Archive for Dezember, 2019

Donnerschlag

Montag, Dezember 30th, 2019

An Hexen und böse Geister glauben nur noch die wenigsten. Deshalb müssen wir sie zum Jahreswechsel nicht mehr wie unsere Urahnen mit Blechbüchsen, Kuhhörnern oder Geschrei vertreiben. Der Grundgedanke der Spökenkieker aller Zeiten jedoch hält sich, angepasst dem technischen Fortschritt: Kein Jahreswechsel ohne Lärm.

Aber die Sache kommt in Verruf. Umweltschützer, Tierrechtler und Kirchen („Brot statt Böller“) stehen vor dem Durchbruch ihrer stetigen Kampagnen gegen Silvester-Knallerei. Die erste Baumarktkette und Böller- und -Raketenhändler stellen den Verkauf ein. Weitere werden folgen.

Die Holländer sind uns schon Jahre voraus. Dort gibt es schon lange keine schweren Knallkörper mehr zu kaufen. Deshalb können wir ab heute wieder unzähligen unserer Nachbarn zusehen, wie sie Läden in Bunde, Weener und Leer von Böllern buchstäblich leerkaufen.

Tatsächlich ist die Silvesterknallerei maßlos. Sehr viel, sehr laut, teilweise allerdings auch eine Augenweide. Größter Nachteil: An keinem Tag schwebt so viel Feinstaub in der Luft wie Silvester und Neujahr. Deshalb wird es nicht beim freiwilligen Verzicht eines Teils des Handels bleiben, sondern auf ein gesetzliches Böllerverbot hinauslaufen.

Ein Verbot dürfte die Knallerei stark einschränken. Eine Ausweichmöglichkeit nach Holland gibt es nicht, und auch drüben wird es ruhiger. Aber ganz ausschalten lässt sich der alte Brauch nicht. Warum auch?

In Ostfriesland könnte das Karbidschießen eine Wiedergeburt erleben. Im Gespräch ist es ohnehin schon. Allerdings negativ. Zwar wird die Tradition kaum noch gepflegt, aber wo sie aufrechterhalten wird, gibt es Ärger. Wie am Dollart. Dort sitzt der Wattenrat den Schützen im Nacken, weil er die Gänse in Gefahr sieht. Oder in Backemoor. Dort streicht die Dorfgemeinschaft die Segel vor einem klagenden Mitbewohner, dem es zu laut ist.

Polizei und Kreisverwaltung müssen sich bereits mit dem Thema beschäftigen. Aber juristisch ist es schwammig, weil weder das Waffen- noch das Sprengstoffgesetz Klarheit schaffen, so dass im Zweifel das Gefahrenabwehrgesetz zum Zuge kommt.

Eine Brauchtum-Expertin der Ostfriesischen Landschaft räumt dem Karbidschießen durchaus einen Brauchtumstatus ein. Los ging es im 19. Jahrhundert, als Karbid und metallene Milchkannen aufkamen. Karbid steht allgemein für Calciumcarbid und reagiert mit Wasser zu einem Gasgemisch. Es wird in einer geschlossenen Milchkanne an einem (gebohrten) Zündloch zur Explosion gebracht. Es entstehen starker Druck und ein ziemlicher Knall. Der Druck jagt den Deckel einer Milchkanne 50 bis 70 Meter durch die Luft. Karbidschießen ist sozusagen ein Donnerschlag aus der „Melkbumme“, wie die Kanne plattdeutsch heißt.

Karbidlampen machten Anfang des vorigen Jahrhunderts das Karbid populär – als Fahrradlampen, im Bergbau und – bis heute – in der Höhlenforschung. Im Dorf war es leicht zu bekommen, weil Schmiede oder Automechaniker es zum Schweißen oder Installateure zum Löten nutzten.  

Ungefährlich ist es nicht, und Jugendliche, die mit Karbid schossen, taten es nie mit dem Segen ihrer besorgten Mütter. Tatsächlich fehlte in der Nachkriegszeit in Ostfriesland am ersten Neujahrstag der eine oder andere Finger, wie die Zeitungen berichteten. Karbidschießen kann auch ins Auge gehen. Aufpassen muss man schon.

