Damit es glimpflich bleibt

Bislang ist Ostfriesland vergleichsweise glimpflich durch die Corona-Krise gekommen. Das ist aber kein Grund, diesen erfreulichen Zustand aufs Spiel zu setzen. Zum Beispiel den Schlaumeiern auf die Leimrute zu gehen, die Virologie mit dem Einmaleins verwechseln.

Sie rechnen mit Blick auf die Corona-Statistik vor, dass die Gefahr, sich anzustecken, hierzulande lächerlich gering sei. Schutzmasken könne man deshalb in den Müll werfen und Abstandsregeln seien Freiheitsberaubung. Damit verkennen sie Ursache und Wirkung.

Ostfriesland kommt bisher einigermaßen über die Runden, weil die meisten Leute sich an die Regeln halten. Und weil zum Beispiel der Großbetrieb VW über Wochen geschlossen blieb (wegen Material-Lieferengpässen und Absatzflaute). Und weil frühzeitig der Großbetrieb Meyer-Werft entschlossen und präzise die Arbeitsabläufe den Corona- Erfordernissen anpasste. Und weil Handel und andere Dienstleister nach den Lockerungen deutlich die Wege und Abstände in den Läden markieren.   

Noch etwas spielt eine Rolle: Ostfriesland ist dünn besiedelt, es gibt keine Großstädte mit U- und Straßenbahnen und großen Bahnhöfen. Außerdem reisen nur wenige Ostfriesen zum Skifahren in die Alpen, so dass sie von dort keine Covid19-Viren einschleppen konnten. Die hier registrierten Fälle hatten fast alle dort ihre Ursprünge.

Corona ist nicht die erste weltweite Seuche (Pandemie), die Ostfriesland zu schaffen macht. Bekannt ist die „Spanische Grippe“, an der allein 1918 in Deutschland fast ein Viertel der Menschen erkrankt waren und 350.000 starben. Die Seuche wurde damals von der Heeresleitung und zivilen Behörden verschleiert – um die Kampfmoral von tausenden infizierten Soldaten nicht zu schwächen. Außerdem war das Gesundheitssystem mit der Seuche überfordert. Es gab keine Intensivbetten oder Notlazarette, kaum Krankenwagen und keine Atemschutzmasken. Die Seuche grassierte ungebremst. Es gibt nur wenig Literatur über die „Spanische Grippe“ in Ostfriesland.

Unsere Vorfahren im 16. Jahrhundert hatten die Pest am Hals. So schreibt Martin Tielke von der Ostfriesischen Landschaft über den damaligen Arzt Jacobus Cornicius:

„Als große und übervölkerte Hafenstadt war Emden für die Pest in besonderer Weise anfällig. Und diese erwies sich hier in der Tat als der apokalyptische Reiter, als den Dürer sie darstellt: Die Pest hat die ostfriesische Stadt in der Mitte des 16. Jahrhunderts in mehreren großen Wellen heimgesucht und forderte … zahlreiche Opfer; eine anonyme Quelle nennt beispielsweise für die Epidemie des Jahres 1575 … die Zahl von 6000 Toten. So ist es kein Wunder, daß der von der Stadt bestellte Arzt sich Gedanken über Verhütung und Bekämpfung dieser Seuche macht. Neigten die Pastoren dazu, sie als „Heimsuchung“ und „Strafe Gottes“ anzusehen, so war Cornicius Humanist und Naturwissenschaftler genug, um derartige Bangemachereien beiseite zu lassen und nüchtern die gegebenen Möglichkeiten abzuwägen…. Selbstverständlich konnte Cornicius nicht die wahre Ursache der Seuche kennen…Aber er weist auf die Bedeutung der Hygiene hin.“

Was lehrt uns das? Besonders in Seuchenzeiten ist Hygiene das Gebot der Stunde. Übersetzt in Corona-Deutsch: Hände waschen und desinfizieren, Schutzmaske anlegen und Abstand halten. 

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