Das Virus und der Hund

Kaum jemand hätte es für möglich gehalten, dass ein Virus aus China den Alltag auch bis in den letzten Winkel Ostfrieslands verändert. Es beherrscht fast jede Unterhaltung. Das wäre zu verkraften – aber es wirbelt die Wirtschaft durcheinander, vernichtet zumindest zeitweilig Arbeitsplätze, gefährdet die Existenz kleiner Unternehmer wie Gastwirte und drängt eine Weltfirma wie die Meyer-Werft in Seenot.

Das Virus beschleunigt Vorgänge im Alltag, die sonst eher gemütlich über die Bühne gegangen wären. So rächt es sich schon seit Beginn des Corona-Ausbruchs, dass Schulen nur sehr zaghaft auf die Möglichkeiten der Digitalisierung vorbereitet worden sind. Schüler sind längst soweit, aber Kultusminister und der Großteil der Lehrerschaft hinken hinterher.

Um ein Beispiel aus der Schweiz zu nennen, wie es laufen kann: Dort lernen Schüler auch bei Seuchenalarm. Sie sitzen zu den gewohnten Schulzeiten mit dem Tablet zu Hause am Küchentisch und machen mit beim Unterricht. Nach einer Stunde ruft die Lehrerin zur Pause, und anschließend geht es weiter. Hierzulande sind den Kindern in vielen Fällen kopierte Lernzettel ins Haus geschickt worden, die sie dann wieder zurückschicken oder -bringen mussten. Steinzeit.

Noch ein Beispiel: Home-Office. Bis vor kurzem ein Fremdwort, heute gängige Praxis. Kaum ein Betrieb, in dem nicht Teile der Mitarbeiter zu Hause arbeiten, so lange Corona es erfordert. Alles, was normalerweise im Büro erledigt wird, lässt sich auch von zu Hause regeln. Jetzt Home-Office unbefangen zu praktizieren ist in Ordnung. Aber es wirft Fragen des Arbeitsrechts und des Datenschutzes auf, die noch zu regeln sind.

Geschäftliche Videokonferenzen statt aufwändiger und zeitraubender Treffen mit Anwesenheit kommen wegen Corona schwer in Mode. Und in Familien entpuppen sich Digitalmuffel plötzlich zu Fans moderner Technik. „Skype“ oder noch besser „Zoom“ werden Allgemeingut. Oma und Opa treffen sich mit den Enkeln am Bildschirm, auch Freundeskreise oder Stammtische verabreden sich zum Plaudern per „Zoom“. Das ist zwar nur Behelf, aber besser als nichts, wenn man sich sonst nicht sehen kann.

Corona bringt noch mehr Erfreuliches. So regt eine Leserbrief-Schreiberin aus Moormerland an, dass Kinder wieder mehr mit dem Fahrrad zur Schule fahren sollten – statt sich und andere in überfüllten Bussen anzustecken.

Nicht mit Corona zu tun hat eine Geschichte aus Norddeich, wo die Hundepromenade verlegt werden soll – mit der Folge, dass Hunde dort nicht mehr in der Nordsee baden können. Das führt zu Protesten und Demonstrationen ihrer Halter. Und verleitete die Süddeutsche Zeitung zu einem „Streiflicht“, eher nicht gedacht für eingefleischte Hundefans:

„Die Kurdirektorin will den Strand in den Masterplan Wasserkante einbinden und unter anderem eine künstliche Lagune anlegen, wo dann sterbensbleiche Holländer Südsee spielen, während die Hunde in die Röhre schnüffeln. Deren Strandleben soll auf einer eingezäunten Wiese stattfinden, ohne Zugang zum Meer, ohne Möglichkeit, Bälle aus dem Wasser zu apportieren, vor schlafenden Badegästen das nasse Fell auszuschütteln oder einen Flirt mit dem Seehund zu beginnen.“ Stammgäste mit Hund in Norddeich haben eben so ihre Probleme. Wenn es die einzigen wären: Corona könnte bleiben.     

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