«     »

Booking auf ostfriesisch

Mit der Marke „Ostfriesland“ werben, mit ihr regionale Produkte verkaufen oder Urlauber und Fachkräfte locken. Lediglich ein Traum? Oder doch eine Vision mit Erfolgsaussicht?

Neulich besuchte Dr. Hermann-Onko Aeikens aus Weener-Kukelborg seine Heimat – in dienstlicher Mission. Der Staatssekretär im Bundeslandwirtschaftsministerium sprach in Leer anlässlich der Digitalen Woche und äußerte am Schluss seiner Rede einen Wunsch: Den guten Namen Ostfriesland wirtschaftlich ummünzen. Das müsste möglich sein, denn: „Der Verbraucher will Regionalität.“

Ob Aeikens in heimatlicher Verbundenheit nostalgisch gestimmt war oder es ernst meinte – es lohnt sich, darüber nachzudenken. Wobei zur Milchwirtschaft, die er ansprach, eher wehmütige Erinnerungen wach werden. Es gab in Leer schon mal einen Milchriesen, den Molkereiverband Ostfriesland (MVO), später MZO, dem 40 Molkereien die Milch lieferten. 1992 schloss der MVO sein Werk in Leer. Die Manager hatten die Milchquotenregelung der EG falsch eingeschätzt und zu lange an der damals hoch subventionierten Milchpulverherstellung festgehalten.

Dabei war der MVO sogar mit „Ostfriesen-Butter“ am Markt – aber mehr nebenbei, mit zu kleinen Mengen und ohne strategisches Marketing. So etwas wie „Ostfriesen-Butter“ dürfte Aeikens vorschweben, der noch von den positiven Reaktionen im ganzen Land erzählte, wenn die Leute den Namen Ostfriesland hören.

Die Idee der Marke „Ostfriesland“ hat sich vor Jahren schon der Verein Region Ostfriesland auf die Fahnen geschrieben. Er hat sie sich 2006 sogar vom Deutschen Patent- und Markenamt eintragen lassen – unter der Nummer 304 62400. Bürokratisch ist also alles geregelt. Aber der Verein kommt seinem erklärten Ziel kaum näher: „Ostfriesland soll künftig moderner, hochwertiger und kompetenter auftreten als heute.“

Dem Verein fehlt die Wucht. Nichts gegen das lobenswerte Engagement der Hochschule Emden-Leer, der Ostfriesischen Landschaft, der Handwerkskammer, des Tourismusverbands oder der Städte Emden und Aurich. Aber so lange die Wirtschaft sich zurückhält, ist kein Schub zu erwarten. Vielleicht bringt die Initiative „Weiter Ostfriesland“, an deren Spitze die Hochschule steht, einen Umschwung. Der Fachkräfte-Mangel drückt. Mit einer Werbekampagne sollen deshalb Studenten, Fachkräfte und heimkehrwillige Ostfriesen für Ostfriesland begeistert werden.

Am weitesten scheint die Ostfriesische Tourismus GmbH (OTG) zu sein, die mehr und mehr auf digitale Ansprache setzt. So zählt sie auf der vor allem bei jungen Leuten beliebten Foto-Plattform Instagram mehr als 10.000 Follower, bei Facebook sind es fast 50.000 und bei Twitter 2.500.

Eine bemerkenswerte Idee setzt die AG Reederei Norden-Frisia um. Sie hat nicht nur ein bisher einzigartiges Smart-Hotel entwickelt, das der Gast komplett per App steuern kann, sondern geht bald mit einer eigenen Buchungsplattform auf den Markt. Mit ihr kann der Gast alle Urlaubsangebote der Reederei auf Norderney online buchen.

Der Clou: Die Reederei bietet ihre Plattform auch anderen Vermietern an – will sie für ganz Ostfriesland und weiter entlang der Küste öffnen. Warum sollen wir das Geschäft den großen Plattformen Booking, HRS oder Expedia überlassen?, fragt sie sich. Wie sagt Staatssekretär Aeikens: „Der Verbraucher will Regionalität.“

 

Der Beitrag wurde am Dienstag, den 8. Oktober 2019 um 11:03 Uhr veröffentlicht und wurde unter Allgemein, Politik, Wirtschaft abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen. Kommentare und Pings sind derzeit nicht erlaubt.

Kommentarfunktion ist deaktiviert

Leer_Zeichen is powered by WordPress | WP.de Beiträge (RSS) und Kommentare (RSS)