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Fahren Leeraner lieber Rad?

Mit dem Bus zur Arbeit, zur Schule, zum Einkaufen oder ins Kino fahren – und das eigene Auto stehen lassen, sofern man eines hat. Das verbirgt sich landläufig hinter dem Begriff Öffentlicher Personen-Nahverkehr, abgekürzt ÖPNV. In Großstädten ist das normalerweise kein allzu großes Problem. In kleinen Städten und vor allem auf dem Land jedoch ein großes, sogar noch wachsendes.

Ein schlechtes Beispiel für den ÖPNV liefert seit Jahren die Stadt Leer. Hier quälen sich große Busse durch enge Siedlungsstraßen – meistens menschenleer. Das geht noch mehr ins Geld als der ÖPNV ohnehin kostet. Im Rathaus macht man sich deshalb schon seit langem Gedanken, wie man die Leeraner in die Busse lockt. Ein Verkehrs-Experte rät, das Angebot zu verbessern und einen Halbstundentakt einzuführen. Dann würden nicht mehr wie bisher nur 40.000 Leute im Jahr mit dem Bus fahren, sondern in absehbarer Zeit fünfmal so viel:  200.000.

SPD und Grüne/CDL waren ursprünglich angetan von dieser Lösung, doch schließlich trauten sie dem Baten nicht. Gemeinsam mit anderen Fraktionen schwenkten sie um auf den Stundentakt. Ratsherr Jochen Kruse, SPD, begründet dies so: „Wir haben eingesehen, dass die Leeraner nicht Bus fahren wollen – die fahren lieber Fahrrad.“ Eine zumindest originelle Erkenntnis. Sollte der Rat diese Einschätzung teilen, müsste er die Verkehrspolitik der Kreisstadt ab jetzt konsequent am Fahrrad ausrichten. Dahinter setzen wir aber mal ein Fragezeichen.

Immerhin: Mit einem großen Rad-Projekt startet die Stadt demnächst in der Innenstadt zwischen Friesen- und Bürgermeister-Ehrlenholtz-Straße und am Bahnhof. Das ist im Rat und in der Werbegemeinschaft zwar umstritten, auf jeden Fall jedoch radfahrerorientiert. Ansonsten haben Radfahrer in Leer nicht viel zu lachen. Radwege und Verkehrsführungen lassen stark zu wünschen übrig. Aber das ist nichts Neues.

Mobilität auf dem Land ist noch schwerer zu regeln als in Leer. Buslinien richten sich vorwiegend nach Schülern aus, der demografische Wandel entleert nach und nach die Dörfer. Mobile Menschen setzen aufs Auto, weniger mobile – Alte und Leute, die sich kein Auto leisten können – brauchen eine Alternative. Ein Ansatz ist der Anrufbus, der gut angenommen wird. Auch über Sammeltaxen oder Mitnahme in privaten Pkw lohnt sich nachzudenken.

Notwendig sind ein straffes Netz und eine Wegekette, die alle Fahrdienste berücksichtigt: Bus, Bahn, Taxis. Längst gibt es Apps, die alle Verkehrsangebote, Fahrpläne und Fahrzeiten anzeigt. Die Oma im letzten Dorf muss auf einem Blick erkennen, wie sie zum Arzt in den nächsten größeren Ort oder zu den Enkeln in der Großstadt kommt. Sicher ist, dass am digitalen Zugang zum gesamten Nahverkehr kein Weg vorbeiführt.

Irgendwann fährt auch die Bahn wieder über die Ems. Mit den geplanten neuen Bahnhöfen in Bunde und Ihrhove kann sie den Nahverkehr verbessern. Was spricht dagegen, wenn Schüler und Arbeitnehmer ihren E-Roller mitnehmen nach Leer und vom Bahnhof zum Ziel rollen? Oder Leihräder am Bahnhof nutzen, wie es anderswo schon praktiziert wird?

Auf jeden Fall braucht der ÖPNV ein gutes Konzept. Sonst könnte sich der US-Verkehrsdienstleister Uber der Sache annehmen. Er vermittelt Fahrgäste an private Pkw-Besitzer – und mischt in aller Welt bereits das Taxigewerbe auf.

 

Der Beitrag wurde am Sonntag, den 3. November 2019 um 14:09 Uhr veröffentlicht und wurde unter Allgemein, Politik, Wirtschaft abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen. Kommentare und Pings sind derzeit nicht erlaubt.

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