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Rote Teppiche

Wie halten Firmen ihre Mitarbeiter bei der Stange? Wie locken oder binden sie fähige Leute oder Auszubildende, die sich heutzutage die Stellen eher aussuchen können als dankbar zu sein, überhaupt eine zu finden? Diese Fragen bewegen Firmen, seit Fachkräfte knapp sind.

Der Fachkräftemangel ist die erste Problemwelle des demografischen Wandels, die zweite  ist die Altenpflege und hängt damit zusammen. Beide Wellen schwappen auch über  Ostfriesland. Firmen rollen deshalb den roten Teppich für Mitarbeiter aus. Vorbei die Zeit, als Arbeitssuchende auf Bewerbungen nicht einmal eine Absage erhielten.

Das erlaubt sich kaum noch eine Firma. Sie kämpfen um die besten Köpfe und Hände. Es geht längst nicht mehr nur ums Gehalt. Besonders junge Leute fragen nach Benefits, wie die Nebenleistungen zum Gehalt heißen: Fortbildungsangebote, flexible Arbeitszeiten, Betriebsklima oder Möglichkeiten, Beruf und Familie unter einen Hut zu bringen.

In diesem Zusammenhang fiel jüngst ein Nebenprodukt der Berichte über das 20. Jubiläum der Software-Firma Orgadata in Leer auf. Sie wartet in ihrem Neubau nicht nur mit modernsten Büros auf, sondern serviert den Mitarbeitern in einer angenehm eingerichteten Kantine sogar kostenlos Frühstück und Mittagessen – keinen Fast-Food-Fraß, sondern frisch zubereitet.

Unternehmens-Chef Bernd Hillbrands hat sicherlich ein soziales Herz, aber natürlich in erster Linie das Wohl seines Unternehmens im Auge, das  als Software-Entwickler für Fenster-, Türen- und Fassadenbau weltweit unterwegs ist und gut 16.000 Lizenzen im Einsatz hat. Mit der Software lassen sich Maschinen in den Werkstätten der Kunden ansteuern.

Orgadata ist sehr erfolgreich. Das bezeugt schon die neue Firmenzentrale auf der Nesse in Leer. Die Nase vorn zu behalten in einem globalen Geschäft verlangt motivierte Mitarbeiter, die sich möglichst auch mit der Firma identifizieren. Kurz gesagt: Die gern dort arbeiten. Wie gelingt das? Das zu erklären, hilft ein Blick auf die Homepage.

Dort heißt es: „Zufriedene Mitarbeiter schaffen starke Produkte. Starke Produkte machen erfolgreiche Kunden. Von dieser Wirkungskette sind wir überzeugt…Was gut ist für unsere Mitarbeiter, ist gut für unsere Kunden.“ Diese Denkweise bedeutet im Orgadata-Alltag:   arbeitsfreundliche Büros, kostenloses Essen, betriebliche Kita und Unterstützung beim Sport nach Feierabend. Das kann sich eine Firma leisten, der es gut geht. Umgekehrt geht es ihr unter anderem deshalb gut. Innere Kündigungen dürften selten sein.

Es ist aber nicht so, dass Orgadata allein steht mit Benefits. Auch die Reederei Hartmann, das  Klinikum und die Kreisverwaltung betreiben eine Kita. Andere Firmen zahlen ihren Mitarbeitern Bus-Monatskarten. Handwerker finanzieren Lehrlingen den Führerschein oder halten Kaffee, Snacks und Obst kostenlos vor, zahlen Zuschüsse fürs Fitness-Studio. Gefragt sind auch bewegliche Arbeitszeiten oder Angebote fürs Arbeiten zu Hause (Homeoffice). Mitarbeiter wissen auch Konzert- und Theaterkarten oder Bundesliga-VIP-Tickets zu schätzen.

Noch einmal zu Orgadata: Die Mitarbeiter dort genießen Vertrauensarbeitszeit. Das heißt: Keiner kontrolliert, wer wann arbeitet. Das klappt – ist aber nicht neu. Zeitungs-Redaktionen haben nie anders gearbeitet.

 

Der Beitrag wurde am Montag, den 27. Mai 2019 um 09:54 Uhr veröffentlicht und wurde unter Allgemein, Buntes Leben, Wirtschaft abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen. Kommentare und Pings sind derzeit nicht erlaubt.

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