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Meilenstein im Neuland

Im medialen Rummel um den Gallimarkt oder um einen Biologie-Lehrer, der Wühlmäuse mit Buttersäure aus dem Garten vertreiben will, ging ein technischer Meilenstein fast unter. Obwohl er den Alltag Tausender Menschen im Landkreis Leer berührt: Die komplette elektronische Zulassung oder Ab- und Ummeldung von Auto und Motorrad beim Straßenverkehrsamt.

Als erste Behörde in Niedersachsen und eine der ersten in Deutschland steht das Straßenverkehrsamt des Landkreises Leer dafür bereit. „Unser Team hat die sogenannte i-Kfz Stufe 3 voll funktionsfähig umgesetzt“, sagt Landrat Matthias Groote. „i-Kfz“ steht für internetbasierte Fahrzeugzulassung. Damit macht die Bundesregierung im Zuge des E-Governments (elektronische Verwaltung) die Zulassung von Fahrzeugen einfacher, bequemer und effizienter.

Das heißt: Der Bürger kann alles von zu Hause regeln und sich den Weg zur Ringstraße in Leer sparen. Der Landkreis Leer hat damit bundesweit die Nase vorn. Das Straßenverkehrsamt ist die am weitesten digitalisierte Abteilung der Kreisverwaltung – und ein weithin anerkannter Vorreiter. Schon lange führt es die Akten elektronisch und automatisiert, was möglich ist. Die Folge: Ein leerer Aktenkeller.

Die Menge an amtlichen Vorgängen – allein bei der Zulassung sind es fast 300.000 im Jahr, plus 50.000 Bußgeldbescheide und 60.000 Kundenbesuche – lässt sich mit Computern, Intra- und Internet, Verlinkungen, Schnittstellen und digitalisierten Formularen viel schneller bearbeiten als mit Hand, Papier und Kuli.

Gerrit de Wall, der die Führerschein- und Zulassungsstelle leitet, ist bei Kollegen von außerhalb ein gefragter Mann. Sie fahren nach Leer, um sich zu informieren, wie es geht. De Wall referierte auch schon auf der einst weltgrößten Computermesse CeBit in Hannover.

Aber keine Sorge: Das Straßenverkehrsamt fährt künftig noch zweigleisig. Wem die digitale Technik fremd ist, kann sich immer noch nach alter Väter Sitte auf den Weg zum Amt machen. Und dort warten, bis er an der Reihe ist. Obwohl: Wer wartet, hat selber schuld. Er kann schon seit langem seine Vorgänge zu jeder Zeit komplett einwerfen, eine Nummer ziehen und die Handynummer eingeben. Er wird per sms informiert, wenn die Sachen fertig sind.  

Ganz einfach ist die neue Online-Zulassung allerdings nicht. Man muss mit einem Computer umgehen können und sich digital auskennen. Und einige technische Voraussetzungen erfüllen. Dazu gehören ein neuer Personalausweis (nPA) mit aktivierter Online-Ausweisfunktion (eID), außerdem ein Kartenlesegerät oder – viel einfacher und handlicher – ein Smartphone mit der kostenlosen „AusweisApp2“.

Den elektronischen Personalausausweis (nPA) im Scheckkartenformat gibt es bereits seit 2010, wird irgendwann Pflicht. Er sorgt per Kartenleser für einen elektronischen Identitätsnachweis (eID) übers Internet. Dazu wird die Software „AusweisApp2“ benötigt. Etwas Umstand ist schon dabei, wenn man sich Behördengänge sparen, Verträge im Internet abschließen oder Online-Dienstleistungen datensicher nutzen will.

Alles in allem: Es ist radikal einfacher als bisher. Für Viele noch Neuland. Aber junge Menschen wachsen mit dem Smartphone auf, immer mehr ältere eignen sich die Kenntnisse an – und wer sich davon fernhält, stößt immer häufiger an Grenzen.   

 

Der Beitrag wurde am Sonntag, den 20. Oktober 2019 um 11:53 Uhr veröffentlicht und wurde unter Allgemein, Politik, Wirtschaft abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen. Kommentare und Pings sind derzeit nicht erlaubt.

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