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Bauern am Pranger

Die Bauern stehen unter Druck. Von der Bundesregierung, der EU, den Grünen und ihren ökologisch-politischen Vorfeld-Organisationen. Die einen nehmen die Tierhaltung aufs Korn, andere verlangen, weniger Fleisch auf den Markt zu bringen. Und die EU sitzt der Bundesregierung im Nacken, endlich dafür zu sorgen, dass weniger Nitrat in den Boden gelangt, weil es das Trinkwasser gefährdet.

Doch nicht genug: Neben all diesem Ärger plagen schlechte Preise die Bauern. Milch kostet zu wenig und Fleisch aus aller Welt wird billigst auf den Markt geworfen. Die heimischen Bauern kommen zu oft nicht mehr auf ihre Kosten. Und dann die vielen öffentlichen Vorwürfe.

Davon betroffen sind natürlich auch die rund 1.000 bäuerlichen Betriebe im Landkreis Leer, etwa 200 von ihnen im Rheiderland. Die meisten melken, wie man hierzulande sagt, wenn ein Bauer einen Milchbetrieb führt. Sie stehen im Augenblick besonders im Visier.

Doch sie und viele andere Berufskollegen fühlen sich zu Unrecht an den Pranger gestellt. Eine Hauptursache ist die Düngeverordnung aus Berlin, die erneut verschärft wird, nachdem sie erst 2017 erlassen worden war – mit Obergrenzen für Stickstoff und längeren Düngeverboten. Das wurmt die Bauern besonders. Sie sagen, dass sie sich danach richten, die Folgen im Boden jedoch nicht so schnell wirksam sind. 

Bauern löffeln jetzt die Suppe aus, die ihnen alle Bundesregierungen der letzten 20 Jahre eingebrockt haben, nicht zuletzt jedoch auch dank intensiver Lobbyarbeit der Bauernverbände. Tatsache ist: Fast jede dritte Messstelle im Land übertrifft den EU-Grenzwert von 50 Milligramm je Liter.

Die EU jedenfalls macht ernst und droht der Bundesregierung mit Strafen, wenn sie die Nitratbelastung der Böden nicht in den Griff bekommt. Fällig würden dann 860.000 Euro – pro Tag. Bei dieser Summe bleibt Berlin trotz aller Proteste der Bauern hart.

Das Fatale: Die Bauern werden über einen Kamm geschoren. Für jeden einsehbar, gibt es beträchtliche Unterschiede in der Nitratbelastung der Böden beispielsweise zwischen Vechta und Cloppenburg im Südoldenburgischen und Ostfriesland. Im Südoldenburgischen mit seiner exorbitanten Massentierhaltung fällt viel Gülle an, viel zu viel. Dort muss Berlin den  Hebel ansetzen.  

Gülle bedeutet Nitrat, und Nitrat im Grundwasser ist bedenklich, weil es sich im Magen in Nitrit verwandeln kann, besonders gefährlich für Säuglinge. Gelangt es ins Blut, bremst es die Sauerstoffaufnahme. Deshalb filtern Wasserversorger mit teuren Verfahren Nitrat heraus, zapfen das Grundwasser aus immer tieferen Schichten oder verdünnen belastetes Trinkwasser. Ein unhaltbarer Zustand. Eine Lösung ist aber so schnell nicht in Sicht.

Sicher ist nur, dass die Landwirtschaft ihre Rolle als Ernährer der Menschen nur vernünftig erfüllen kann, wenn der Rahmen stimmt. Milch, Fleisch und Getreide muss ihren Preis haben und ökologisch produziert werden.

Nur dann kann die Erfolgsgeschichte der Landwirtschaft fortgeschrieben werden. Ohne ihre Effizienz könnten die mehr als sieben Milliarden Menschen nicht ernährt werden. Ihre Zahl hat sich in den letzten 50 Jahren mehr als verdoppelt, die Ackerfläche, um sie zu ernähren, jedoch nur um zehn Prozent. Mit grün-romantischen Vorstellungen von genossenschaftlicher Selbstversorgung hat das nicht die Bohne zu tun.

 

Der Beitrag wurde am Montag, den 14. Oktober 2019 um 09:38 Uhr veröffentlicht und wurde unter Allgemein, Politik, Wirtschaft abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen. Kommentare und Pings sind derzeit nicht erlaubt.

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