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Neues aus dem Sommerloch

Auch dieser Sommer hat ein Loch. Doch ausnahmsweise hat es  nichts mit dem Klima zu tun, jedenfalls nicht direkt. Das Sommerloch steht für eine nachrichtenarme Zeit. Manche Medien berichten dann über Ereignisse und Personen, für die sonst keine Zeit oder Platz ist,  oder melden vermeintliche Sensationen ohne Nachrichtenwert.

Sie berichten lang und breit über junge Seehunde, die wieder in der Nordsee ausgesetzt werden – und nennen sie sogar mit Namen. Oder lassen sich lang und breit darüber aus, ob sie Katzen mögen oder nicht. Im Vergleich dazu war einst die Schnapsidee eines CSU-Politikers, Mallorca zum damals 17. Bundesland zu machen, noch Gold wert.

Aber der Sommer treibt so seine Blüten. Wie auch anders. Die Bundesliga pausiert seit Monaten, die Parlamente ruhen, Schulen machen Ferien, Betriebe machen – nun ja – Betriebsurlaub, „Anne Will“ und Co. lassen sich nicht mehr blicken, „Tatorte“ sind nur Wiederholungen, Gaming-Shows verzichten auf neue Folgen.

Und Lobbyisten und Politiker, die nicht dauernd im Vordergrund stehen, erliegen der Versuchung, das Sommerloch zu füllen. Mit leeren Döschen. So fordern sie höhere Steuern für alles Mögliche, um damit das Klima zu retten. Klima ist ohnehin der Renner.

Die Kurve zum Klima schafft auch unsere Bundestagsabgeordnete Gitta Connemann aus Hesel, eine virtuose Füllerin des Sommerlochs. Die CDU-Politikerin behelligt sogar Bundestagspräsident Schäuble damit. Sie bittet ihn in einem Brief, dafür zu sorgen, dass im Restaurant und den Kantinen des Bundestags deutsches Fleisch und Gemüse auf die Tische kommt. 

Eine FDP-Abgeordnete hat sich neulich über den hohen Auslandswarenanteil auf der Speisekarte mokiert, ein Bauer aus Schleswig-Holstein wetterte darüber in einem Video auf Facebook, die Bild-Zeitung füllte damit ihr Sommerloch und trompetete „Nicht ein einziges Stück Fleisch aus Deutschland“. Gitta Connemann sprang jetzt auf diesen Zug, den „Bild“ aufs Gleis gesetzt hatte. Nach einem Blick in alle möglichen Medien kann sie sich über den Erfolg ihrer Übung freuen. Viele berichten.

Schäuble ist natürlich nicht Chef der Kantinen. Diese betreibt pachtweise ein Caterer, der sagt, dass 20 Prozent der Speisen aus deutschen Landen sind. Frau Connemann macht das „fassungslos“. Nach ihrer Ansicht und der des Landwirtschaftlichen Hauptvereins für Ostfriesland hat der Bundestag hier eine Vorbildfunktion. Sie bedeutet: Deutsche Lebensmittel auf den Tisch.

Frau Connemann schiebt noch das Klima nach: „Der CO2-Fußabdruck von importierten Lebensmitteln ist viel höher als von deutschen.“ Wohl wahr, und nichts gegen deutsche Lebensmittel. Im Gegenteil. Aber ein großer Teil unserer Agrarproduktion wandert ins Ausland. Hoffentlich entdecken die Kunden in aller Welt nicht den Fußabdruck.

Aber wir können beruhigt sein. Frau Connemann hatte das Sommerloch im Blick. Wie vor einem Jahr, als sie eine Pflichtberatung fürs Tattoo-Stechen forderte und für November 2018 (!) einen Tattoo-Gipfel ankündigte, mit Tattoo-Verbänden, Farb-Herstellern,  Wissenschaftlern, Ministerien, Krankenkassen und Medizinern. Dazu hieß es im vorigen September an dieser Stelle: „Wir sind gespannt, ob die Pflichtberatung für Tattoos den Sprung vom  Sommerlochthema zu einem ernsthaften politischen Vorgang schafft.“ Hat jemand etwas davon gehört?

 

Der Beitrag wurde am Sonntag, den 11. August 2019 um 12:09 Uhr veröffentlicht und wurde unter Allgemein, Buntes Leben, Politik abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen. Kommentare und Pings sind derzeit nicht erlaubt.

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