Leere Dörfer

Freitag, Dezember 27th, 2019

Viele unserer Dörfer verlieren, was sie ausmacht als lebenswerte Gegenstücke zur lärmigen Stadt. Der Zeit, als Handwerker und Bauern noch nennenswert Arbeit boten, trauern wir dabei nicht nach. Denn der Wandel brachte einen nie gekannten wirtschaftlichen Aufschwung. Bedauerlich hingegen: Dörfer verlieren ihre Würde und ihren Charme.

Sie degenerieren zu Schlaforten. Ihnen fehlen Alltags-Punkte, wo die Menschen kleine Dinge erledigen und sich treffen können.  Einer der Gründe ist die Trennung von Wohn- und Arbeitsort, die ersatzlos vollzogen wird.

Morgens auf der Jann-Berghaus-Brücke nach Leer, in Ansätzen auch auf der Straße von Stapelmoor nach Papenburg lässt es sich beobachten: Auto an Auto, als ob das Rheiderland ausblutet. Abends fließt das Blut zurück. Tagsüber pulsiert es in den Dörfern nur noch schwach in den Adern der alten Leute.

Die Folgen: Die letzten kleinen Läden stehen vor dem Aus, wie aktuell in Diele und Wymeer. Kaum noch eine Gastwirtschaft, hier und da noch eine Schule, die Sparkasse rückt ab. Der Dorffrisör lässt die Schere in der Schublade. Selbst die Kirche zahlt dem gesellschaftlichen Wandel ihren Tribut – sie bleibt im Dorf, aber längst nicht mehr jeder Pastor. Er muss sich um mehrere Gemeinden kümmern.

Freiwillige Feuerwehren klagen über Personalmangel, weil die meisten Menschen auswärts arbeiten. Der demografische Wandel tut das Übrige. Auch der Gemeinschaftsgeist schwindet. Darüber können Vereine ein Klagelied singen, die nur noch schwer Vorstands- und Übungsleiterposten besetzen können. Und wenn es nicht am Geist fehlt, dann ist es der Mangel an Zeit und Energie wegen eines stressigen Jobs, der ein Ehrenamt an den Rand drängt.

Trotzdem: Punktuell funktionieren Dorfgemeinschaften. Beim Maibaumaufstellen, bei Weihnachtsmärkten, bei Kulturevents oder – wenn auch nicht mehr so zahlreich wie früher – Vereinsfesten. Oder wenn wie jetzt in Wymeer der Dorfladen für immer schließt, sehen die beiden Ortsvorsteher von Wymeer und Boen, Gebhard Meyer und Georg Huisinga, nicht tatenlos zu, sondern organisieren einen alten Bulli, trommeln eine Fahrertruppe zusammen und bringen demnächst alte Leute zum Einkaufen nach Bunde oder sonst wo. Wahre Helden des Alltags. 

Aber keine grundsätzliche Lösung. Was sich im Rheiderland abspielt, deckt sich mit allen Gegenden Deutschlands. Erst wenn es die Dinge des täglichen Lebens im Dorf nicht mehr zu kaufen gibt, rührt sich Gegenwehr. In Wymeer und Boen ist es ein Fahrdienst, anderswo sind es mobile Läden, die aber auch nicht mehr als willkommener Behelf sind.

Es gibt Versuche, dass Bürger sich in Genossenschaften zusammenschließen, die einen Dorfladen betreiben. Kunden sind zum Teil Genossen und identifizieren sich mit dem Laden, der dann auch dörflicher Treffpunkt ist. Aber sie sind auf Hilfe der Gemeinden bei Pachten und auf ehrenamtliche Mitarbeit angewiesen. Daran scheitern viele.

Ein positives Beispiel, wenn auch eher ein Glücksfall: Der CAP-Markt in der Moormerland-Siedlung in Leer, Supermarkt mit Café, Treffpunkt der Siedlung. Die gemeinnützige Ostfriesische Beschäftigungs- und Wohnstätten GmbH aus Emden betreibt ihn, beschäftigt behinderte Mitarbeiter, erhält günstige Einkaufskonditionen bei Bünting und hat einen Verpächter mit Herz, so dass die Kosten klein bleiben.

