Archive for Oktober, 2020

Maske und App

Samstag, Oktober 31st, 2020

Es ist wie es ist. Die Erde dreht sich weiter und kümmert sich nicht um Corona und Covid19. Aber das ist kein Grund, dem Geschehen tatenlos zuzuschauen. Zum Glück haben wir Regierungen in Deutschland, die sich auch unpopuläre Entscheidungen zutrauen, und Ämter, die ihre Arbeit machen. Beides ist nötig, um einen Kontrollverlust zu vermeiden.

Davon sind einige Gegenden nicht mehr weit entfernt. Das ist kein Zufall. Wer Bekannte in Großstädten hat, kennt aus ihren Schilderungen schon lange die drohende Gefahr: Viele Menschen scheren sich einen Deut um Maske und Abstand. Aber auf den Fähren zu den Inseln war es im Sommer hier nicht besser.

Und Niederländer haben sich schlapp gelacht über deutsche Corona-Regeln. Maske? Freiheitsberaubung. Nicht wenige Ostfriesen sind bewusst nach drüben zum Einkaufen gefahren, weil sie dort keine Maske tragen mussten. Das Virus dürfte sich über den möglichen Export nach Ostfriesland gefreut haben. Jetzt haben die Niederländer den Salat und die Kontrolle über das Virus verloren. Ämter sind teilweise überfordert, Kontakte der Infizierten zu verfolgen. Ein Blick nicht nur ins niederländische Ausland kann als Abschreckung und Warnung dienen.

Eigenverantwortung ist der Schlüssel zum Erfolg. „Maske, Maske, Maske“, sagt der Ärztliche Direktor des Klinikums Leer, Dr. Hans-Jürgen Wietoska. Der in Midlum aufgewachsene Mediziner freut sich im Moment noch über leere Intensiv-Betten. Er weiß, dass dies nicht selbstverständlich ist. Die Bürger haben es weitgehend selbst in der Hand, dass es so bleibt.

Noch hat das Kreisgesundheitsamt die Lage im Griff. Seine 60 Mitarbeiter verfolgen von morgens bis abends die Kontakte infizierter Menschen. 20 Freiwillige aus der Kreisverwaltung unterstützen sie. Fünf Bundeswehr-Soldaten sind jetzt eingearbeitet worden, nächste Woche folgen fünf weitere. 45 Minuten dauert im Schnitt das Telefongespräch mit dem Erstkontakt, weitere Zeit geht drauf für Information und Suche weiterer Kontakte. Zweimal täglich ruft das Gesundheitsamt bei Menschen in Quarantäne an, wie es ihnen geht.

Die Corona-Warn-App der Bundesregierung hilft ihnen zurzeit wenig – obwohl sie technisch funktioniert. Jeder vierte Bundesbürger hat die App auf sein Smartphone geladen, aber nur 60 Prozent der positiv Getesteten teilen dies anderen Nutzern der App mit. Das heißt: Kontaktpersonen gehen nicht in Quarantäne, wenn sie nichts erfahren. Das Virus breitet sich weiter aus. Datenschützer verhindern, dass die Gesundheitsämter die Daten automatisch weiterleiten. Es geschieht nur freiwillig.

Die Corona-Warn-App ist gut, aber darf ihre Möglichkeiten nicht ausspielen. Und so funktioniert sie: Sie misst mit Bluetooth-Technik den Abstand und die Begegnungsdauer zwischen Personen mit der App. Das Smartphone merkt sich alle Begegnungen – und wenn die vom Robert-Koch-Institut festgelegten Kriterien zu Abstand und Zeit erfüllt sind, tauschen die Geräte Zufallscodes aus.

Jetzt kommt’s: Werden Personen mit der Warn-App positiv getestet, können sie andere Nutzer darüber informieren. Denn alle Warn-Apps speichern die Zufallscodes des Infizierten. Die jeweilige App prüft dann, ob ihr Nutzer die positiv auf Corona getestete Person getroffen hat – und warnt den Nutzer. Technisch ist sie kompliziert, für Nutzer aber einfach. Und sie hilft.

