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Mannomann

Das wär’s doch: Greta Thunberg wird Präsidentin der EU-Kommission. Sie ist jung, eine Frau und vor allem kein alter weißer Mann. Schon lösen sich die Probleme.  Das ist natürlich erkennbarer Unsinn, andererseits nicht mehr als ein grober Keil auf einem groben Klotz.

Als ob es keine anderen Sorgen gibt, bricht die Grünen-Kommunalpolitikerin Christine  Schmidt aus Emden in Ostfriesland eine Feminismus-Debatte vom Zaun – am Beispiel der Ostfriesischen Landschaft, deren Versammlung (Parlament) sie angehört. Richtig ist, dass dem achtköpfigen „Kollegium“ der Landschaft, dem Führungsgremium, nur Männer (Landschaftsräte) angehören. Nominiert von den freigewählten  ostfriesischen Kreistagen und dem Stadtrat Emden.

Das passt Frau Schmidt nicht, die nach eigenem Bekunden selbst gern Landschaftsrätin werden möchte. Sie vermisst die Gleichberechtigung, spricht von einer „Demaskierung der Männer“ und greift Landschaftspräsident Rico Mecklenburg persönlich an.  

Man kann die alt-ehrwürdige Landschaft sicher punktuell kritisieren, aber ihr bewusste Frauenfeindlichkeit vorzuwerfen, ist weit überzogen. Denn dieses historische Vorbild an politischer Mitbestimmung und Selbstverwaltung hat sich von einer Ständeversammlung zu einem demokratisch-parlamentarisch verfassten Kommunalverband für Kultur, Wissenschaft und Bildung entwickelt. Vier ihrer sieben Abteilungen werden hauptamtlich von Frauen geleitet. Den zahlreichen Arbeitskreisen stehen fast ausschließlich Frauen vor.

Der Landkreis Leer zum Beispiel besetzt vier seiner sechs Sitze im Kulturausschuss mit Frauen, im Bildungsausschuss die Hälfte. Ohnehin ist in der Politik die Gleichberechtigungs-Diskussion langsam überholt. So nehmen im Landkreis Leer mit Gitta Connemann, CDU, und Hanne Modder, SPD, unangefochten zwei Frauen führende Positionen ein. Quote? Lächerlich.

Frau Schmidt zäumt die Mann-Frau-Debatte am falschen Pferd auf. Tatsächlich ist es ein tiefes gesellschaftliches Problem. Gelöst werden kann es nur im Alltag und am Arbeitsplatz.

Es geht schlicht darum, Beruf und Familie unter einen Hut zu bringen. Dafür müssen jahrhundertealte Rollenbilder verschoben werden. Das stellt auch die Unternehmensberatung BCG fest. Sie ruft, wie es gestern in der Süddeutschen Zeitung stand, Firmen auf, sich in die häusliche Aufgabenverteilung einzumischen. Denn zu oft belastet diese Arbeit nur die Mütter.

Wenn die Wirtschaft ernsthaft mehr Frauen in Führungspositionen bringen will, muss sie sich um die Last der häuslichen Verantwortung kümmern“, heißt es – auch wenn Firmen argumentieren, es gehe sie nichts an, was privat bei den Mitarbeitern geschieht.  Frauen schrecken oft vor anspruchsvolleren Positionen zurück, weil sie die Doppelbelastung aus Beruf und Haus überfordert.

Haus-Aufgaben sind ungleich verteilt.  Arbeitnehmerinnen sind meistens verantwortlich für die Wäsche, fürs Kochen, Saubermachen, Spülen und Einkaufen, selbst für Rechnungen, Finanzen und den Garten. 

Untersuchungen zeigen, dass Frauen weder durch Heirat oder Schwangerschaft beruflich an Ehrgeiz verlieren. Kurzum: Es ist die Doppelbelastung, die sie entmutigt – und eine auf männliche Karrieren fixierte Firmenkultur. Bis sich das ändert, ist auch Greta Thunberg reif für ein Präsidentenamt.

 

Der Beitrag wurde am Montag, den 20. Mai 2019 um 09:31 Uhr veröffentlicht und wurde unter Allgemein, Kultur, Politik, Wirtschaft abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen. Kommentare und Pings sind derzeit nicht erlaubt.

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