VW und die Kranken

Sonntag, Dezember 15th, 2019

Rekordverdächtig viele Mitarbeiter des VW-Werks Emden sind krankgeschrieben. Schon seit Monaten, mal mehr, mal weniger. Jeder fünfte und mehr sollen es zeitweise (gewesen) sein. Von einer Grippewelle ist nichts bekannt. Nach aller Erfahrung bedeutet dies, dass hunderte Mitarbeiter einen Arzt gefunden haben, der ihnen den Gefallen mit einem Gelben Schein getan hat. Das aber nur am Rande bemerkt.

Hohe Krankenstände kosten Firmen viel Geld. Mitleid ist dennoch für VW nicht angesagt. Der Autoriese kann es verkraften, zumindest in normalen Zeiten. Heute jedoch schaut auch VW mehr aufs Geld wegen bereits geleisteter und eventuell noch ausstehender Milliardenzahlungen an betrogene Kunden.

VW hat offene Baustellen. Entsprechend mies ist die Stimmung im Emder Werk. Eine Folge ist der hohe „Krankenstand“. Ob die Belegschaft jedoch gut beraten ist, sich trotzig zu verhalten, ist fraglich. Eigentlich hat sie Grund zur zumindest stillen Freude. Denn nach einem Verkaufstief geht es seit kurzem aufwärts mit der Produktion. Volkswagen sind wieder gefragt.

Um das Jahresprogramm zu schaffen, fährt VW in Emden zurzeit sogar zusätzliche Schichten an Sonnabenden, sechs im November und Dezember. Die Wochenarbeitszeit wurde bis Jahresende von 35 auf 37 Stunden heraufgesetzt, selbstverständlich vergütet. Von ein paar Stunden Mehrarbeit über eine kurze Zeit jedenfalls wird keiner krank.

Aber der Ärger von Betroffenen lässt sich nachvollziehen. Zur Mehrarbeit passt nun mal schlecht, dass VW die Verträge von 500 befristet Beschäftigten nicht verlängert hat. Dafür müssen jetzt 120 Mitarbeiter von Skoda aus Bratislava (Slowakei) in Emden aushelfen. Es liegt nahe, dass VW die Arbeitsverträge nicht verlängert hat, weil man nicht weiß, ob die Leute demnächst bei der E-Auto-Produktion noch gebraucht werden.

Zur Wahrheit gehört aber auch, dass VW den befristet Beschäftigten neue Jobs in den Werken Baunatal und Stuttgart angeboten hat, zu besten Konditionen. Aber nur 185 bissen an. Von solch einem Privileg können entlassene Arbeitnehmer normalerweise nur träumen.

Die vielen Gelben Scheine und der damit verbundene Ärger bei VW allein ist schon schlimm genug, nimmt jedoch angesichts des bevorstehenden technischen Umbruchs im Werk eine ganz andere Dimension an. Ab dem neuen Jahr rüstet VW das Werk Emden um auf den Bau von E-Autos. Ein Totalumbruch, eine Revolution. Der Umstieg auf ein neues industrielles Zeitalter, geprägt durch Digitalisierung. Das bleibt nicht auf das Werk beschränkt, sondern geht ganz Ostfriesland an.

Die Belegschaft steht vor aufregenden Zeiten. Ihr Werk wird umgekrempelt. In der Autosprache gesagt: Sie muss umparken im Kopf – total umschulen, sich aus- und weiterbilden lassen. Management und Belegschaft sind hochgradig gefordert.

Der Wandel muss gelingen. Sonst ist Feierabend mit sicheren Jobs, vorbildlichen Sozialleistungen, sehr hohen Löhnen und üppigen Jahres-Boni. Doch es ist klar: Den Sprung schafft nur eine leistungsbereite Mannschaft, die mehr die Chance des unaufhaltsamen Wandels erkennt als vor Risiken und Hürden scheut. Trauen wir das der verwöhnten und missmutigen Belegschaft zu? Sie hat viel zu verlieren. Das könnte Motivation genug sein. Sonst gehen nicht nur im Werk die Lichter aus. Auch Ostfriesland stünde im Schatten. 

