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Falsche Töne im Netz

Ein altes Sprichwort sagt: Der Ton macht die Musik. Im richtigen Ton lässt sich fast alles sagen, im falschen Ton hält man lieber den Mund. Wer sich im Ton vergreift, verrät, wes Geistes Kind er ist. Damit sind wir beim Thema – bei Facebook und anderen so genannten Sozialen Medien.  

Facebook, Twitter und Co. gehören auch in Ostfriesland für die meisten Menschen zum Alltag, privat und beruflich. Diese Medien haben wie alle Medaillen zwei Seiten. Sie verstärken menschliche Absichten – gute und schlechte. Gut: Nie zuvor konnten Menschen so leicht und in so großem Umfang miteinander Nachrichten austauschen, Botschaften senden oder Werbung machen.  

Schlecht: Man kann die phänomenale Technik für finstere Absichten nutzen, Hass und Hetze verbreiten, mit Falschinformationen („Fake news“) ganze Demokratien zersetzen oder – und das ist hier vorrangiges Thema –  andere Menschen beleidigen oder ihre Persönlichkeitsrechte verletzen.

Der aktuelle Fall: Die Polizei in Leer, die vorbildlich Twitter und Facebook für ihre Mitteilungen nutzt, berichtete jüngst über einen niederländischen Sattelzugfahrer, der im Emstunnel zu dicht aufgefahren und deshalb angehalten worden war. Dabei stellten die Beamten fest, dass auf der Ladefläche kaum gesicherte  zig-tonnenschwere Stahlplatten lagen. Sie dokumentierten die Ladung mit einem Foto und schrieben dazu, wie man die Stahlplatten vorschriftsgemäß sichert.

Das führte zu massenhaften Reaktionen im weltweiten Netz. Die Polizei registrierte knapp 1500 Reaktionen: 311 Nutzer lasen die Meldung, 654 kommentierten und 455 teilten sie sogar. Teilen heißt, die Meldung im eigenen Account zu verbreiten. Zahlreiche Kommentatoren gaben sich als Fachleute für Ladungssicherheit aus, andere machten sich Gedanken darüber, was geschehen kann, wenn ein Lkw mit ungesicherten Stahlplatten zum Beispiel auf einen Pkw fährt. Im Grundsatz also eine nützliche Diskussion über eine nicht zu unterschätzende Gefahr auf der Straße.

Doch einige Nutzer vergriffen sich im Ton. Der Polizei ging es über die Hutschnur. Sie postete einen eigenen Kommentar, der die Lage klar beleuchtete: „Als erstes solltet ihr euch Begriffe wie Streifenhörnchen usw. verkneifen, wir nennen ja hier auch niemanden einen Idioten, obwohl er offensichtlich über etwas schreibt, von dem er leider viel zu wenig Ahnung hat. Das „leider“ geht an die Berufskraftfahrer, die schon mindestens zweimal etwas über Ladungssicherheit gehört haben müssen im Rahmen des Berufsqualifikationsgesetzes. Leider gilt hier nur Anwesenheitspflicht.“ 

Die Polizei prüft jetzt alle Kommentare, ob Personen oder Gruppen darin beleidigt werden. Sollte sich dieser Verdacht erhärten, geht die Sache an den Staatsanwalt.

Denn das Internet ist kein rechtsfreier Raum. Trotzdem vergessen Nutzer immer wieder ihre gute Kinderstube. Sie lassen – für jedermann sichtbar – zivilisierte Umgangsformen vermissen. Sie pöbeln und scheuen vor übelsten Beschimpfungen nicht zurück. Nationalistische, rassistische und fremdenfeindliche verbale Auswüchse liegen dabei an der Spitze. Viele Nutzer legen sich Tarnnamen zu und fühlen sich sicher. Diese Sicherheit trügt, denn die Polizei kann die   wahre Identität lüften. Sie beschäftigt mittlerweile Netzspezialisten, auch in Ostfriesland.    

 

Der Beitrag wurde am Samstag, den 9. Februar 2019 um 14:09 Uhr veröffentlicht und wurde unter Allgemein, Buntes Leben, Politik abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen. Kommentare und Pings sind derzeit nicht erlaubt.

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