Sie rostet und rostet

Sonntag, Oktober 25th, 2020

Wer wagt die Wette, dass die Friesenbrücke über die Ems bei Weener wie geplant 2024 fertig wird? 2015 rammte ein Frachter das bewegliche Klappteil und zerstörte die Brücke.  Seitdem rostet sie vor sich hin. 2024 soll sie wieder befahrbar sein. Wer’s glaubt, wird selig. Aber so ist der Plan der Deutschen Bahn Netz AG. Der Staatsfirma gehört die nördlichste Eisenbahnbrücke zu den Niederlanden.  

Aber sie kommt mit dem Wiederaufbau nicht in die Hufe, was sie jedoch nicht alleine zu verantworten hat. Denn ein originalgetreuer Wiederaufbau kommt nicht in Frage. Die Öffnung für Schiffe soll breiter, damit Kreuzfahrtschiffe der Meyer-Werft reibungslos passieren können. Und das Klappteil soll durch ein Drehteil ersetzt werden. Dafür muss neu geplant werden. Das wird teurer. Statt ursprünglich 30 rechnet die Bahn bisher offiziell mit 66 Millionen Euro.

Jetzt macht der Bundesrechnungshof eine andere Rechnung auf. Er hat die Aufgabe, dem Bund bei seinen Ausgaben auf die Finger zu schauen. Das tat er auch bei den Kostenschätzungen des Verkehrsministeriums, die aus dem Hause Deutsche Bahn stammen. Doch plötzlich ist nicht mehr von 66, sondern von 96 Millionen Euro an Baukosten die Rede. Und fertig soll die Brücke erst 2030 sein.

Nebenbei wirft der Rechnungshof dem Verkehrsministerium vor, sich nicht genug um Planung und Finanzierung zu kümmern. Außerdem: Zur Finanzierung beitragen soll eine 15-prozentige Einsparung bei anderen Bahn-Projekten. Der Rechnungshof erwähnt auch, dass Niedersachsen nicht mehr wie zugesagt fünf Millionen, sondern 800.000 Euro weniger zahlen wolle.

Was nun? Bundes-Verkehrsministerium und Landes-Wirtschaftsministerium, geführt von den Ministern Scheuer, CSU, und Althusmann, CDU, verhalten sich, als gehe der Rechnungshof sie nichts an. Sie sagen, es bleibe bei der geplanten Finanzierung und der Fertigstellung 2024.

Der Bundesrechnungshof kritisiert ein Missverhältnis von Nutzen und Kosten. Zuviel Geld für zu wenig Ertrag. Die Ministerien argumentieren, die Brücke sei ein wichtiger Teil guter Infrastruktur. Mit weniger Schließzeiten für Schiffe und der geplanten „Wunderlinie“ zu den Niederlanden, die mehr Züge auf die Gleise bringen soll.

Tatsache ist: Der Bundesrechnungshof steht nicht im Ruf, wirtschafts- und regionalpolitisch zu denken. Dort arbeiten eher Erbsenzähler, die vorrangig Zahlen addieren und eine Investition nicht unbedingt als Wechsel für eine ertragreichere Zukunft begreifen.  

Tatsache ist auch: Die Deutsche Bahn hat kaum Interesse an der Brücke, weil sie damit nichts verdient. Die paar Züge ihrer Tochterfirma Arriva zwischen Leer und Groningen sind ihr nur eine Last. Die Bahn hat deshalb alle denkbaren Risiken in Kosten umgerechnet. Unterm Strich 96 Millionen Euro. Geeignet als Abschreckung. Schon vor Jahren wollte sie die Strecke stilllegen. Dem steht ein Staatsvertrag zwischen Deutschland und den Niederlanden im Wege.

Ein Wort zur Meyer-Werft: Sie hat andere Sorgen und zurzeit wenig Anlass, wegen der Brücke Druck auf die Politik zu machen.

Ostfriesland tut gut daran, sich von Bahn, Bund und Land den zügigen Brückenbau garantieren zu lassen. Denn Geld wird bald knapp, wenn Corona die Staats-Haushalte extrem belastet. Es gehört nur wenig Phantasie dazu, sich das Schicksal der aus Berliner Sicht unbedeutenden Brücke im fernen Rheiderland auszumalen. Wer wagt eine Wette?   

