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5G und die Milchkanne

Den Namen der Bundesministerin für Bildung und Forschung kannte bisher kaum jemand. Aber mit einem höchst dummen Satz machte Anja Karliczek sich bekannt: „5G ist nicht an jeder Milchkanne notwendig“.

Damit verblüffte die CDU-Politikerin aus dem Münsterland nicht nur digitale Fachleute und selbst nur halbwegs digital Interessierte. Sie zwang sogar ihre Partei- und Kabinettskollegin Julia Klöckner zur Widerrede. Denn die Landwirtschaftsministerin weiß natürlich, dass Karliczeks Satz nur umgekehrt richtig ist: 5G ist an jeder Milchkanne notwendig. Ähnlich äußern sich Politiker aller Farben sowie der Städte- und Gemeindebund. Ohne 5G werden besonders Randgebiete und damit auch Ostfriesland wirtschaftlich schnell abgehängt.

Aber der Reihe nach. Was heißt überhaupt 5G?  5G ist der künftige Mobilfunknetz-Standard und zehnmal so schnell wie der aktuelle 4G-Standard (LTE). Er  macht Downloadgeschwindigkeiten bis zu 10.000 Megabit pro Sekunde (Mbit/s) möglich. Das heißt in der Praxis: Das 5G-Netz wird blitzschnell Filme und Musik  ruckelfrei übertragen, diese müssen nicht mehr aufs Gerät geladen werden. Das spart auch Speicherplatz.

Man könnte es als Spielkram abtun, aber 5G hat vor allem eine überragende wirtschaftliche  Bedeutung. Das liegt an seiner niedrigen Latenzzeit – der Zeitspanne, die ein Datenpaket vom Absender zum Empfänger benötigt. 5G verringert diese Dauer auf eine Millisekunde. Ein  Beispiel: Mit smarten Kopfhörern kann ein Gespräch in einer fremden Sprache in Echtzeit übersetzt werden.

Das mag in Ostfriesland nicht so häufig vorkommen. Aber: Fabriken, Handwerksbetriebe, Warenhäuser und besonders Landwirte werden darauf angewiesen sein. Ohne 5G sind auch selbstfahrende Autos nicht möglich. Und wo 5G ist, kann man sie schon mal testen. Das verkehrsarme Rheiderland bietet sich an.

Die Landwirtschaft ist darauf angewiesen, große Datenmengen stabil und schnell zu übertragen. „Landwirtschaft ist digital und vernetzt, die moderne Milchkanne ist der Melkroboter und der temperaturregulierte Milchtank, die mit dem Handy des Landwirts vernetzt sind”, sagt Ministerin Klöckner. Auch der Ackerbau wird weitgehend digital gesteuert. Doch viele Funklöcher im Landkreis hemmen die Arbeit auf den Feldern.

Besonders wird die Telemedizin von 5G profitieren: Damit können Röntgenbilder schnell dem Arzt übermittelt werden – bisher unmöglich, weil die Bilder zu groß sind.

Zurzeit geht es in Berlin um die Versteigerung der 5G-Frequenzen an die Netzbetreiber, also an Telekom und Co. Es sieht so aus, dass dünn besiedelte Gebiete leer ausgehen könnten: Denn die  Betreiber müssen nur 98 Prozent der Haushalte versorgen. Dagegen wehren sich die IHK in Emden und auch die CDU-Abgeordnete Gitta Connemann. Bisher ohne Erfolg. Im Frühjahr 2019 findet die Auktion statt. Allzu große Hoffnungen, dass der Staat die Netzbetreiber zu hundertprozentiger Versorgung zwingt, sind nicht angebracht.

Teile der Politik, der Wirtschaft und der Bevölkerung haben den  digitalen Schuss noch nicht gehört. Ein weiterer Beleg dafür: Die Deutsche Messe AG – Anteilseigner sind die Stadt Hannover und das Land Niedersachsen – hat die einst weltweit führende Computermesse CeBit den Bach heruntergehen lassen. Ein Armutszeugnis. Aber typisch.

 

Der Beitrag wurde am Sonntag, den 2. Dezember 2018 um 15:04 Uhr veröffentlicht und wurde unter Allgemein, Politik, Wirtschaft abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen. Du kannst einen Kommentar schreiben, oder einen Trackback auf deiner Seite einrichten.

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