Keiner kommt daran vorbei

Sonntag, Dezember 8th, 2019

„An Jesus kommt keiner vorbei“, stand mal auf der Werbewand einer Sekte im Ruhrgebiet. Das wollte ein Fußballfan mit Witz so nicht gelten lassen. Er malte darunter „Außer Libuda“. In Fußballerkreisen bis heute eine beliebte Geschichte. Wer sich nicht so auskennt: Dem begnadeten Dribbler „Stan“ Libuda lagen einst die Fans in Dortmund und auf Schalke zu Füßen.

Um im Bild zu bleiben: An Weihnachten kommt garantiert keiner vorbei. Nicht mal Libuda.   Spätestens Mitte November wirft der Handel die Werbemaschine an. Es ist nur eine Frage der Zeit, wie lange der Totensonntag und der Volkstrauertag vom Weihnachtsrummel verschont bleiben. Dann ist der Weihnachtsmarkt entfesselt.

Bevor wir hier falsch verstanden werden: Gemeint sind nicht die vielen kleinen Weihnachtsmärkte, die von Vereinen, Gruppen oder Kirchen mit ehrenamtlichem Eifer und Idealismus ausgerichtet werden, meistens für gute Zwecke. Sei es in Weener, Bunde, Stapelmoor, Ditzum, Möhlenwarf, Jemgum oder der „Wiehnachtsmarkt achter d`Waag“ in Leer.

Gemeint ist der Jahrmarkts-Rummel hinter Tannenfassaden in den Zentren großer und mittlerer Städte. Ohne zu sehr in Kulturkritik zu verfallen, lässt sich eines feststellen: Dem Handel ist es gelungen, die Sehnsucht der Menschen nach Weihnachten voll für seine Zwecke zu nutzen und das Fest zu kommerzialisieren. Ja, Kaufrausch zu erzeugen.

Ganz schlaue Kaufleute gehen offen damit um. Bei Lebkuchen Schmidt aus Nürnberg, einem der besten und größten Lebkuchenbäcker Deutschlands, lesen wir: „Mit Weihnachten feiern wir die Geburt Jesu Christi und damit die Ankunft Gottes in der Welt. Die kurze Antwort auf die Frage, wem wir Weihnachten verdanken ist also: Jesus.“ Die frohe Botschaft als Appetitanreger fürs große Geschäft.  

Die Werbegemeinschaft Leer stimmt die Kunden irdischer auf die langen Einkaufsnächte im Advent ein. „Voll, voller, am vollsten“ lockt sie. Demnach ist der Mensch ein geselliges Wesen – und kauft gern dort ein, wo – Zitat – „mächtig viel los“ ist. Um es mit Werbegemeinschafts-Chef Johannes Poppen zu sagen: „Auf dem Weihnachtsmarkt herrscht immer großes Gedränge.“ Trotzdem: Nach seinen Worten „lässt es sich wunderbar auf dem Weihnachtsmarkt verweilen“. Wer sich überzeugen möchte: Heute Abend ist es wieder „voll, voller, am vollsten“.

Der Weihnachtsmarkt in der Innenstadt von Leer sorgt für (nötige) gute Umsätze. Aber er wirft auch Schatten. Gastwirte können ein Lied davon singen. Sie stellen an Adventswochenenden sogar Türsteher ein, die Betrunkene abweisen und Rücksäcke und Taschen nach mitgebrachtem Bier, Cola und Schnaps kontrollieren.

 „Das Benehmen lässt nach, die Aggressivität wächst“, sagt ein Wirt. Gäste versauen Toiletten, zerstören Sitzbänke, sind übergriffig zu weiblichen Servicekräften, zertrümmern oder stehlen Gläser. „Von 40 Kölsch-Stangen hatte ich bald nur noch drei“, erzählt ein Wirt. Ein Gast, der mitgebrachtes Bier trinkt, spuckt ihm ins Gesicht.

Eine Frau wirft dem Wirt eine Kippe vor die Füße und tritt sie aus: „Ist ja gefliest unten.“ Andere Gäste zerdeppern ein Glas und bleiben bewusst in den Scherben stehen, als die Bedienung dort fegen will. Ein anderer reißt in der Toilette Kabel aus der Wand, schließt sie kurz, im dunklen Lokal liegen auf den Tischen Bierdeckel voller Verzehrstriche. Frohe Weihnachten.