Atom: Eemshaven liegt nahe

Sonntag, Oktober 18th, 2020

Stellen die Niederlande den Ostfriesen ein Atomkraftwerk (AKW) vor die Haustür? Zumindest schmiedet ihre Regierung erste Pläne für ein AKW in Eemshaven an der Außenems. Dazu gehört die Studie einer Beratungsfirma, die Atomtechnik befürwortet. Der Wirtschaftsminister fährt darauf ab.

In Ostfriesland rührt sich schon Protest – auf Borkum, in Emden und der Krummhörn sowie im Kreishaus Aurich. Umweltminister Olaf Lies, Landtags-Fraktionsvorsitzende Hanne Modder aus Bunde, beide SPD, und Landtags-Vizepräsidentin Meta Janssen-Kucz, Borkum, von den Grünen wehren sich gegen AKW-Pläne. Jusos demonstrieren bereits dagegen.

Wie sind die AKW-Absichten der Niederländer einzuschätzen? Panik ist nicht geboten, aber Obacht. Zunächst will das Parlament in Den Haag gemäß einem Antrag des Wirtschaftsministers von der VVD klären lassen, unter welchen Bedingungen Unternehmen bereit wären, in neue AKW zu investieren. Auch die Frage staatlicher Subventionen soll beantwortet werden.

Die VVD, vergleichbar der deutschen FDP, stellt als stärkste Fraktion mit Mark Rutte den Regierungs-Chef und mit Eric Wiebes den Minister für Wirtschaft und Klima. Beteiligt an der Regierung sind noch die christdemokratische CDA, die linksliberale D66 und die calvinistische ChristenUnie. Sie hat rechnerisch keine Mehrheit, braucht immer mindestens eine Stimme der Opposition. Im Parlament vertreten sind 13 Fraktionen und zwei unabhängige Abgeordnete.

Warum will die Regierung die Atomkraft in den Niederlanden neu beleben? Zurzeit läuft drüben noch ein AKW in Borssele (Provinz Zeeland). Es soll 2034 abgeschaltet werden, ist aber nach Ansicht der Betreiber gerüstet für eine Verlängerung. Die Regierung fürchtet, ohne Atomstrom ihre Klimaziele nicht zu erreichen.

Die VVD hält Atomstrom sogar für „unverzichtbar“ im Kampf gegen den Klimawandel. AKW-Befürworter in aller Welt weisen darauf hin, dass ein Atommeiler kein Treibhausgas (CO2) ausstößt. Das führt auch die Studie an und betont, dass die Laufzeitverlängerung bestehender AKW die wirtschaftlichste Art der Stromerzeugung sei. Logisch, denn mit abgeschriebenen Anlagen ist immer am meisten Geld zu verdienen.

Ins Auge fassen die Niederlande mehrere neue AKW aus kleinen modularen Reaktoren, was auch die Finanzierung erleichtern soll. Bisher wurden diese kleinen Reaktoren nur für Forschungszwecke gebaut.

Unterm Strich: Die Studie sagt, dass Atomstrom nicht teurer sei als Strom aus Wind und Sonne, wenn sie auf gleiche Weise abgerechnet würde.

AKW-Gegner widersprechen. Abgesehen von geologisch ungeklärter, superteurer Endlagerung und bekannten Risiken der Atomkraft ist diese nicht CO2-neutral. So weist das deutsche Umweltbundesamt darauf hin, dass der CO2-Ausstoß der Atomstrom-Produktion vor- und nachgelagert ist – beim Uranabbau, der Brennelemente-Herstellung, dem Kraftwerksbau und -rückbau bis zur Endlagerung.

Ein AKW-Bau in Eemshaven ist noch vage, zumal die Regierung in Den Haag keine eigene  Mehrheit hat. Zur Opposition zählen die Rechtspopulisten von Geert Wilders, Sozialdemokraten (PvdA) und Grüne (GroenLinks).

Aber keiner sollte sich etwas vormachen: Die Atomdebatte wird auch in Deutschland aufflammen. Denn hier hinkt die Regierung den selbst erklärten Klimazielen ebenfalls hinterher – und Strom ist (zu) teuer.   

