«     »

Gesundes Krankenhaus

Das Klinikum in Leer ist eines der wenigen Krankenhäuser im Nordwesten, das finanziell klar kommt. Es schreibt schwarze Zahlen und investiert kräftig. Erst gestern kam offiziell die neue Klinik für Psychosomatik hinzu, die mehr als elfeinhalb Millionen Euro gekostet hat. Behandelt werden dort Menschen, deren Seele so belastet ist, dass davon auch der Körper krank wird. 

Der Landkreis Leer als Träger des Klinikums, einst bekannt als Kreiskrankenhaus, betreibt es als gemeinnützige GmbH. Zum Unternehmensverbund gehören neben dem Klinikum noch das Krankenhaus Rheiderland in Weener und Deutschlands kleinste Klinik, das Inselkrankenhaus Borkum. Beide standen vor der Pleite, ehe das Klinikum sie zu rettenden Ufern führte.

Das Klinikum ragt aus der Krankenhaus-Landschaft heraus. Denn jedem sechsten Krankenhaus in Deutschland droht das Aus, jedes dritte bilanziert rote Zahlen, fast die Hälfte kann nicht genügend investieren. Tatsache ist: Die meisten Krankenhäuser investieren zu wenig – und vielen Trägern fehlt der Mut, unrentable Häuser zu schließen.

Auf Leer trifft das nicht zu. Vor knapp zwei Jahrzehnten sah es allerdings anders aus. Millionenverluste belasteten den Kreishaushalt. Doch der Kreistag handelte: Er entschuldete die Klinik, zog neue Korsettstangen ein und verpflichtete einen Manager, der das Geschäft versteht.  

Seit 2004 investierte das Klinikum satte 150 Millionen Euro – den Löwenanteil in Leer, aber millionenschwere Summen flossen auch nach Weener und Borkum.

Um sich ein Bild vom Ausmaß des Klinikums in Leer machen zu können: Es steht auf einer Fläche in der Größe von drei Fußballplätzen. Das medizinische Spektrum des laufend erneuerten und erweiterten Klinikums ist umfangreich.

Es hält in Leer, Weener und Borkum rund 400 Betten vor und beschäftigt 1000 Mitarbeiter, die jährlich 20.000 Patienten stationär und 55.000 ambulant betreuen. Ein weiteres relativ großes Krankenhaus in Leer ist das Borromäus-Hospital, ebenfalls eine gemeinnützige GmbH. Träger ist die katholische Kirche. Das „Borro“ hat 660 Mitarbeiter und um 260  Betten. Gelegentlich ist von einer geplanten engeren Zusammenarbeit zwischen den Häusern oder gar mehr die Rede, aber nach wie vor zeichnet sich auch das „Borro“ durch umfangreiche Investitionen aus.

Alles andere als auf Rosen gebettet sind die Krankenhäuser in Aurich, Norden und Emden, die alle unter hohen Millionenverlusten leiden. Der Landkreis Aurich als Träger der Kliniken Aurich und Norden und die Stadt Emden als Trägerin der dortigen Klinik wollen die drei Häuser schließen und eine Zentralklinik in Georgsheil bauen.

Vor zwei Jahren noch blockierte ein Bürgerentscheid in Emden diesen Plan. Neulich stimmte in einem zweiten Bürgerentscheid jedoch die Mehrheit für die Zentralklinik, so dass sie jetzt Wirklichkeit werden kann.

An den Krankenhäusern in Ostfriesland lässt sich erkennen, welche langfristigen Folgen politisches Tun und Lassen haben können. Der Kreistag in Leer blickte klug voraus, warf Ballast ab und investierte. Der Kreistag Aurich und die Stadt Emden ritten jahrelang tote Pferde. Als sie endlich abstiegen, zeigten Emder Bürger, dass sie nicht über den eigenen Tellerrand blicken konnten. Nach zwei Jahren korrigierten sie den Fehler. Immerhin.

 

Der Beitrag wurde am Montag, den 17. Juni 2019 um 10:43 Uhr veröffentlicht und wurde unter Allgemein, Buntes Leben, Politik, Wirtschaft abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen. Kommentare und Pings sind derzeit nicht erlaubt.

Kommentarfunktion ist deaktiviert

Leer_Zeichen is powered by WordPress | WP.de Beiträge (RSS) und Kommentare (RSS)