Archive for April, 2019

Die Würde des Dorfes

Montag, April 29th, 2019

Dörfer geraten ins Hintertreffen. Während die Politik sie seit Jahrzehnten unter einem Arm  verhungern lässt, wachsen die großen Städte – bis zum Kollaps. Zwar unterscheiden sich  Stadt und Land schon immer. Das liegt in der Natur der Sache. Städte sind nun mal dynamischer. Salopp gesagt: Dort ist einfach mehr los. Das wird und muss sich auch nicht ändern.

Doch zwischen Stadt und Land klafft eine zu große Lücke. Da läuft etwas schief. In einem  kommunalen Fach-Newsletter heißt es sogar, das Dorf brauche seine Würde zurück – was umgekehrt heißt, dass es die Würde verloren hat.

Die Gründe liegen zum Teil am demografischen Wandel, der das Gleichgewicht zwischen Alt und Jung ins Wanken bringt. Und daran, dass Bundes- und Landesregierungen den Blick auf die großen Städte fixieren und die Provinz veröden lassen. Unübersehbar ist, dass die Regierungen die Kommunen finanziell und sachlich-fachlich kurz halten. Sie ordnen vieles von oben an, was an der Basis besser erledigt werden könnte. Vorschriften lassen kaum Spielräume. 

Der Trend zur Zentralisierung setzt sich auch in der ländlichen Raumordnungspolitik durch. Zwar ist es grundsätzlich richtig, zentrale Dörfer zu stärken. Im Rheiderland sind das Weener, Bunde und Jemgum, und von einer starken Kreisstadt wie Leer profitiert das Umland. Aber Politik darf den Dörfern nicht die Luft zum Atmen nehmen.

Die Bundesregierung erkennt das mittlerweile und verspricht Abhilfe mit dem neuen  Gesetz „Gutes Leben und Arbeiten auf dem Land“. Wohlwollend betrachtet sind es zumindest erst einmal gute Absichten.

Gut ist: Im jüngsten Landeswettbewerb der zukunftsfähigen Dörfer steigt Backemoor in diesem Jahr sogar in den Bundeswettbewerb auf. Eine Jury würdigt den kleinen Ort in der Gemeinde Rhauderfehn unter anderem wegen seiner „behutsamen Eigenentwicklung und Einpassung der neuen Wohngebiete in die dörfliche Umgebung“ und für „die lebendige Musikkultur“.

Wunderbar. Aber eher die Ausnahme. In der Gemeinde Rhauderfehn gibt es auch Orte wie Burlage und Klostermoor. 60 Bürger sprachen dort neulich in einer Diskussionsveranstaltung zur Bürgermeisterwahl einige Probleme an, die sie als Hemmnisse in der Dorfentwicklung empfinden. So haben Gemeinde und Landesschulbehörde ihnen die Grundschule genommen. Die Kinder sitzen jetzt bis zu 45 Minuten im Schulbus zum Nachbarort Langholt und müssen sogar einmal umsteigen.

Zusätzlich verärgern amtliche Bauverhinderungen die Leute. So verbieten Vorschriften, dass junge Familien, die ihre alten Eltern gern betreuen möchten, neben oder hinter dem Elternhaus bauen dürfen –  obwohl die Infrastruktur wie Straße, Kanal, Strom, Gas, Telefon oder Internet da ist. Das Bauverbot zwingt die jungen Leute, das Dorf zu verlassen. Akzeptable Busverbindungen gibt es nicht, so dass die Eltern auf ambulante Pflege angewiesen sind oder in ein Heim ziehen müssen, was teuer sein kann.

Das Dorf verödet, weil seine Entwicklung gebremst wird. Keine Familien, keine Schule, irgendwann kein Verein mehr, keine Feuerwehr. Ein Teufelskreis. Und Burlage ist keine Ausnahme. Erfreulich dort: Die Burlager verlieren nicht den Mut. Sie kämpfen um Baugenehmigungen – und wollen nicht eher Ruhe geben, bis ihre Schule wieder im Dorf ist. Das machen sie dem Bürgermeister sehr deutlich.  

