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Gefahr im Pelz

Sie tragen putzige Pelze und sehen harmlos aus. Aber der Schein trügt. Bisams und Nutrias sind eine Gefahr für die Sicherheit der  Deiche an der deutschen und holländischen Nordseeküste, an Kanälen und Flüssen. Sie wühlen in Deiche und Dämme gefährlich tiefe Löcher, bis in den Sandkern des Deiches – dann braucht nur eine Sturmflut gegen den Deich zu rollen, schon bricht er.

Die Niederländer wollen jetzt klar Schiff machen und Bisams und Nutrias ausrotten. Aus reinem Selbstschutz, denn ein Viertel des Landes liegt unter dem Meeresspiegel. Deiche  sind paradiesische Lebensräume für Bisams und Nutrias.

In Ostfriesland sieht es ähnlich aus. Weite Teile des Rheiderlandes oder der Krummhörn liegen unter null. Das Leda-Jümme-Gebiet oder das Emsland bieten dem Wasser der Flüsse ebenfalls weite Auslaufflächen.

Höhlen im Deich lassen bei Deichachten den Blutdruck steigen. Wer als Laie im Frühjahr und Herbst bei einer Deichschau mitmarschiert, staunt, dass selbst  Maulwurf- und Mäuselöcher protokolliert werden, um sie später zu füllen.

Bisams und besonders Nutrias graben Gänge von noch ganz anderem Kaliber. Momentan sind Bisams die größere Gefahr. Sie leben schon lange in Ostfriesland. Nutrias rücken nach. Bisams zählen zur Art der Mäuse und vermehren sich entsprechend. Bis zu 20 Jungtiere bekommt ein Paar pro Jahr.

Und jede Familie untergräbt die Stabilität der Deiche. In Holland hat man einen großen Bisambau mit Schaum ausgespritzt und ausgegraben – und dabei Gänge bis zu drei Meter in den Deich hinein gemessen. Von einer Familie.

Bisamfänger sind auch in Ostfriesland seit Jahren am Werk. Ihnen gingen 2018 im Landkreis Leer fast 11.000 Tiere in die Fallen. Es waren schon mal annähernd 15.000. Das liegt nicht daran, dass sich die Bisams nicht mehr wie einst vermehren. Der Grund ist Nachwuchsmangel bei den Fängern, die für jedes tote Tier vier Euro erhalten. Der Landkreis Leer und die Entwässerungsverbände teilen sich die Kosten.

Jährlich werden in Niedersachsen etwa 200.000 Bisams gefangen, das ist die Hälfte der Strecke im Bundesgebiet. Die Landwirtschaftskammer erledigt die Bisambekämpfung als Projekt im Auftrag des Niedersächsischen Umweltministeriums. Sechs hauptamtliche Bisamjäger achten auf Tier- und Artenschutz und schulen die insgesamt  1.000 Privatfänger.

Nutrias zu bekämpfen ist Sache der Jäger. Die zu den Stachelratten zählenden Tiere sind fast so groß wie Biber und wiegen bis zu zehn Kilo. In Niedersachsen gelten sie nicht als Schädlinge. Sie werden nicht ausreichend bejagt, beklagen jedenfalls die Holländer. Dort wandern die Tiere, die einst aus Osteuropa eingeschleppt wurden, immer wieder ein.

Nutrias sind für Deiche noch gefährlicher als Bisams. Selbst Naturschützer sehen ihre  Ausbreitung kritisch. Wegen der Höhlen können sogar zum Unterhalt der Deiche eingesetzte Fahrzeuge einbrechen, heißt es beim Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN). „Die Bestandsreduzierung durch Abschuss ist daher zu intensivieren“, sagt in feinstem Behördendeutsch das Landwirtschaftsministerium in Hannover.

Die EU hat die Nutrias – ähnlich wie Waschbären – als eingewanderte fremde Art im Visier. Deswegen sitzen laut Bundesamt für Naturschutz (BfN) Experten an Managementplänen zur Eindämmung. Aber das kann dauern.

 

Der Beitrag wurde am Montag, den 11. März 2019 um 12:38 Uhr veröffentlicht und wurde unter Allgemein, Buntes Leben, Sport, Wirtschaft abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen. Kommentare und Pings sind derzeit nicht erlaubt.

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