«     »

Dörfer veröden

Dörfer sterben aus, alle Welt drängt in die Städte. Eine Folge davon wächst sich bereits zu einem sozialen Problem aus. Normalverdiener können sich eine Wohnung in angesagten Städten nicht mehr leisten. Im Landkreis Leer ist Mieten und Bauen in der Kreisstadt relativ teuer, im Vergleich zu Weener beispielsweise. In Oldenburg allerdings zahlt man fast doppelt so viel wie in Leer.

Andererseits verlieren Häuser in Randgegenden an Wert, und damit auch an Mietkraft, weil keiner sie nachfragt. Es gibt nicht wenige Menschen im Rheiderland, die gerne ihr Haus im Alter verkaufen möchten. Sie finden kaum Interessenten oder keinen Käufer, der einen angemessenen Preis zahlt. Denn junge Familien mit Kindern meiden das Dorf. Jedenfalls dann, wenn dort nichts (mehr) los ist. Kein Laden, keine Krippe, kein Kindergarten, keine Kneipe, kein Verein, keine Sparkassenfiliale, keine Poststelle.

Dieser Zustand lässt sich schwer ändern, aber er ist nicht gottgegeben. Um im Bild zu bleiben: Er ist menschengemacht. Was nicht immer heißt, dass es falsch war. So haben Gemeinderäte  vor einigen Jahrzehnten der zunehmenden Zersiedelung Ostfrieslands den Kampf angesagt. Aber dabei nicht selten den Bogen überspannt. Sie konzentrierten ihre Bebauungspläne auf die Gemeindezentren und trockneten den Neubau in Randorten weitgehend aus.

Gleichzeitig finanzierten sie großzügig den Bau von Vereinsheimen. Das mag gut gemeint gewesen sein, ließ aber die Kneipen ausbluten, die vorher Versammlungsstätten der Vereine waren. Ein historischer kommunalpolitischer Fehler, von dem sich keine Partei freisprechen kann.

Aktuell zeichnet sich das Problem vieler Dörfer deutlich in der Gemeinde Jemgum ab. Die FDP brachte es jetzt zur Sprache. Sie warnt vor rigoroser Bauland-Verknappung und mahnt, die kleinen Dörfer nicht zu vergessen.

Generell gilt in der Bauleitplanung der Grundsatz, zentrale Orte zu stärken. Das ist im Großen und Ganzen richtig, denn bestimmte so genannte Infrastruktur lässt sich nur dort aufrecht halten, wo genügend Leute wohnen. Das gilt für Arztpraxen oder Apotheken ebenso wie für Straßen und Kanalisation.

Aber übertreiben kann man es auch. So sprang die Gemeinde Jemgum bereits in den 70er Jahren auf den Zentralisierungszug und ist nicht wieder ausgestiegen. Sie weist neue  Baugebiete nur noch in Jemgum und Ditzum aus, übrige Orte wie Midlum, Hatzum, Critzum, Böhmerwold und andere gehen leer aus. Das rächt sich allmählich, weil junge Familien, die gern im Heimatort bauen möchten, zwangsläufig wegziehen. Die FDP rechnet vor, dass in Holtgaste bereits 15 Jahrgänge fehlen.

Die logische Folge: Das Dorf überaltert, Holtgaste ist nur ein Beispiel. Wenn der Nachwuchs ausbleibt, steht irgendwann auch die Freiwillige Feuerwehr auf dem Schlauch. Und bald  bleiben Häuser leer.

Der demografische Wandel fordert natürlich Konsequenzen in der Bauleitplanung. Aber das darf nicht bedeuten, junge Familien auszuschließen. Denn nicht alle lockt die Stadt. Darin liegt eine Chance. Preisgünstige Bauplätze könnten ein Anreiz sein. Die Landesregierung fördert sogar „Dorfregionen“. Das heißt, mehrere Dörfer einigen sich auf wichtige Einrichtungen. So könnten Gemeinden den Einwohnerstand zumindest halten. Das müsste doch möglich sein.

 

Der Beitrag wurde am Sonntag, den 3. März 2019 um 13:02 Uhr veröffentlicht und wurde unter Allgemein, Buntes Leben, Politik abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen. Kommentare und Pings sind derzeit nicht erlaubt.

Kommentarfunktion ist deaktiviert

Leer_Zeichen is powered by WordPress | WP.de Beiträge (RSS) und Kommentare (RSS)