Der Nazi und das Schöne

Samstag, April 20th, 2019

Nolde kam einst nur bis Oldenburg. Erst Henri Nannen holte ihn nach Ostfriesland. Der  Gründer des „stern“ baute in den 1980er Jahren in Emden die Kunsthalle und stiftete ihr seine 650 Bilder-Sammlung, zu der auch ein Dutzend von Noldes Schätzen gehören.

Emil Nolde (1867 – 1956) zählt zu den Großen seiner Kunst. Er malte expressionistisch, was sich durch vereinfachte Formen, starke Pinselstriche und kräftige Farben ausdrückt. Sie sprechen Gefühle an.

Lange war es nur ein Gerücht, jetzt ist es bewiesen: Nolde war Nazi, sogar Parteimitglied, außerdem Antisemit und Rassist. Trotzdem verachteten die Nazis seine Bilder und kennzeichneten sie als „entartete Kunst“, die nirgendwo ausgestellt werden durfte.

Ein bekennender Nazi, der sich sogar bei Hitler und Goebbels einschmeicheln wollte und seinen Kollegen Max Pechstein als Juden denunzierte: Kann ein solcher Typ ein „entarteter Künstler“ gewesen sein? Kann ein Nazi moderne Kunst malen? Muss ein Künstler moralisch sauber sein? Kann man Kunst und Künstler trennen? Schwierige Fragen, auf die seit wenigen Tagen in Berlin die Ausstellung „Emil Nolde – Eine deutsche Legende. Der Künstler im Nationalsozialismus“ nach Antworten sucht.

Die Sache hat auch eine hochpolitische Seite, denn Kanzlerin Merkel ließ zwei Nolde-Bilder ohne Begründung in ihrem Amtszimmer abhängen und in die Ausstellung bringen – auf Nimmerwiedersehen. Das wirft nebenbei die Frage auf, ob sie richtig handelt oder sich lediglich auf billige Weise einer Diskussion verweigert. Wir sagen: Sie hat richtig gehandelt. Kunst eines Nazis hat im Kanzleramt nichts zu suchen, schließlich kommen dort  auch Staatsgäste zu Besuch. Antisemitismus und Ächtung jeglichen Nazitums jedoch gehören zur Staatsräson, zu den Genen der Bundesrepublik.

Für Museen gilt das nicht. Hier ist Auseinandersetzung mit der Geschichte angesagt. Museen können die Debatten befeuern. Diese Chance nutzen einige. Auch die Emder Kunsthalle denkt nicht im Traum daran, die Noldes im Keller und damit vor der Geschichte zu verstecken.   

Es ist verständlich, wenn Menschen gelegentlich vor den Turbulenzen der Welt fliehen und in Museen das Reine, Wahre und Schöne suchen. Dort finden sie es – möglicherweise auch dann, wenn sie wissen, dass der Künstler nach aktuellen moralischen Maßstäben ein Ekel oder Drecksack war. Verlieren Noldes Gartenbilder ihre Unschuld, wenn im Hinterkopf der Nazi und Judenhasser rumort? Könnte sein, schlimm wäre es nicht.

Das Problem trifft nicht nur die Malerei. Antisemitismus ist ein uraltes Übel. Richard Wagner war davon beseelt. Selbst in Johann Sebastian Bachs großartiger Johannespassion lassen sich im Chor antisemitische Tendenzen erkennen. Oder sollen die protestantischen Kirchen die Luther-Bibeln entsorgen, weil Luther dazu aufgerufen hat, die „Gottesmörder“ zu vernichten?  Auch Fans von Michael Jackson könnte das Gewissen beißen, weil ihr Held kinderschänderisch gehandelt hat.

