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Kein Grund zur Panik

Diese kleinen stäbchenförmigen Bakterien sind in aller Munde. Biologen sprechen von Listeria monocytogenes, wir Laien von Listerien.  Im Landkreis Leer sind sie seit kurzer Zeit Tagesgespräch, seit zwei Schlachtereien aus Veenhusen und Warsingsfehn Alarm schlugen, weil Fleischwaren von zu vielen Listerien befallen waren.

Der kleinere Betrieb machte die Schotten erst mal komplett dicht, der größere beließ es dabei, betroffene Ware zurückzurufen und zu vernichten, soweit möglich. Beide kamen ihrer gesetzlichen Pflicht nach. Sie informierten die zuständige Behörde, hier den Landkreis Leer, und die Öffentlichkeit über mögliche Gefahren.

Sie hatten den Listerien-Befall bei einer Eigenkontrolle festgestellt. Eigenkontrolle bedeutet nicht, dass eine Schlachterei ein Labor im Haus unterhält. In der Praxis muss sie regelmäßig Fleischproben an ein dafür zugelassenes Labor schicken. Ist ein Test positiv, teilt das Labor dem Unternehmen das Ergebnis mit. Das Unternehmen, nicht etwa das Labor, ist verpflichtet, die Behörde einzuschalten und den Rückruf- und Informations-Mechanismus in Gang zu setzen.

Beide Schlachtereien aus dem Moormerland haben sich deshalb ordnungsgemäß verhalten. Das gesetzliche Verfahren wirft trotzdem Fragen auf. Zwar liegt es im eigenen Interesse des Betriebs, einen Bakterienfall zu melden, weil vermutlich schon bei der nächsten behördlichen Kontrolle die Vertuschung aufgefallen und der Ansehensschaden noch größer wäre.

Andererseits ist für einen Unternehmer die Versuchung groß, einen Fall nicht zu melden – in der Hoffnung, dass der Missstand der Behörde durch die Lappen geht. Schwarze Schafe gibt es schließlich in jeder Branche. Solange aus wenigen schwarzen Schafen keine Herde wird, ist es auch nicht tragisch.

Listerien reimt sich auf Hysterien, aber für Hysterie und Panik gibt es keinen Grund. Listerien sind Teil des Alltags, treiben sich überall herum – im Erdboden, in Oberflächengewässern, ja in kleinen Pfützen, in Abwässern, auf Pflanzen, im Kompost, im Tierfutter und damit im Darm von Tieren. Logischerweise kommen sie deshalb häufig in rohen Lebensmitteln vor, die vom Tier stammen, können schon beim Melken oder Schlachten in die Lebensmittel gelangen. Mit Gemüse können sie beim Anbau oder bei der Ernte in Kontakt kommen. Übertragen werden sie nicht nur in Betrieben, auch in der Küche.

Aber trotzdem: Kein Grund zur Panik. Wer gerne ein Mettbrötchen, Tatar, Fleisch- oder Fisch-Carpaccio oder dieses modern gewordene japanische Sushi isst, kann es getrost im Betrieb seines Vertrauens oder zu Hause weiter genießen. Nur Schwangere, Kleinkinder und alte Menschen mit einer Immunschwäche sollten diese Speisen meiden. Denn mit Listeriose, wie die von Listerien ausgelöste Infektionskrankheit heißt, ist nicht zu spaßen. Sie kann tödlich enden, bei ungeborenen und neugeborenen Kindern schwere gesundheitliche Schäden anrichten.

In der Tiefkühltruhe überleben Listerien, aber bei Hitze über 75 Grad krepieren sie. Braten und Kochen sind deshalb ein wirksamer Schutz. Auch einige Hygieneregeln in der Küche zu beachten, ist kein Fehler.

Grundsätzlich gilt, was der Volksmund schon lange weiß: Das Leben ist eines der gefährlichsten, denn meistens endet es tödlich. Gleichzeitig ist es eines der demokratischsten – es erwischt jeden.

 

Der Beitrag wurde am Montag, den 2. Dezember 2019 um 11:14 Uhr veröffentlicht und wurde unter Allgemein, Politik, Wirtschaft abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen. Du kannst einen Kommentar schreiben, oder einen Trackback auf deiner Seite einrichten.

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