«     »

Impfen tut not

Impfgegner gehören zu den größten Gesundheitsrisiken. Das sagt die Weltgesundheits-Organisation (WHO) und stellt sie auf eine Stufe mit Ebola, Aids, multiresistenten Keimen und Umweltverschmutzung. Der weltweite Anstieg von Masern um 30 Prozent ließ der WHO offensichtlich den Kragen platzen.

Ältere erinnern sich an ihre Schulzeit in den 50er, 60er Jahren, als sie gegen Pocken geimpft wurden. Ohne Ausnahme, nicht nur bei uns, so dass die Pocken laut WHO heute als ausgerottet gelten.

Trotz dieser Erfolge gibt es mehr und mehr Impfgegner, sei es aus streng religiösen,  wissenschaftsfeindlichen oder ich-bezogenen Gründen. Jedenfalls schützen sie ihre Kinder nicht vor  Masern, Mumps, Röteln, Windpocken, Kinderlähmung, Diphterie, Tetanus, Keuchhusten oder den Haemophilus influenzae Typ b, der besonders bei kleinen Kindern schwere Infektionskrankheiten auslösen kann.

Nehmen wir die Masern: Niemand müsste mehr daran erkranken – gäbe es nicht die Impfgegner, welche die WHO jetzt als Bedrohung brandmarkt. Masern  galten praktisch als verschwunden. Aber weil zu viele Eltern Impfungen verweigern, ist die Krankheit wieder auf dem Vormarsch. 900 Fälle zählte das Robert-Koch-Institut im Jahr 2017 in Deutschland.

Der in Leer praktizierende Arzt Dr. Christoph Seeber setzt jetzt ein deutliches Zeichen. Auf Facebook schreibt er: „Ich kann es mit meinem Gewissen nicht vereinbaren, Impfgegner in meiner Praxis zu behandeln. Man stelle sich vor, ein Kind mit Keuchhusten im Wartezimmer steckt einen Säugling an, der noch keinen kompletten Impfschutz hat. Das fände ich furchtbar.“

Seeber vergleicht in einem ironischen Beitrag die Impfgegner mit Menschen, die Anschnallgurte im Auto abbauen – und nutzt Argumente, die auch Impfgegner gern ins Feld führen wie „Gurte helfen nicht wirklich, weil es immer noch Unfalltote gibt“ oder „Ich kenne einen, der einen Unfall auch ohne Gurt überlebt hat“. Hinzu kommen Argumente wie  Freiheitsberaubung, Bevormundung und Körperverletzung. 

Impfgegner haben häufig die Wahrheit gepachtet. Sie lassen ihren Glauben von weltweit anerkannten und erprobten medizin-wissenschaftlichen Erkenntnissen nicht trüben. Im Gegenteil. Sie hängen nicht selten Verschwörungstheorien an, in der Art, dass die WHO von der Industrie gekauft und gesponsert wird. Oder sie behaupten, das Pariser Klimaschutzabkommen sei ein „Genozid an Pflanzen, Wäldern und dem Leben auf diesem Planeten.“

Ins Bild passt ein Tweet von US-Präsident Trump aus 2014, dass viele Kinder sich nach Impfungen zu Autisten entwickeln. Auf gleichem Niveau bewegt sich der pensionierte Schulmeister Friedrich Klammroth aus Strackholt, der eine zunehmende Zahl  verhaltensgestörter Kinder mit Impfungen in einen Zusammenhang setzt. 

Die meisten Ostfriesen lassen sich von solchem mittelalterlich anmutendem Spuk nicht beirren. So ist die Impfdichte im Landkreis Leer bei Schulanfängern gut, wie Gesundheitsamtsleiterin Heike de Vries sagt. Jedenfalls werden die Schwellenwerte für die „Herdenimmunität“ in fast allen Fällen sogar übertroffen – und bei Masern fast erreicht.  Klar ist: Impfgegner verhalten sich unsozial. Denn sie fahren auf dem Trittbrett vernünftig handelnder Menschen, die für Impfschutz sorgen – indirekt auch für ungeimpfte Kinder. 

 

Der Beitrag wurde am Montag, den 4. Februar 2019 um 13:21 Uhr veröffentlicht und wurde unter Allgemein, Buntes Leben, Politik abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen. Kommentare und Pings sind derzeit nicht erlaubt.

Kommentarfunktion ist deaktiviert

Leer_Zeichen is powered by WordPress | WP.de Beiträge (RSS) und Kommentare (RSS)