Sagen wir es so: Kunst stellt sich dem Leben und der Geschichte. Wer über Ostern noch nichts vorhat, könnte sich Bild und Gedanken in der Emder Kunsthalle machen. Und prüfen, ob Goethe Recht hat:  „Man weicht der Welt nicht sicherer aus als durch die Kunst, und man verknüpft sich mit ihr nicht sicherer als durch die Kunst.“   

Umdenken und umlernen

Samstag, April 13th, 2019

Was genau kommt, weiß keiner. Viele dachten lange, die Digitalisierung vergehe wie ein Schnupfen, und selbst Diplom-Physikerin Dr. Merkel im Kanzleramt wähnte sich lange auf „Neuland“. Dabei krempelt die Digitalisierung längst Arbeitswelt und Alltag um.  

Es gibt keine Patentrezepte, den Wandel zu meistern. Trotzdem: In  Ostfriesland kommt er jetzt mit Macht. Auslöser ist der VW-Konzern, der in Emden nur noch Autos mit Elektromotoren bauen will.

Die Beschäftigten müssen umdenken und umlernen. Auch Zulieferer stehen vor Problemen, wie das Kautex-Werk in Leer. Dort sind gut 300 Mitarbeiter damit beschäftigt, Tanks vor allem für VW zu bauen. Aber E-Autos brauchen keinen Tank. Was tun?

Darüber sprachen Chefs und Belegschaft bei Kautex jetzt mit Ministerpräsident Stephan Weil. Er machte keine billigen Versprechen und sagte offen, dass es kein Drehbuch gebe. Als Politiker hat er jedoch Einfluss auf den technischen Rahmen wie Breitband und 5G-Mobilfunknetz. Als Aufsichtsrat bei VW kann er für eine Batteriefabrik in Ostfriesland kämpfen, um so mögliche Arbeitsplatzverluste zu mildern.

Aber für alles andere sind die Unternehmen zuständig. Wirtschaft wird in der Wirtschaft gemacht.  Kautex-Boss Rautenstrauch machte beim Weil-Besuch auch nicht den Eindruck, dass er die Flinte ins Korn wirft. Innovation ist gefragt. Das heißt für Kautex: Neue  Geschäftsfelder suchen, zum Beispiel im Zusammenhang mit Autobatterien, wie angedeutet wurde.

Digitale Technik wird viele Jobs ersetzen, aber auch neue schaffen. Zwei Drittel der Jobs in Amerika sind Informationstechnik-Jobs, die es vor 25 Jahren noch gar nicht gab. In digitalen Fabriken übernehmen Roboter die (langweilige und ermüdende) Routinearbeit sowie körperlich schwere Arbeiten, was ja eigentlich ein alter Menschheitstraum ist. Massenarbeiten in Verwaltungen, Banken oder Versicherungen sind wie gemacht für die digitale Verarbeitung. Sicher ist deshalb, dass Mitarbeiter flexibel sein und sich weiterbilden müssen.  

Das ist nicht neu. Die Dampfmaschine steht für die erste industrielle Revolution. Sie kostete Arbeitsplätze, schuf aber viel mehr neue – von der Dampfmaschine zum Verbrennungsmotor war es nicht mehr weit. Die Pferdekutscher jedenfalls waren nicht begeistert von Autos und die Leineweber von Webmaschinen. Schon begann die zweite industrielle Revolution, deren Kennzeichen das Fließband und die Elektrizität sind. Vor einigen Jahrzehnten kam die dritte industrielle Revolution in Gang, als Elektronik und Informationstechnologie die Produktion automatisierte. Der digitale Wandel führte zur aktuellen vierten industriellen Revolution, die Maschinen, Geräte, Sensoren und Menschen miteinander vernetzt. Man spricht von Industrie 4.0.

Industrie 4.0  verlangt die Soziale Marktwirtschaft 4.0. Das ist Aufgabe von Politik, Wirtschaft und Gewerkschaften. Unabhängig davon sind junge oder künftige Arbeitnehmer gut beraten, sich früh digitales Wissen anzueignen, wobei Computerspiele keine Digitalbildung ersetzen. Leider hinken Schulen weit hinterher.

Auch die meisten Mittelständler haben kein Digitalkonzept. Nur wenige machen Weiterbildung zur Pflicht. Arbeitnehmer sollten dies verlangen – in beidseitigem Interesse. Sonst bleiben sie und der Betrieb auf der Strecke.

