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Vorbeugen

Auf dem Land fehlen Ärzte. Im Landkreis Leer spüren Patienten diesen Mangel besonders im Rheiderland und in Westoverledingen. Das ist nicht nur ein Gefühl, sondern lässt sich mit Zahlen belegen. Und die Misere verschärft sich.

In den nächsten Jahren gehen im Landkreis Leer relativ viele Ärzte in den Ruhestand. Prognosen der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen und eine Umfrage des Kreisgesundheitsamtes unter Vertragsärzten deuten auf einen spürbaren  Ärztemangel ab 2020 hin. Er beschränkt sich nicht auf Hausärzte. Auch in diesen Arztgruppen ist mit Unterversorgung zu rechnen: Augenärzte, Chirurgen, Frauenärzte, HNO-Ärzte, Hautärzte, Nervenärzte, Orthopäden, Urologen, Psychotherapeuten und Kinderärzte.

Das Problem trifft – mehr oder weniger –  viele ländliche Regionen in Niedersachsen. Die Landessregierung hat es  erkannt, ist sich aber über die Lösung nicht einig. Ministerpräsident Weil, SPD, möchte jeden zehnten Medizinstudienplatz mit einer Arbeit über zehn Jahre auf dem Land verknüpfen.  Kulturminister Thümler, CDU, ist strikt dagegen. Auch die Ärztekammer Niedersachsen und die Kassenärztliche Vereinigung Niedersachsen senken den Daumen.

Das Nein-Argument: Junge Menschen könnten sich nicht so früh für eine so lange Zeit auf ein Fachgebiet oder Lebensumfeld festlegen. Sie müssten „auswählen können, … statt auf einem per Quote zugewiesenen Arbeitsplatz tätig sein zu müssen“, sagt die Präsidentin der Ärztekammer, Wenker.

Die Kassenärztliche Vereinigung verweist darauf, dass Stipendien des Landes von  Medizinstudenten nur zur Hälfte abgerufen werden. 30 von 60 Stellen seien noch frei – obwohl das Land vier Jahre lang bis 400 Euro im Monat zahlt.

Ob Landarztquote oder schwache Stipendiennachfrage in Niedersachsen: Der Kreistag in Leer sollte sich davon nicht ins Bockshorn jagen lassen, sondern unvermindert an seinen Stipendien für angehende Ärzte festhalten. Denn sie sind gefragt.  

Der Landkreis vergibt bereits seit 2011 jährlich bis zu drei Stipendien. Zurzeit werden 32 junge Männer und Frauen gefördert. „Das Geld, bis zu 600 Euro pro Kopf und Monat, ist gut angelegt“, sagt Landrat Matthias Groote.

Vorbeugen ist besser als heilen. Diese alte medizinische Erkenntnis gilt gleichfalls für die Gesundheitspolitik. Deshalb vergibt der Kreistag Stipendien an Medizinstudenten, die sich verpflichten, nach dem Studium mindestens drei Jahre als Arzt im Landkreis zu arbeiten. Bislang haben sechs Stipendiaten ihre Approbation geschafft, sind also fertige Ärzte. Weitere fünf kommen in diesem Jahr hinzu. Das ist schon mal ein Wort.

Doch warum locken Stipendien anderswo nur wenige Studenten? Über zehn Jahre Verpflichtung könnte man reden. Aber vielleicht macht die Kassenärztliche Vereinigung auch zu wenig Reklame. Auf ihrer Homepage findet sich dazu nichts.

In Leer läuft’s. Hier trauen sich volljährige Studenten zu, eine weitreichende Entscheidung zu treffen, denn das Angebot stimmt. Nicht unwichtig: Sie werden mit offenen Armen empfangen und stoßen nicht auf skeptische Ärztefunktionäre. Der Landkreis hat ein ganzes Maßnahmenpaket zur Bekämpfung des Ärztemangels geschnürt.  Unter  „Arztsein im Landkreis Leer“ finden (angehende) Ärztinnen und Ärzte Informationen zum Arbeiten und Leben. Praktizierte Vorbeugung eben.

 

Der Beitrag wurde am Montag, den 18. Februar 2019 um 10:47 Uhr veröffentlicht und wurde unter Allgemein, Politik, Wirtschaft abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen. Kommentare und Pings sind derzeit nicht erlaubt.

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