einer Umfrage nennen sie Gründe: Zu geringe Renditen im Vergleich  zum freifinanzierten Wohnungsbau; zu lange Laufzeiten der staatlichen Förderkredite (20 Jahre);  inakzeptable Belegungsrechte der Kommunen; Mietpreisbindung verhindert höhere Mieten; „sozialschwache“ Mieter verursachen teure Instandsetzungen.

Klar ist: Jede Wohnung verursacht Kosten, egal, wer darin lebt. Die Miete muss mindestens die Kosten decken. Deshalb kommen kommunale Organisationen oder Genossenschaften beim Sozialen Wohnungsbau wieder ins Gespräch.

Die Landesregierung schmiedet ein „Bündnis für bezahlbares Wohnen“. Landrat Matthias Groote will im Landkreis alle Bauakteure an einen Tisch bringen. Unter besseren Bedingungen beißen vielleicht auch private Investoren an. Doch vermutlich schlägt eher die Stunde anderer Unternehmensformen. Der genossenschaftliche Bauverein Leer ist ein gutes Beispiel.

 

Der Beitrag wurde am Montag, den 26. November 2018 um 11:17 Uhr veröffentlicht und wurde unter Allgemein, Politik, Wirtschaft abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen. Kommentare und Pings sind derzeit nicht erlaubt.

Kommentarfunktion ist deaktiviert

Leer_Zeichen is powered by WordPress | WP.de Beiträge (RSS) und Kommentare (RSS)