Landflucht stoppen

Montag, April 8th, 2019

Dörfer bluten aus, große Städte platzen aus den Nähten. Das Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung in Halle gibt das platte Land verloren und rät, nur noch Städte zu fördern. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung in Berlin hingegen stimmt nicht ein  in diese Untergangs-Rufe. Sein Rezept: Der Staat muss ländliche Gebiete endlich stärker fördern.

Die Große Koalition in Berlin will nach diesem Rezept kochen und die Provinz damit aufpäppeln. Dafür legte sie jetzt einen Gesetzentwurf vor mit dem schönen Namen „Gutes Leben und Arbeiten auf dem Land“ – vor Augen das Grundgesetz, das  „gleichwertige Lebensverhältnisse“ verlangt.   

Stadt und Land unterscheiden sich schon immer. Aber die Lücke wächst. Hochschulen in ländlichen Gebieten wie Ostfriesland zu gründen, empfehlen die Wissenschaftler. Sie liegen traditionell in den größeren Städten. Zu ihnen gesellen sich automatisch Forschungs- und Entwicklung-Institute und moderne Betriebe. Viel mehr junge Leute als früher studieren, ziehen zwangsläufig in die großen Städte. Dabei entsteht ein „Klebeeffekt“ – sie bleiben, weil sie bessere Jobchancen und Kulturangebote haben und Partnerin oder Partner kennenlernen.

Gleichzeitig spielt die Landwirtschaft auf dem Arbeitsmarkt nur noch eine Nebenrolle. Kleine Bauernhöfe schließen, große kommen mit wenigen Leuten aus. Generell dreht sich eine  Abwärtsspirale. Junge Leute wandern ab: Keine Jobs, zu wenig Landärzte, kaum noch Läden, weniger Kitas, schlechte Busverbindungen und so fort.

Der Landkreis Leer hat diese Gefahren, die der demografische Wandel noch verschärft, früh erkannt. Aber Kommunen allein können sie nicht bannen. Deshalb kommt das Gesetz des Bundes gerade recht. Eines der Hebel ist der Ausbau des Breitbandnetzes, den der Landkreis bereits in eigener Initiative vorantreibt. Ohne gutes Breitband geraten Betriebe und Privatpersonen auf dem Land ins Hintertreffen, denn nur mit schnellem Internet können sie die Nachteile der Randlage ausgleichen.

Beispiel Hausarztmangel. Er trifft besonders Dörfer. Dort leben überproportional alte Menschen, die mehr medizinische Versorgung brauchen. Aber sie sind oft nicht mobil, deshalb brauchen sie gute Busverbindungen, was natürlich ebenso für Schüler gilt. Schon sind wir beim öffentlichen Personennahverkehr. Auch Telemedizin könnte helfen, wobei wir wieder beim Breitband anlangen.

Zum Problem Einzelhandel: Ein Supermarkt im Dorf lohnt sich nur noch selten. Es mangelt an Kaufkraft. Als Vorbild dienen können genossenschaftliche oder sogar mobile Supermärkte, die anderswo bereits fahren. Das Fraunhofer-Institut arbeitet an einem Modell für einen mobilen Dorfladen, der mit einer App funktioniert.

Breitband, Bus-System, medizinische Versorgung, Kitas und Schulen – damit kann das flache Land punkten. Dörfer bringen noch den Faktor  „Bezahlbare Wohnungen“ auf die Waage, der schwer wiegt. Ein weiterer Pluspunkt: Der Landkreis stützt das Ehrenamt und damit gleichzeitig das Vereinsleben. Das sieht auch das Gesetz vor, mit dem außerdem Agrarstruktur und Küstenschutz, kleine Unternehmen und kommunale Zusammenarbeit gefördert werden sollen.

Die Mühe lohnt sich, denn immerhin möchten 44 Prozent der Deutschen im Dorf, 39 in der Kleinstadt und nur 16 in der Großstadt leben – wenn die Bedingungen stimmen.    

