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Kreuz und quer

Urlaub und Fahrrad. Das passt, gerade in einem Flachgebiet wie Ostfriesland. Radfahren boomt, nicht nur im Urlaub, auch im Alltag. Heute sind doppelt so viele Menschen auf Rädern unterwegs wie vor zehn Jahren. Das ist gut, bleibt aber nicht ohne Folgen, denn Städte, Dörfer und Inseln sind dafür nicht gerüstet. Die Insel Juist droht mit ersten Konsequenzen für auswuchernden E-Bike-Verkehr, Verkehrswissenschaftler fordern für Deutschland ein Mobilitätskonzept.

Die Probleme verschärfen sich, weil immer mehr vor allem ältere, manchmal nicht mehr fitte Menschen sich ein E-Bike zulegen. Sie haben Mühe, die schweren und schnellen Räder zu  beherrschen.

Hinzu kommen neuerdings elektrisch angetriebene Tretroller, die vor allem junge Leute ansprechen. E-Roller vermitteln in den wenigen Wochen seit ihrer Zulassung erste Anzeichen einer Plage, die sich vorerst auf Großstädte beschränkt, aber bald auch Kleinstädte wie Leer oder Weener heimsuchen wird.

Kein Zweifel – es macht Spaß, mit einem E-Roller durch die Stadt zu rauschen. Sogar zu zweit darauf stehend, was abenteuerlich aussieht. Bis zu 20 km/h schnell und lautlos. Natürlich unterliegen sie Regeln. So sind Bürgersteige tabu, Fußgängerzonen natürlich auch. Roller sollen Radwege nutzen – gibt es keine, darf es die Fahrbahn sein. Immer schön einzeln hintereinander, freihändig fahren und an Autos anhängen ist verboten. Soweit das Gesetzbuch.

Erste Beobachtungen jedoch deuten in eine andere Richtung. Es muss wohl prickeln, gegen die Vorschriften schneidig auf Gehwegen um Fußgänger herum zu kurven und ihnen vorzugsweise von hinten Schrecken einzujagen. Die Klingel bleibt Zierrat. Dieses Roller-Verhalten ähnelt Radfahrern, die tagsüber durch die belebte Fußgängerzone in Leer preschen. Bisher ist uns nicht zu Ohren gekommen, dass die Polizei dort mal ein Bußgeld kassiert hat. Deshalb können sich auch die E-Roller-Fahrer dort ungestört austoben und keine Geldbuße fürchten, die zwischen 15 und 70 Euro betragen kann.

Sich an Regeln zu halten ist allgemein im Verkehr ohnehin ein wenig aus der Mode gekommen. Radfahrer nicht ausgenommen. Auf der falschen Seite zu fahren ist der Normalzustand. In der Dunkelheit ohne Licht sowieso.  

Voll in die Zeit passt, dass die Verwaltung auf der Insel Juist überlegt, die Zahl der Elektroräder zu begrenzen. So ganz rückt der Bürgermeister nicht mit der Sprache heraus, er will ja keine Gäste abschrecken. Aber Verkehrsunfälle auf der autofreien Insel häufen sich.  Wie auf Borkum, Norderney und anderswo.

So hat das Inselkrankenhaus Borkum in den Sommermonaten überwiegend mit Knochenbrüchen und anderen Verletzungen zu tun, die von Fahrradunfällen herrühren. Ein Borkumer Arzt schildert die Lage so: Urlauber verlassen die Fähre und vergessen als erstes die Straßenverkehrsordnung. Dann mieten sie ein Fahrrad, vorzugsweise ein E-Bike, und brettern los, kreuz und quer über Straßen, Gehwege und durch die Dünen.

Oft haben sie jahrelang nicht im Sattel gesessen – und wollen im Urlaub alles nachholen. Ohne in Übung zu sein, oft übergewichtig und nicht mehr ganz fit. Unfälle lassen nicht lange auf sich warten. Trotz allem: Radfahren bleibt gesund und entlastet die Umwelt. Nur ganz ohne Regeln geht es nicht.

 

Der Beitrag wurde am Sonntag, den 14. Juli 2019 um 11:28 Uhr veröffentlicht und wurde unter Allgemein, Buntes Leben abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen. Kommentare und Pings sind derzeit nicht erlaubt.

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