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Einst ein Traumberuf

Lokführer fehlen an allen Ecken und Enden. Aus dem Traumberuf früherer Jungen-Generationen entwickelte sich ein Mangelberuf, der auch in Ostfriesland zu spüren ist. Zugausfälle häufen sich. Hauptgrund? Es fehlen Lokführer – was bei den vielen technischen Unzulänglichkeiten im Bahnverkehr häufig übersehen wird.

Allein die Deutsche Bahn als Marktführer braucht bis zu 1500 Lokführer. Bei den Privat-Anbietern im Regionalverkehr sieht es nicht besser aus. Die Nordwest-Bahn, rings um Ostfriesland unterwegs, lässt regelmäßig Züge ausfallen und musste deshalb dem Land Niedersachsen schon Strafgeld in Millionenhöhe überweisen.

Der Lokführermangel liegt nicht unbedingt daran, dass die Bahnfirmen kein Personal einstellen. Ihre Zahl ist um mehr als 3000 auf gut 30.000 gestiegen. Aber immer mehr Menschen fahren mit der Bahn (oder mit Bussen), neue Linien werden eingerichtet, alte öfter befahren, auch abends oder an Wochenenden. Dafür braucht man mehr Personal. Hinzu kommen kürzere Arbeitszeiten und mehr Urlaub.

Der Arbeitsmarkt jedenfalls ist leergefegt. Was tun die Firmen dagegen? Die Deutsche Bahn bildet selbst aus. Außerdem lernen Lokführer als Quereinsteiger den Beruf bei privaten Bildungsträgern. Demnächst auch in Aurich, wo die Dispo-TF Education 15 Umschüler in knapp einem Jahr für die Lok fitmachen will. Die Firma sieht in Ostfriesland einen guten Markt. Sie hat namentlich ehemalige Werftarbeiter im Auge, weil diese eine technische Ader haben. Für jüngst bei VW ausgeschiedene befristet Beschäftigte könnte der Umstieg auf die Lok ebenfalls interessant sein. Die Kosten für Umschüler zahlt das Arbeitsamt.

Wie wird man eigentlich Lokführer? Klassisch ist eine dreijährige Ausbildung zum „Eisenbahner im Betriebsdienst – Fachrichtung Lokführer und Transport“. Voraussetzung ist mindestens der Hauptschulabschluss. Um den Mangel schnell zu beheben, setzen Bahnunternehmen verstärkt auf den Quereinstieg. Die Ausbildung dauert dann neun bis elf Monate. Mitzubringen ist eine abgeschlossene Berufsausbildung, möglichst technischer Richtung.

Um die Lücken zu füllen, bietet die Deutsche Bahn auch Studienabbrechern, Zeitsoldaten oder über 50-Jährigen eine Job-Chance, sofern sie gesund sind, ausreichend sehen und hören können. Während dieser sogenannten Funktionsausbildung kommt man bei der Bahn auf ein Gehalt von 30 000 Euro pro Jahr, plus Zulagen für Nacht- und Wochenendarbeit. Die klassischen Azubis erhalten zwischen 900 und 1100 Euro im Monat. Ein ausgebildeter Lokführer erhält nach Bahn-Angaben zwischen 38 000 und 50 000 Euro. Aufsteigen kann man zum Meister, Disponenten oder auch Ausbilder.

Der Lokführer-Beruf ist zumindest körperlich nicht schwer, kein Vergleich zu längst vergangenen Dampflokzeiten. Und die Ausbildung oder Umschulung hat einen nicht zu vernachlässigenden Vorteil: Die nahtlose Übernahme nach bestandener Prüfung ist garantiert. Trotzdem treten nicht alle die Arbeit an. Das bestätigt die Bundesregierung auf die Kleine Anfrage eines Grünen-Abgeordneten. Dieser wirft der Bundesagentur für Arbeit vor, nicht genau zu prüfen, ob die Umschüler zum Beruf passen. So stelle sich heraus, dass die Arbeitszeiten nicht zu einer alleinerziehenden Mutter oder die Belastungen nicht zu einem Arbeitslosen mit kaputten Bandscheiben passen.

 

Der Beitrag wurde am Sonntag, den 29. September 2019 um 11:39 Uhr veröffentlicht und wurde unter Allgemein, Politik, Wirtschaft abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen. Kommentare und Pings sind derzeit nicht erlaubt.

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