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Nicht nur Europa wählt

Allein ein Blick in die Türkei müsste reichen, damit bei uns in zwei Wochen viele Menschen zur Wahl gehen. Es geht um Europa, in einigen Gemeinden Ostfriesland auch um Bürgermeister, im Kreis Aurich um den Landrat. Jedenfalls können die Wahlsieger sicher sein, dass sie ihr Amt auch ausüben dürfen. Und nicht Neuwahlen angeordnet werden, weil es einem despotischen Staatschef nicht gefällt, wie das Volk abgestimmt hat.

Der Europa-Wahlkampf plätschert dahin, in Ostfriesland und anderswo – obwohl es am 26. Mai tatsächlich um die Richtung geht. Überall regen sich nationalistische Parteien. Auf einem anderen Blatt stehen Kommunalwahlen in Teilen Ostfrieslands, wo es sich mehr um Personen dreht, weniger als früher um die Parteifarbe. 

Werfen wir erst einen Blick in den Nachbarkreis Emsland, der einen Landrat neu wählt. Und die Gemeinde Rhede erhält einen neuen Bürgermeister. Der parteilose Gerhard Conens, 14 Jahre im Amt, tritt nicht wieder an. Einziger Kandidat ist ein örtlicher CDU-Mann, für den die Wahl ein Selbstläufer werden dürfte.

Im Landkreis Leer wählt die Gemeinde Rhauderfehn einen neuen Verwaltungs-Chef. Amtsinhaber Geert Müller, einst SPD, jetzt parteilos, sitzt fest im Sattel, sein einziger Gegner Ingo Heynen von der Gruppe „MOIN“ ist krasser Außenseiter.

Lebhaft ist der Wahlkampf im Landkreis Aurich. Dort trifft Landrat Harm-Uwe Weber, SPD, Sohn des früheren Leeraner Landrats und Landtagsabgeordneten Harm Weber, auf einen  starken Gegner: Olaf Meinen, parteilos. Er arbeitet erfolgreich als Bürgermeister in Großefehn, ist populär, aber kein Populist. Er führt einen modernen Wahlkampf, setzt auf digitale Medien, geht aber auch unter die Leute. CDU und FDP unterstützen ihn. Sozialdemokrat Weber ist Fachmann, jedoch ein eher spröder Typ. Öffentliche Auftritte sind nicht seine Stärke. Schaden könnte ihm die schmutzige Affäre um den SPD-Abgeordneten Beekhuis. Kenner der Szene jedenfalls wagen kaum eine Wette um den Ausgang der Wahl.

Die Stadt Aurich bekommt auf jeden Fall einen neuen Mann an die Rathaus-Spitze. Bürgermeister Heinz-Werner Windhorst, parteilos, geht in Rente. Fünf Bewerber wollen ihm folgen. Favorit ist der Erste Stadtrat Hardwig Kuiper, der keiner Partei angehört, aber auf der Startseite seiner Homepage groß mit Umweltminister Olaf Lies, SPD, posiert. Der 61-Jährige ist Rheiderländer. Er kam in Wymeer als Sohn eines Maurers zur Welt, besuchte die Realschule Weener, machte am TGG in Leer das Abitur und studierte Finanz- und Betriebswirtschaft. SPD, CDU und eine Wählergemeinschaft stützen ihn.

Auch auf Norderney steht eine Bürgermeisterwahl an. Der amtierende Verwaltungs-Chef Frank Ulrichs geht als Parteiloser ins Rennen, lässt sein SPD-Parteibuch sozusagen in der Tasche. Er hat gute Chancen. Gegenkandidaten sind eine Ratsfrau der Grünen und ein Einzelbewerber.

Eine Polit-Posse am Rande: In Leer steht erst 2021 eine Bürgermeisterwahl an. Überraschend kündigte Bürgermeisterin Beatrix Kuhl, CDU, ihre erneute Kandidatur bereits jetzt an. Sie eröffnete damit praktisch den Wahlkampf, der die Politik in Leer die nächsten zwei Jahre belasten wird. Ein Rivale hat sich mit Stadtwerke-Chef Claus-Peter Horst auch schon gemeldet. Ob von einer Tarantel gestochen oder schlicht aus Naivität – das Verhalten der Bürgermeisterin wirft Rätsel auf.

 

Der Beitrag wurde am Freitag, den 10. Mai 2019 um 18:25 Uhr veröffentlicht und wurde unter Allgemein, Politik abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen. Du kannst einen Kommentar schreiben, oder einen Trackback auf deiner Seite einrichten.

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