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Von Menschen und Masken

Auch wer es nicht gern zugibt: Es ist interessant, Mitmenschen zu beobachten – wie sie mit Corona-Masken einkaufen, ob sie Abstand halten oder versuchen, ihr Auto rückwärts einzuparken. Muss wohl in den Genen liegen. 

In ungewöhnlichen Zeiten verhalten sich Menschen logischerweise eher ungewöhnlich. Was bleibt auch übrig, wenn sie es mit einem neuen Virus zu tun haben, das im Gegensatz zu  bekannten Grippe-Viren die blöde Eigenschaft hat, nicht nur die Lunge im schlimmsten Fall zu zerstören, sondern auch über andere lebenswichtige Organe wie Herz, Niere oder Leber herzufallen. Trotzdem und entgegen dem Urteil praktisch aller Virologen spielt der eine oder die andere das Covid-19-Virus als normalen Grippe-Überträger herunter. Das zeigt höchstens, dass dieses Virus indirekt auch ganz oben liegende Körperteile beeinflusst.

Journalisten fällt es von Berufs wegen eher schwer, Regierungen und Verwaltungen zu loben. Das muss auch so bleiben. Unabhängig davon: Bislang steuern die verantwortlichen Männer und Frauen das Land ordentlich durch die Corona-Krise, die ja wirklich für alle Neuland ist. Von denen, die bewusst Schlimmeres erlebt haben wie den Zweiten Weltkrieg, leben nur noch wenige oder waren damals Kinder.

Noch ein Wort zu unseren Politikern: Mit einer strengen Corona-Linie lassen sich nur schwer Lorbeeren verdienen, vielleicht später einmal in Geschichtsbüchern. Zurzeit erleben wir, dass alle Lobbygruppen zum Sturm auf die Regierungen blasen und Lockerungen verlangen. Das ist zwar verständlich, denn es geht um Lohn und Brot. Zum Glück entscheiden sie nicht.

In Ostfriesland dreht sich vieles um den Tourismus, der am Boden liegt.  Ihm wieder auf die Beine zu helfen, ist ungleich schwieriger als Fabriken und Läden am Laufen zu halten. In Betrieben helfen Abstände und Markierungen, bei durcheinander quirlenden Touristenströmen ist das ungleich schwieriger. Merkel, Scholz, Spahn, Weil & Co. ist weiterhin ein kühler Kopf und eine stabile Seelenlage zu wünschen.

Fürs Gemüt tun auch eigentlich unwichtige Dinge gut. Wie der „Ossiloop“, ein traditioneller Laufwettbewerb zwischen Leer und Bensersiel. Gut 2.000 und mehr Läufer rennen im April/ Mai normalerweise dienstags und freitags in sechs Etappen von Leer bis an die Nordsee. Corona macht es diesmal unmöglich. Doch Organisator Edzard Wirtjes aus Leer hatte eine Idee. Er ließ eine App entwickeln, die Laufstrecken und Zeiten der Teilnehmer aufzeichnen. Jeder läuft jetzt für sich allein, wie letzten Dienstag und gestern und in den noch ausstehenden Wochen. Egal, wo er ist, in Orten in aller Welt. 3.500 Leute machen mit. Rekord.

Krisen verstärken das Gemeinschaftsgefühl. Viele merken (wieder), dass sie auf den Nachbarn, den Arbeitskollegen und andere möglicherweise angewiesen sind. Krisen verstärken die positiven und negativen Seiten des Menschen, sagen Psychologen, und die Realität beweist es.

Ein krasses Beispiel: Der Verein „Organtransplantierte Ostfriesland“ näht fleißig Schutzmasken für Risikogruppen und Pflegepersonal. Bisher bereits 4.500 Stück. Spurlos verschwunden sind jetzt 56 Meter hochwertiger Stoff und anderes Material, beklagt die Vorsitzende. Wie sagte ein offensichtlich psychologisch kundiger Berliner Taxifahrer „uff balinerisch“: „Die Juten werden bessa, die Schlechten schlechta.“

 

Der Beitrag wurde am Sonntag, den 3. Mai 2020 um 11:01 Uhr veröffentlicht und wurde unter Allgemein, Buntes Leben, Politik, Wirtschaft abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen. Kommentare und Pings sind derzeit nicht erlaubt.

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