Kein Grund zur Panik

Montag, Dezember 2nd, 2019

Diese kleinen stäbchenförmigen Bakterien sind in aller Munde. Biologen sprechen von Listeria monocytogenes, wir Laien von Listerien.  Im Landkreis Leer sind sie seit kurzer Zeit Tagesgespräch, seit zwei Schlachtereien aus Veenhusen und Warsingsfehn Alarm schlugen, weil Fleischwaren von zu vielen Listerien befallen waren.

Der kleinere Betrieb machte die Schotten erst mal komplett dicht, der größere beließ es dabei, betroffene Ware zurückzurufen und zu vernichten, soweit möglich. Beide kamen ihrer gesetzlichen Pflicht nach. Sie informierten die zuständige Behörde, hier den Landkreis Leer, und die Öffentlichkeit über mögliche Gefahren.

Sie hatten den Listerien-Befall bei einer Eigenkontrolle festgestellt. Eigenkontrolle bedeutet nicht, dass eine Schlachterei ein Labor im Haus unterhält. In der Praxis muss sie regelmäßig Fleischproben an ein dafür zugelassenes Labor schicken. Ist ein Test positiv, teilt das Labor dem Unternehmen das Ergebnis mit. Das Unternehmen, nicht etwa das Labor, ist verpflichtet, die Behörde einzuschalten und den Rückruf- und Informations-Mechanismus in Gang zu setzen.

Beide Schlachtereien aus dem Moormerland haben sich deshalb ordnungsgemäß verhalten. Das gesetzliche Verfahren wirft trotzdem Fragen auf. Zwar liegt es im eigenen Interesse des Betriebs, einen Bakterienfall zu melden, weil vermutlich schon bei der nächsten behördlichen Kontrolle die Vertuschung aufgefallen und der Ansehensschaden noch größer wäre.

Andererseits ist für einen Unternehmer die Versuchung groß, einen Fall nicht zu melden – in der Hoffnung, dass der Missstand der Behörde durch die Lappen geht. Schwarze Schafe gibt es schließlich in jeder Branche. Solange aus wenigen schwarzen Schafen keine Herde wird, ist es auch nicht tragisch.

Listerien reimt sich auf Hysterien, aber für Hysterie und Panik gibt es keinen Grund. Listerien sind Teil des Alltags, treiben sich überall herum – im Erdboden, in Oberflächengewässern, ja in kleinen Pfützen, in Abwässern, auf Pflanzen, im Kompost, im Tierfutter und damit im Darm von Tieren. Logischerweise kommen sie deshalb häufig in rohen Lebensmitteln vor, die vom Tier stammen, können schon beim Melken oder Schlachten in die Lebensmittel gelangen. Mit Gemüse können sie beim Anbau oder bei der Ernte in Kontakt kommen. Übertragen werden sie nicht nur in Betrieben, auch in der Küche.

Aber trotzdem: Kein Grund zur Panik. Wer gerne ein Mettbrötchen, Tatar, Fleisch- oder Fisch-Carpaccio oder dieses modern gewordene japanische Sushi isst, kann es getrost im Betrieb seines Vertrauens oder zu Hause weiter genießen. Nur Schwangere, Kleinkinder und alte Menschen mit einer Immunschwäche sollten diese Speisen meiden. Denn mit Listeriose, wie die von Listerien ausgelöste Infektionskrankheit heißt, ist nicht zu spaßen. Sie kann tödlich enden, bei ungeborenen und neugeborenen Kindern schwere gesundheitliche Schäden anrichten.

In der Tiefkühltruhe überleben Listerien, aber bei Hitze über 75 Grad krepieren sie. Braten und Kochen sind deshalb ein wirksamer Schutz. Auch einige Hygieneregeln in der Küche zu beachten, ist kein Fehler.

Grundsätzlich gilt, was der Volksmund schon lange weiß: Das Leben ist eines der gefährlichsten, denn meistens endet es tödlich. Gleichzeitig ist es eines der demokratischsten – es erwischt jeden.