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Schwarzgeld lacht

Der Teufel steckt im Detail. So auch in diesem Fall. Ellenlang lobhudelt ein Journalist in seinem „Travellerblog“ im Internet die Insel Juist als „mein geliebtes Töwerland – endloser Strand, Ruhe und einfach wunderschön.“

Trotz bester Reklame bringt er Juist ins Gerede – mit einem einzigen Satz. Nach einem Restaurant-Besuch fragt der Kellner: „Bar oder mit Karte?“ Eine Alltagsfrage, doch nicht überall. Der Journalist notiert: „Kartenzahlung ist auf Juist leider an vielen Orten verpönt.“

Damit schlägt er Wellen. Denn die Gastronomie als bargeldintensive Branche steht bei Schwarzgeld unter Generalverdacht. Das ist eine steile Behauptung, aber nur von wenigen schwarzen Schafen zu sprechen wäre untertrieben. Juist ist überall, auch in Leer oder sonst wo.

Zwar verlangt die Bundesregierung seit 2017 manipulationssichere Registrierkassen, die Schwarzgeldumsätze verhindern sollen – von der Gastronomie, vom Handel und  Dienstleistern, die Bargeschäfte abwickeln.  Nicht alle halten sich daran. Und es gibt  Manipulations-Software, die Schwarzgeld-Umsätze sogar steigen lässt. Schließlich ist die Software einer Kasse unabhängig vom Hersteller genauso manipulierbar wie der Abgaswert eines Autos.

Ein Insider: Früher hätten Kassen die Tagesumsätze zwischen zehn und fünfzehn Prozent (um nicht auffällig zu werden) mit einer Software automatisch nach unten geregelt. Heute werde, falls nicht technisch getrickst wird, offiziell weniger Ware eingekauft und somit auch weniger über die Kasse verkauft. „Nix Kasse, in Tasche“, beschreibt er das Prinzip. Denn was nicht in der Kasse „gebongt“ wird, juckt die Kasse auch nicht – sie muss also gar nicht erst manipuliert werden. Eine Kasse, die nicht genutzt wird, ist eine gute Kasse.

Besonders verdächtig machen sich Gastronomen und andere Dienstleister, die keine Girocards oder Kreditkarten akzeptieren – mit fadenscheinigen Argumenten wie „schwaches Internet“, „hohe Gebühren“ oder „Kunden legen keinen Wert darauf“. Hotels akzeptieren in der Regel elektronische Karten. Aber merkwürdig ist es schon, wenn Gäste hohe Übernachtungskosten bar bezahlen. So lässt sich Schwarzgeld waschen.

Übrigens: Geschummelt wird nicht nur in der Gastronomie. Wer kennt das nicht? „Brauchen sie eine Rechnung? Ohne Rechnung kann ich die Mehrwertsteuer wegelassen.“ Und wer  achtet nach einem Lokalbesuch schon auf eine korrekt registrierte Rechnung? Bei Kartenzahlung muss der Wirt vorsichtig sein, denn der Geldfluss ist vom Finanzamt leichter zu verfolgen. Bei Bargeld kann er mit Pseudorechnungen hantieren.

Geprüft werden kleinere Betriebe bei uns sehr selten, und die Prüfer müssen sich anmelden. Statistisch schauen sie alle Jubeljahre mal in die Bücher, so lange existieren viele Betriebe gar nicht. Die zuständigen Bundesländer investieren wenig in Prüfer. Denn sie zahlen deren Gehalt, müssen von zusätzlichen Steuereinnahmen  aber bis zu 90 Prozent im Länderfinanzausgleich abliefern.

So ist der Ehrliche auch hier der Dumme. Weil die Konkurrenz in der Gastronomie groß ist und die Gewinnmargen klein sind, kann sich der Ehrliche nur schwer gegen Trickser behaupten. Ohne staatliche Kontrolle sind die Freunde des Schwarzgeldes im Vorteil.

 

Der Beitrag wurde am Montag, den 5. August 2019 um 10:09 Uhr veröffentlicht und wurde unter Allgemein, Buntes Leben, Politik, Wirtschaft abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen. Kommentare und Pings sind derzeit nicht erlaubt.

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