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Was Amazon kann…

Corona mit ihrem Covid-19-Virus ist eine üble Seuche, mehr als ein medizinisches Problem. Sie verändert unseren Alltag auf Dauer. Wer hätte gedacht, dass er im Laden eine Maske über Mund und Nase ziehen muss und die Kassiererin hinter Plexiglas sitzt? Wer konnte mit „Home Schooling“ etwas anfangen? Heute ist die Küche das Klassenzimmer der Kinder.

Das ist Behelf. Aber die Digitalisierung wird schneller fortschreiten als vermutet. So bleibt der Lernort Schule zwar Mittelpunkt, aber der Unterricht ist nicht daran gebunden. In ganz modernen Schulen arbeiten Lehrer und Schüler schon mit „Microsoft Classroom“, auch das Hasso-Plattner-Institut bietet gute Software. „Zoom“ und „Skype“ sind gängige Gebrauchsartikel – in vielen Schulen, und bei Eltern und Großeltern, die mit aushäusigen Kindern, Enkeln und anderen Verwandten nicht nur telefonieren, sondern sie auch in Echtzeit sehen wollen.

Manche Lehrerkollegien – aber auch Firmenbelegschaften – wundern sich, dass es die üblichen Konferenzen, zu der sich alle (ungern) versammeln, gar nicht geben muss. Mit Videokonferenzen geht es auch.

Selbst Home-Office gewinnt an Wertschätzung bei so manchem skeptischen Firmenchef oder Vorgesetzten. Sie haben die Mitarbeiter zwar nicht mehr im Auge, aber doch einen Überblick über deren Arbeit. Home-Office wird über Nacht normal. Man wundert sich.

Die Coronakrise legt Schwächen offen, andererseits bietet sie Chancen und Gelegenheiten, die bisher zu wenig genutzt wurden, jetzt in der Not aber angepackt werden müssen. Das gilt nicht für Schulen, für Verwaltungen, Betriebe oder Ärzte, die dringend einen digitalen Schub brauchen.

Die technische Infrastruktur dafür ist im Landkreis Leer weitgehend vorhanden, weil die Landräte Bramlage und Groote, der Kreistag und einige Gemeinden den Breitbandausbau für schnelles Internet frühzeitig in Gang gesetzt haben.

Diese Grundlage nutzt auch dem Handel. Jammern über die Online-Konkurrenz hilft ihm nicht weiter. Führende Kaufleute klagen gern, gegen Amazon sei kein Kraut gewachsen. Diese Logik erscheint nicht zwingend. Die Antwort kann nur heißen: Was Amazon kann, können wir auch. Der amerikanische Online-Riese besitzt keinen einzigen Laden, „nur“ Daten. Er verteilt Dinge, die andere herstellen und an den Mann bringen wollen.

Für dieses System hat Amazon kein Monopol. Es lässt sich auf kleinteilige Regionen übertragen. So gibt es in der Coronakrise plötzlich im Landkreis Leer eine Plattform, auf der sich auf Anhieb gut 140 Betriebe versammeln. Sie ist ausbaufähig. Aller Anfang ist aber auch hier schwer.

Es muss sich erst herumsprechen, dass sich mit Digitalisierung Geld verdienen lässt. Damit kann zum Beispiel ein Laden in Leer nicht rechnen, der das Telefon klingeln lässt, wenn ein Kunde etwas bestellen möchte. Besser macht es das Fischhaus Ditzum. Es ist digital auf der Höhe der Zeit, sogar mit einer eigenen App.

Die Krise deutet auf ein verändertes Einkaufsverhalten hin, und Amazon steigt verstärkt in den Lebensmittel-Online-Handel ein. Edeka, Rewe, Lidl und Aldi sind dafür nicht gerüstet, sagen Fachleute. Wie auch immer: Viele Kunden wollen online einkaufen – und fragen verstärkt nach regionalen Produkten. Darin liegt die Chance des Einzelhandels. Was Amazon kann, kann er auch.  

 

Der Beitrag wurde am Sonntag, den 26. April 2020 um 11:16 Uhr veröffentlicht und wurde unter Allgemein, Politik, Wirtschaft abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen. Kommentare und Pings sind derzeit nicht erlaubt.

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