Maske und App

Es ist wie es ist. Die Erde dreht sich weiter und kümmert sich nicht um Corona und Covid19. Aber das ist kein Grund, dem Geschehen tatenlos zuzuschauen. Zum Glück haben wir Regierungen in Deutschland, die sich auch unpopuläre Entscheidungen zutrauen, und Ämter, die ihre Arbeit machen. Beides ist nötig, um einen Kontrollverlust zu vermeiden.

Davon sind einige Gegenden nicht mehr weit entfernt. Das ist kein Zufall. Wer Bekannte in Großstädten hat, kennt aus ihren Schilderungen schon lange die drohende Gefahr: Viele Menschen scheren sich einen Deut um Maske und Abstand. Aber auf den Fähren zu den Inseln war es im Sommer hier nicht besser.

Und Niederländer haben sich schlapp gelacht über deutsche Corona-Regeln. Maske? Freiheitsberaubung. Nicht wenige Ostfriesen sind bewusst nach drüben zum Einkaufen gefahren, weil sie dort keine Maske tragen mussten. Das Virus dürfte sich über den möglichen Export nach Ostfriesland gefreut haben. Jetzt haben die Niederländer den Salat und die Kontrolle über das Virus verloren. Ämter sind teilweise überfordert, Kontakte der Infizierten zu verfolgen. Ein Blick nicht nur ins niederländische Ausland kann als Abschreckung und Warnung dienen.

Eigenverantwortung ist der Schlüssel zum Erfolg. „Maske, Maske, Maske“, sagt der Ärztliche Direktor des Klinikums Leer, Dr. Hans-Jürgen Wietoska. Der in Midlum aufgewachsene Mediziner freut sich im Moment noch über leere Intensiv-Betten. Er weiß, dass dies nicht selbstverständlich ist. Die Bürger haben es weitgehend selbst in der Hand, dass es so bleibt.

Noch hat das Kreisgesundheitsamt die Lage im Griff. Seine 60 Mitarbeiter verfolgen von morgens bis abends die Kontakte infizierter Menschen. 20 Freiwillige aus der Kreisverwaltung unterstützen sie. Fünf Bundeswehr-Soldaten sind jetzt eingearbeitet worden, nächste Woche folgen fünf weitere. 45 Minuten dauert im Schnitt das Telefongespräch mit dem Erstkontakt, weitere Zeit geht drauf für Information und Suche weiterer Kontakte. Zweimal täglich ruft das Gesundheitsamt bei Menschen in Quarantäne an, wie es ihnen geht.

Die Corona-Warn-App der Bundesregierung hilft ihnen zurzeit wenig – obwohl sie technisch funktioniert. Jeder vierte Bundesbürger hat die App auf sein Smartphone geladen, aber nur 60 Prozent der positiv Getesteten teilen dies anderen Nutzern der App mit. Das heißt: Kontaktpersonen gehen nicht in Quarantäne, wenn sie nichts erfahren. Das Virus breitet sich weiter aus. Datenschützer verhindern, dass die Gesundheitsämter die Daten automatisch weiterleiten. Es geschieht nur freiwillig.

Die Corona-Warn-App ist gut, aber darf ihre Möglichkeiten nicht ausspielen. Und so funktioniert sie: Sie misst mit Bluetooth-Technik den Abstand und die Begegnungsdauer zwischen Personen mit der App. Das Smartphone merkt sich alle Begegnungen – und wenn die vom Robert-Koch-Institut festgelegten Kriterien zu Abstand und Zeit erfüllt sind, tauschen die Geräte Zufallscodes aus.

Jetzt kommt’s: Werden Personen mit der Warn-App positiv getestet, können sie andere Nutzer darüber informieren. Denn alle Warn-Apps speichern die Zufallscodes des Infizierten. Die jeweilige App prüft dann, ob ihr Nutzer die positiv auf Corona getestete Person getroffen hat – und warnt den Nutzer. Technisch ist sie kompliziert, für Nutzer aber einfach. Und sie hilft.

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