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Umdenken und umlernen

Was genau kommt, weiß keiner. Viele dachten lange, die Digitalisierung vergehe wie ein Schnupfen, und selbst Diplom-Physikerin Dr. Merkel im Kanzleramt wähnte sich lange auf „Neuland“. Dabei krempelt die Digitalisierung längst Arbeitswelt und Alltag um.  

Es gibt keine Patentrezepte, den Wandel zu meistern. Trotzdem: In  Ostfriesland kommt er jetzt mit Macht. Auslöser ist der VW-Konzern, der in Emden nur noch Autos mit Elektromotoren bauen will.

Die Beschäftigten müssen umdenken und umlernen. Auch Zulieferer stehen vor Problemen, wie das Kautex-Werk in Leer. Dort sind gut 300 Mitarbeiter damit beschäftigt, Tanks vor allem für VW zu bauen. Aber E-Autos brauchen keinen Tank. Was tun?

Darüber sprachen Chefs und Belegschaft bei Kautex jetzt mit Ministerpräsident Stephan Weil. Er machte keine billigen Versprechen und sagte offen, dass es kein Drehbuch gebe. Als Politiker hat er jedoch Einfluss auf den technischen Rahmen wie Breitband und 5G-Mobilfunknetz. Als Aufsichtsrat bei VW kann er für eine Batteriefabrik in Ostfriesland kämpfen, um so mögliche Arbeitsplatzverluste zu mildern.

Aber für alles andere sind die Unternehmen zuständig. Wirtschaft wird in der Wirtschaft gemacht.  Kautex-Boss Rautenstrauch machte beim Weil-Besuch auch nicht den Eindruck, dass er die Flinte ins Korn wirft. Innovation ist gefragt. Das heißt für Kautex: Neue  Geschäftsfelder suchen, zum Beispiel im Zusammenhang mit Autobatterien, wie angedeutet wurde.

Digitale Technik wird viele Jobs ersetzen, aber auch neue schaffen. Zwei Drittel der Jobs in Amerika sind Informationstechnik-Jobs, die es vor 25 Jahren noch gar nicht gab. In digitalen Fabriken übernehmen Roboter die (langweilige und ermüdende) Routinearbeit sowie körperlich schwere Arbeiten, was ja eigentlich ein alter Menschheitstraum ist. Massenarbeiten in Verwaltungen, Banken oder Versicherungen sind wie gemacht für die digitale Verarbeitung. Sicher ist deshalb, dass Mitarbeiter flexibel sein und sich weiterbilden müssen.  

Das ist nicht neu. Die Dampfmaschine steht für die erste industrielle Revolution. Sie kostete Arbeitsplätze, schuf aber viel mehr neue – von der Dampfmaschine zum Verbrennungsmotor war es nicht mehr weit. Die Pferdekutscher jedenfalls waren nicht begeistert von Autos und die Leineweber von Webmaschinen. Schon begann die zweite industrielle Revolution, deren Kennzeichen das Fließband und die Elektrizität sind. Vor einigen Jahrzehnten kam die dritte industrielle Revolution in Gang, als Elektronik und Informationstechnologie die Produktion automatisierte. Der digitale Wandel führte zur aktuellen vierten industriellen Revolution, die Maschinen, Geräte, Sensoren und Menschen miteinander vernetzt. Man spricht von Industrie 4.0.

Industrie 4.0  verlangt die Soziale Marktwirtschaft 4.0. Das ist Aufgabe von Politik, Wirtschaft und Gewerkschaften. Unabhängig davon sind junge oder künftige Arbeitnehmer gut beraten, sich früh digitales Wissen anzueignen, wobei Computerspiele keine Digitalbildung ersetzen. Leider hinken Schulen weit hinterher.

Auch die meisten Mittelständler haben kein Digitalkonzept. Nur wenige machen Weiterbildung zur Pflicht. Arbeitnehmer sollten dies verlangen – in beidseitigem Interesse. Sonst bleiben sie und der Betrieb auf der Strecke.

 

Der Beitrag wurde am Samstag, den 13. April 2019 um 11:26 Uhr veröffentlicht und wurde unter Allgemein, Politik, Wirtschaft abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen. Kommentare und Pings sind derzeit nicht erlaubt.

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