Corona und das Schachbrett

Sonntag, Oktober 11th, 2020

Was hat das Corona-Virus mit Schachbrett und Reiskörnern zu tun? Natürlich nichts. Andererseits eine ganze Menge, wenn man verstehen will, warum Virologen und Politiker seit Tagen Alarm schlagen wegen der schnell steigenden Zahl von Corona-Ansteckungen.

Sie beschränken sich nicht auf Berlin-Mitte oder Kreuzberg. Dann könnten wir es abtun als Problem eines durchgeknallten Völkchens außerhalb der normalen Betrachtungsweise. Nein, Ostfriesland ist umzingelt von Corona-Hochburgen, so im Emsland, im Landkreis Cloppenburg und in der niederländischen Provinz Groningen.

Aber das Virus ist auch mitten unter uns. Am vorigen Freitag meldete das Gesundheitsamt des Landkreises Leer zehn neue Infektionen für einen Tag. Aktuell waren zu dem Zeitpunkt im Landkreis Leer 40 Menschen infiziert und 460 durften vorsichtshalber die Wohnung nicht verlassen. An der Grundschule Jemgum gibt es einen bestätigten Corona-Fall, der 37 Menschen in Quarantäne zwingt. Auch die Kicker und Trainer der Bezirksligamannschaft des TV Bunde müssen zu Hause die Füße ruhig halten.

Um das Geschehen besser begreifen zu können, helfen Schachbrett und Reiskörner – und was die gelernte Physikerin Angela Merkel meint, wenn sie die Zahl der möglichen täglichen Virus-Infektionen bis Weihnachten auf mehr als 19.000 hochrechnet. Sie sagt, dass dies etwas mit Exponentialrechnung zu tun hat.

Selbst wer es in der Schule gelernt hat, vergisst es schnell wieder. Dabei ist die Exponentialrechnung ein Teil des Alltags. Doch dummerweise ist das Gehirn des Menschen darauf ausgerichtet, linear zu denken. Wissenschaftler haben, kurz gesagt, herausgefunden, dass exponentielles Wachstum die Vorstellungskraft übersteigt. Das mache es für viele so schwer, die Gefahr des Virus richtig einzuschätzen.   

Schachbrett und Reiskörner können Zweifel am exponentiellen Wachstum verscheuchen. Dabei hilft eine uralte Legende, die verschieden erzählt wird, aber im Kern gleich ist: Ein König will dem Erfinder des Schachspiels ein Geschenk machen. Dieser sagt, lege auf das erste Feld des Schachbretts ein Korn, auf das zweite das Doppelte, auf das dritte wieder die doppelte Menge, und so weiter, bis Feld 64. Der König, weil er keine Ahnung von der Exponentialfunktion hat, lobt die Bescheidenheit des Mannes. Das Ende vom Lied: Auf Platz 64 kommt man auf mehr als die ganze Welternte.

Rechnen wir nur für die ersten zehn Felder die Körner zusammen, ergibt sich diese Reihe: 1, 2, 4, 8, 16, 32, 64, 128, 256, 512. Es fällt auf, dass die Zahl immer schneller zunimmt. Insgesamt zählen wir schon 1.024 Körner. Man mag es kaum glauben, aber allein auf Feld 64 liegen weit mehr als 9 Trillionen Körner, auf allen Feldern zusammen mehr als 18 Trillionen.

Das Muster trifft auch für das exponentielle Wachstum des Corona-Virus zu. So gesehen können zehn Neuinfektionen im Landkreis Leer schon Sorgen bereiten. Das Virus breitet sich rasant aus. Die Exponentialkurve lässt sich nur abflachen durch die bekannten Einschränkungen. Nur so kommt unser Gesundheitssystem damit zu Rande. Am besten verstehen lässt es sich durch das Schachbrett-Reiskorn-Beispiel.

Kleiner Trost zum Schluss: Sollte das Virus eines Tages eingedämmt sein und es – ganz anderes Thema – fürs Sparbuch wieder Zinsen geben, können sich Sparer über die Exponentialrechnung freuen. Denn auch der Zinseszins wird mit dieser Formel berechnet.

