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Ganz großes Kino

Zwei Festivals für klassische Musik gleichzeitig im Sommer im kleinen Ostfriesland – die „Gezeitenkonzerte“ und der „Musikalische Sommer“. Jeweils mit mehr als 30 Konzerten. Einmalig. Und beide strahlen weit über die Grenzen, der NDR und der Deutschlandfunk schneiden einige Konzerte mit und senden sie, gelegentlich sogar direkt. Mit solch einem Angebot wartet kaum eine andere ländliche Region vergleichbarer Größe auf.

Veranstalter der „Gezeitenkonzerte“ ist die Ostfriesische Landschaft, den „Musikalischen Sommer“ trägt eine gemeinnützige GmbH unter Führung der Musikerfamilie König aus Aurich. Seit 1983 gibt es den „Musikalischen Sommer“, gegründet und künstlerisch geleitet von Wolfram König in Aurich, mittlerweile gestorben.

2008 schließen König und die Landschaft einen Vertrag zur Zusammenarbeit, um das Festival auf stabilere Füße zu stellen. König kümmert sich um die Kunst, die Landschaft um die Organisation. Aber das Glück endet schnell. 2011 kommt es zum erbitterten Streit um Geld und Kompetenzen, der vor Land- und Oberlandesgerichten ausgefochten wird. Das Ende vom Lied: Familie König macht allein weiter mit ihrem „Musikalischen Sommer“, die Landschaft gründet die „Gezeitenkonzerte“, die jetzt zum achten Mal über die Bühne gingen.

Die wichtigsten Förderer unterstützen die „Gezeitenkonzerte“. Hauptsponsor ist die Ostfriesische Landschaftliche Brandkasse. Mit von der Partie sind die Ostfriesischen Volksbanken, EWE-Stiftung, Stiftung Niedersachsen, Aloys-Wobben-Stiftung, Dirks Group, Enova, Elektrotechnische Werke Rolf Janssen, Frisia Möbelteile oder Thiele Tee. VW stellt Fahrzeuge bereit, das Land  Niedersachsen und der NDR fehlen nicht.

Hauptförderer des „Musikalischen Sommers“ ist die Aloys-Wobben-Stiftung. Dahinter steht der Windenergie-Konzern Enercon. Außerdem zählen  Unternehmen wie Upstalsboom-Hotels, Silomon-Mode, Fenster- und Türentechnik Schüt-Duis, Apotheker Russell, der NDR und das Land zu den Förderern oder Partnern. Schon der Vergleich der Förderer lässt ahnen, dass der „Musikalische Sommer“ für die Familie König ein finanzieller Kraftakt ist, der schwer zu stemmen ist. Sie hat dies sogar öffentlich anklingen lassen.

Die „Gezeitenkonzerte“ haben schon wegen der größeren Zahl potenter Sponsoren finanziell mehr im Rücken. Außerdem trägt das Eintrittsgeld zur Finanzierung der Konzerte bei. Die Landschaft stellt ihre Infrastruktur und das Personal zur Verfügung.

Beide Veranstalter haben Fördervereine an ihrer Seite. Die Landschaft zählt mehr als 700 Fördervereinsmitglieder, die ein Vorkaufsrecht haben. Das führt bereits zum Verdruss mancher Musikfreunde, die nur noch schwer an Karten kommen. Hält der Zulauf zum Verein  an, besteht die Gefahr einer geschlossenen Gesellschaft. Das kann sich eine Körperschaft öffentlichen Rechts wie die Landschaft nicht erlauben.

Wie auch immer: Ostfriesland kann sich der ungewöhnlichen Fülle hochklassiger Konzerte glücklich schätzen. Auch das Rheiderland profitiert in diesem Jahr wieder durch Konzerte in Kirchen in Weener und Ditzum sowie im Steinhaus Bunderhee. Nicht zu vergessen das grandiose Abschlusskonzert in Bunderhee auf dem „Polderhof“ von Helmuth Brümmer (Enova), der den Reitstall für 1.400 Zuhörer wieder zu einem hervorragenden Musiksaal umfunktioniert hat. Ganz großes Kino.

 

Der Beitrag wurde am Montag, den 19. August 2019 um 08:54 Uhr veröffentlicht und wurde unter Allgemein, Kultur abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen. Kommentare und Pings sind derzeit nicht erlaubt.

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