Hotel statt Handel

Montag, April 1st, 2019

Mit einer Innenstadt ist es wie mit einem Haus. Man muss immer Hand daran halten, sonst verfällt es schleichend. Und jede Generation muss gründlich renovieren. An diesem Punkt steht die Stadt Leer mit ihrer Fußgängerzone.

Das Gute: Leer ist attraktiv – für die Einwohner, die Umgebung und immer mehr für Touristen. Die Mischung in der Innenstadt stimmt. Handel, Gastronomie, Kultur und Dienstleistung ergänzen sich. Die Fußgängerzone ist das ganze Jahr über belebt, mehr als in anderen Städten – trotz einiger Schwächen wie Leerstände, zu viele Billigfrisöre und Nagelstudios. Beliebte Ziele sind die Hafenpromenade und etwas außerhalb die Evenburg mit ihrem Park. Touristen begeistern sich auch für die Altstadt und – von manchen Einheimischen unbemerkt – für das Leeraner Miniaturland.  

Doch die Fußgängerzone kommt in die Jahre. Verschleiß ist sichtbar. Kein Wunder, denn sie feierte den 40. Geburtstag. Ältere erinnern sich noch an die Geburtswehen. Geschäftsleute fürchteten den Tod ihrer Läden, weil Autos aus der Mühlenstraße verbannt wurden.

Diese Vorgeschichte spielt sich ähnlich beim nächsten Sprung in die Zukunft ab. Die Stadtverwaltung hat ein so genanntes Radfahrkonzept ausarbeiten lassen. Der Name deutet darauf hin, dass Radfahrer in der Innenstadt gefahrloser unterwegs sein können und im Zweifel die Vorfahrt vor Autos genießen. Nichts Genaues weiß man, nur wenige kennen Einzelheiten. An die Öffentlichkeit traut sich die Verwaltung noch nicht. Erst einmal will sie jetzt mit der Werbegemeinschaft vertraulich reden, die beim Wort Radfahrerkonzept ihre Felle davonschwimmen sieht. Erfahrungsgemäß ist Vertraulichkeit eine Garantie dafür, bald mehr zu erfahren. Also kann demnächst die öffentliche Diskussion über das Projekt starten.

Unabhängig davon beginnt die Stadt damit, die Fußgängerzone zwischen Wörde und Ledastraße aufzumöbeln. Im Jahr darauf soll es zwischen Ledastraße und Denkmalplatz weitergehen. Doch das dürfte sich verzögern, denn der Umbau des dort liegenden früheren Gröttrup-Mitte-Komplexes könnte auf sich warten lassen. Eigentlich wollte der Investor aus Duisburg schon bei der Arbeit sein, aber jetzt kam er mit einem neuen Plan um die Ecke.  

Vorgesehen hatte er, für 25 Millionen Euro auf 8.000 Quadratmeter ein Geschäftshaus zu bauen. Die Hälfte wollte er auf zwei Etagen dem Einzelhandel einräumen, auf der übrigen Fläche vornehmlich Büros ansiedeln, so für die dort bereits ansässige OLB. Doch jetzt will er die Einzelhandelsfläche stark verkleinern und dafür ein 100-Zimmer-Hotel einrichten. Die Investitionssumme erhöht sich damit auf 32 Millionen Euro.

Bürgermeisterin und Ratsfraktionen äußern sich überrascht. Sie bedauern den teilweisen Rückzug aus dem Einzelhandel. Wenn schon kein Handel, dann doch wenigstens Wohnungen, sagen sie. Und ihre heilige Kuh, ein Lebensmittelladen, dürfe auch nicht geschlachtet werden.  

Der Investor zieht jedoch ein Hotel vor – weil Leer touristisch brummt. Doch Skeptiker fragen, ob Leer ein weiteres Hotel braucht. Ein Blick auf die Preislisten zeigt allerdings, dass Betten eher knapp sind: Die Preise liegen vergleichsweise hoch. Kuno Fischer, Betreiber von zwei Hotels und Planer eines dritten, sieht die Sache deshalb auch gelassen: „Wir ziehen unser Ding weiter durch.“