Kochende Gemüter

Montag, Oktober 5th, 2020

Über Für und Wider eines Ersatz-Gallimarkts in Leer lässt sich streiten. Das hat der Verwaltungsausschuss gemacht und mit Mehrheit nein gesagt. Was steckt dahinter?

Für beide Seiten gibt es Argumente. Sie wiegen schwer. Es ist ein Knäuel, das nur mühsam zu entwirren ist. Erschwerend: Es ist viel Emotion im Spiel. Gemüter kochen. Einerseits Angst und Sorge wegen Ansteckung mit dem Corona-Virus und der nötige Schutz davor, andererseits viele Schausteller, die um ihre Existenz fürchten. Hinzu kommt der Verdruss von Menschen, die rings um den Rummelplatz wohnen. Sie haben keine Lust auf vier lärmige Wochen und lästige Parkplatzsuche, auf Unannehmlichkeiten, die den Alltagstrott aus dem Tritt bringen.

Das alles müssen Rat und Verwaltung berücksichtigen – natürlich im Rahmen staatlicher Corona-Verordnungen, die sich dynamisch entsprechend dem Infektionsgeschehen verändern.

Ein Patentrezept, die Kuh vom Eis zu bringen, gibt es nicht. Sicher ist nur: Gerade emotionsgeladene Probleme in der Politik verlangen kühlen Verstand. Erst dann können Politiker und Beamte gegenteilige Interessen nüchtern abwägen und die Corona-Verordnungen auf Möglichkeiten abklopfen – ehe sie schließlich entscheiden. Das kann nicht jedem Bürger schmecken, er sollte es jedoch zumindest nachvollziehen können.

Vom Rathaus in Leer ist eine nachvollziehbare nüchterne Entscheidung in schwierigen Fällen kaum noch zu erwarten. Das Seil zwischen größeren Teilen des Rates und Bürgermeisterin Beatrix Kuhl, CDU, ist seit langem zerschnitten. Von Vertrauen keine Spur. Wenn Verhältnisse brechen, ist nie nur eine Seite verantwortlich, deshalb ist die Suche nach Schuldigen müßig.

Wie in anderen Fällen fehlt auch beim Freizeitpark eine allseits geachtete Führungsperson, die Konflikte moderiert und Interessen ausgleicht. Das wäre Sache der Bürgermeisterin, die dazu jedoch nicht in der Lage ist.

Keine rühmliche Rolle spielt in diesem Fall auch die Gruppe SPD/Linke, die vor einigen Wochen einem Freizeitpark mehrheitlich zustimmte, jetzt aber auf ein Nein umschwenkte. Ohne dass sich das Infektionsgeschehen in Leer großartig verändert hat. Im Gegensatz zum Bundesdurchschnitt.

In Papenburg funktioniert ein Ersatzmärkte bis jetzt. Der Publikumszuspruch hält sich in Grenzen, doch das ist nicht Sache der Politik. Jetzt meldet sich Emden, den Gallipark zu übernehmen. Damit wäre zumindest den Schaustellern gedient.

Ob das Konzept der Schausteller für Leer, das die Stadtverwaltung zugrunde legt, vom Kreisgesundheitsamt akzeptiert worden wäre, ist eine nicht entschiedene Frage. Aber selbst ein Ja des Gesundheitsamtes wäre erst einmal vorläufig, weil die aktuelle Corona-Verordnung nur bis zum 8. Oktober datiert. Ohnehin tragen die Schausteller ein hohes Risiko: Der Markt würde geschlossen, wenn die Infektionszahlen wieder klettern.

Auch die Ankündigung der Bürgermeisterin, den Weihnachtsmarkt zu kippen, offenbart das allgemeine Rathaus-Destaster. Ihr Nein zum Weihnachtsmarkt ist eine Retourkutsche auf das Nein des Verwaltungsausschusses zum Freizeitpark. Doch das letzte Wort ist nicht gesprochen sein. Es würde wundern, wenn die Bürgermeisterin den Weihnachtsmarkt in ihre alleinige Zuständigkeit packen könnte. Der Verwaltungsausschuss könnte den Vorgang an sich ziehen und in seinem Sinn beschließen.