Türen zum Wasserstoff

Strom und Gas, Verkehr, Industrie und Gebäude energietechnisch zu verknüpfen ist ein Schlüssel zur Energiewende. Fachbegriff: Sektorenkopplung. Die Türen dahin öffnen sich nur langsam. Eine davon: Strom in Gas verwandeln („Power-to-Gas“) – erneuerbaren Strom im Gasnetz oder in Kavernen speichern für Zeiten, in denen zu wenig Strom aus Wind, Sonne oder Biomasse im Netz ist.

Dafür muss Wasserstoff (chemischen Zeichen H2) gewonnen werden. Technisch ist das kein Problem, aber bislang ist es unwirtschaftlich. In einem „Power-to-Gas“-Projekt namens „Element Eins“ beim Umspannwerk Diele soll jetzt mittels Elektrolyse die Wasserstoff-Technologie auf industrielle Tauglichkeit erforscht werden.

Von diesem großen Kuchen möchte sich der Landkreis Leer ein Stück sichern, denn er bringt – neben dem Projekt in Diele – gute Voraussetzungen dafür mit. Landrat Matthias Groote kündigte eine Wasserstoff-Strategie an.

Zurück zu „Element Eins“: Das chemische Verfahren der Elektrolyse ist alt, stammt aus 1800. Es zerlegt Wasser in Sauerstoff und Wasserstoff – das ist die Voraussetzung, Strom- und Gasnetze zu koppeln und damit erneuerbare Energien wirtschaftlich zu speichern. Nur so kommt die Energiewende voran.

In Diele soll der Sprung von der Forschung in die Praxis im Bereich Sektorenkopplung und Wasserstofftechnologie gelingen. Davon haben die Projektpartner Gasunie Deutschland, Thyssengas und Tennet eine genaue Vorstellung. Sie setzten sich damit im Ideenwettbewerb „Reallabore der Energiewende“ des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie durch – und Diele mit seinem Umspannwerk für Strom von hoher See, den benachbarten Gasnetzen und Kavernen ist der ideale Standort.

Die Unternehmen stellten bereits Investitionsanträge, um die 100 Megawatt starke Anlage zu finanzieren. Nötig sind mindestens 100 Millionen Euro. Es fehlt nur noch das Ja der Bundesnetzagentur.  

Umso unverständlicher ist, was sich die drei „Power-to-Gas“-Firmen in dieser Woche bei einer so genannten Informationsveranstaltung in der Schule Stapelmoor leisteten, einen Steinwurf entfernt vom geplanten Werk. 200 überwiegend Anlieger gingen enttäuscht nach Hause, weil die Firmen-Vertreter wenig Konkretes sagten. Schweigen schafft kein Vertrauen, sondern schürt Argwohn oder gar Angst.

Auch wenn die Bundesnetzagentur das Projekt noch nicht genehmigt hat, hätten sie Fragen zur Anlage, zu Chancen und Risiken beantworten können. Schließlich geht es nicht um ein Einfamilienhaus, sondern um ein Werk, für das die Fläche von einem Hektar benötigt wird, knapp anderthalb Fußballplätze groß.

Die amateurhafte Veranstaltung ist jedoch kein Grund, das Projekt zu verdammen. Landrat Groote verliert sein Ziel einer Wasserstoff-Strategie nicht aus dem Auge. Denn die Energiewende wird neben Elektro auf einem zweiten Bein stehen: Wasserstoff. Das Maritime Kompetenzzentrum (Mariko) in Leer beschäftigt sich schon länger mit diesem Element als umweltfreundlichem Antreiber für Schiffe.

Deutsche und niederländische Firmen und Hochschulen sitzen dort in einem Boot. So beim Projekt „H2Watt“, das Verfahren und Systeme untersucht, um Wasserstoff für die Schifffahrt zu produzieren, speichern, transportieren und nutzen. Ostfriesland als Drehscheibe für Windstrom und Gas bietet Chancen – letztlich für gute Jobs.


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