„Haarmonie“

Haarsträubend, was Corona alles so mit sich bringt. Aber darüber schweigen wir hier – und   beschränken uns schlicht auf den Kopfschmuck, ohne dass es gleich zu haarig wird – wohl wissend um die Gefahr, Erzählungen an den Haaren herbeizuziehen. Sozusagen haarscharf am Thema vorbei. Aber das unterliegt einzig dem Urteil der geneigten Leserschaft.

Von Corona sollte eigentlich keine Rede sein, aber man kommt irgendwie nicht drumherum. Da müsste man schon Locken auf der Glatze drehen können. Was wir sagen wollen: Unser Kopf braucht – und schon ist Corona im Spiel – dringend einen Haarschnitt. Wer hätte jemals gedacht, dass Haare sich zu einem Problem auswachsen könnten. Aber das Virus schlägt den Frisören die Schere aus der Hand. Und nagelt ihre Farbtöpfe zu – mit der Folge, dass manche Männer plötzlich feststellen, dass sie gar keine Blondine an ihrer Seite haben.

Denkt man drüber nach: Um Haare ging es schon immer, von klein auf. Im eigenen Kopfkino spielt dieser Film aus der Kindheit: Der Vierjährige geht an der Hand von Opa zum Frisör. Dieser platziert ihn auf ein Brett, das er über die Seitenlehnen des Stuhls legt. Der Patient braucht die richtige Schneidehöhe. Patient ist kein sprachlicher Fehlgriff, denn der Frisör reißt mit einem eher stumpfen handbetriebenen Schneidegerät, ratsch-ratsch, die Haare aus der Kopfhaut. Es tut höllisch weh. Nur die tapfersten Jungen unterdrücken die Tränen, bei den meisten ist Opas Taschentuch gefragt.

Jugendliche hatten von solchen Halbglatzen der Kinderzeit und den geschorenen Köpfen der Väter später in den 50er und 60er Jahren die Nasen voll. Elvis Presley, dann die Beatles dienten ihnen auch bei den Haaren als Vorbilder. Sehr zum Ärger der meisten Väter und Schuldirektoren. „Lange Haare – kurzer Sinn.“ Damals ein gängiger Spruch aus erwachsenem Mund.

Lang ist’s her – oder lieber „Lang ist`s hair“. Das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ schrieb neulich einen Artikel über Namen von Frisiersalons. Überschrift: „Verhairendes Haar-a-kiri.“ Tatsächlich – wer mal darauf achtet, dem fallen kreative, aber auch haarsträubende Namen von Frisiersalons ins Auge. Über die Internet-Plattform Openstreetmap stößt man in eine Wortspielhölle vor. In ihr tummeln sich auch knapp zehn Prozent der 81.000 deutschen Frisörbetriebe.

Spitzenreiter sind Haarmonie, Haargenau und Haarscharf. Das geht ja noch. An den Haaren herbeigezogen wirken dagegen Namen wie Haarzienda, Kammbäck, Hairtie, Kamm in oder Haartistik. Und wenn Frisörin Katharina ihren Laden Cut-Haar-Ina nennt oder eine andere in der Sahaara verdurstet, fällt einem auch nicht mehr viel ein. Über kurz oder lang gelangt man sogar zu einem Kaiserschnitt. Es ist eben Kopfsache, und die Vier Haareszeiten kommen und gehen so oder so.

Im Rheiderland und in Leer neigen Frisöre und Frisörinnen nicht zu Wortspielen. Ein kleiner Ausreißer ist hierzulande nur DiHaarmant in Bingum. Auffällig noch Capellissimi Hairstyle in Bunde. Muss italienisch sein, kein Wortspiel. Denn Haar heißt „Capello“. Unter diesem Namen ist uns bisher nur ein Fußballtrainer untergekommen.

Ab 4. Mai ist das Haarthema durch. Dann öffnen die Frisöre wieder ihre Salons. Unsere Köpfe laufen wieder zur Form auf. Und wir verdanken Corona die Erkenntnis: Frisöre sind systemrelevant. So’n bisschen jedenfalls.

One Response to “„Haarmonie“”

  1. Roland Bauer sagt:

    Na ja, ich freu mich schon auf den nächsten Beitrag
    LG